Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Erkenntnisse in der neurodegenerativen Forschung

11.09.2006
Verschiedene Ansätze wurden diese Woche präsentiert

Derzeit findet im Max Delbrück Communication Center (MDC.C) in Berlin die internationale Konferenz zur Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen - mit dem Titel "Neurodegenerative Diseases: Molecular Mechanisms in a Functional Genomics Framework" - statt. Ziel dieser Konferenz, an der Forscher und Wissenschaftler aus aller Welt teilnehmen, ist es, die neuesten Ansätze und Ergebnisse aus der neurodegenerativen Grundlagenforschung zu präsentieren und diskutieren.

"Die Forschungen, die präsentiert werden, sind unterschiedliche Ansätze zur Erforschung degenerativer Erkrankungen wie Chorea Huntington oder Parkinson. Die einzelnen Forscher konkurrieren nicht miteinander und niemand behauptet, sein Weg sei der einzig Richtige. Es geht darum, verschiedene Ansätze auszuprobieren und zu sehen, welche nützlich sind und welche nicht", heißt es von der Pressestelle des MDC.C auf Anfrage von Pressetext.

In den vergangen Tagen wurden unterschiedliche Forschungsansätze auf dem Kongress präsentiert. Ron Kopito von der Stanford University in Stanford, Kalifornien beispielsweise hat mit seinem Team die grundlegenden Schutzmechanismen der Nervenzellen des Zentralen Nervensystems (ZNS) entschlüsselt. Sie vermuten, dass unlösliche Eiweißablagerungen des defekten Proteins Huntington für die neurodegenerative Krankheit Chorea Huntington verantwortlich ist. Wie Kopito erklärte, verfügt der Körper über bestimmte Schutzmechanismen wie das Ubiquitin-Proteasom-System, welches die defekten Proteine sofort aussortieren und zerstören sollte, bevor sie verklumpen und dadurch die Zelle schädigen. Wenn dieses System versagt, sollte automatisch ein weiteres Schutzsystem namens Autophagie (Selbst-Fressen) in Kraft treten, durch das sich die Nervenzellen gegen die Vergiftung durch bereits verklumpten Formen der defekten Proteine Huntington und Ataxi-1, welches für spinozerebelläre Ataxie (ein unheilbares Nervenleiden) verantwortlich gemacht wird, wehren. "Allerdings greift die Autophagie nicht für defekte Proteine, die sich im Zellkern befinden. Das könnte erklären, weshalb Proteinablagerungen für die Nervenzellen schädlicher sind, wenn sie im Zellkern lagern", so Kopito.

... mehr zu:
»Apoptose »Proteinablagerung

Eine weitere Erkenntnis wurde diese Woche von Dagmar E. Ehrenhoefer und Erich Wanker vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MCC) Berlin-Buch präsentiert. Sie konnten mit Tierversuchen zeigen, dass die Substanz Epigallocatechin-3-gallate (EGCG), die aus grünem Tee gewonnen wird, in einem frühen Stadium die Verklumpung des Huntingtin-Proteins bremst und die Zellvergiftung dadurch reduziert. Wie das MDC.C im Gespräch mit pressetext erklärt, geht Wanker von einer Wechselbeziehung der Proteine aus. Für ihn liegt der wissenschaftliche Zugang nicht in der Erforschung der Gene, sondern im Verständnis, welche "Kommunikationsprobleme" der Proteine zu welchen Erkrankungen führen.

Robert Korneluk von der Universität von Ottawa, Kanada http://www.uottawa.ca/ beschäftigt sich mit der Apoptose, den programmierten Zelltod, in Zusammenhang mit neurodegenerativen Krankheiten. Er versuchte durch eine Erhöhung der Proteinaktiviät der IAP-Gene (Inhibitor Apoptose Gene) mittels gentherapeutischen Ansätzen den programmierten Zelltod bei Tieren zu verhindern und sie so vor Erkrankungen wie Parkinson oder Schlaganfällen zu schützen. Eine zentrale Frage in diesem Bereich ist, ob die Verhinderung von Apoptose zu Krebs führt. Korneluk beantwortete diese Frage durch seine Forschungen mit einem klaren Nein.

Ein weiterer Ansatz wurde von Michael Hayden vom Child and Family Research Institute's Centre for Molecular Medicine and Therapeutics (CMMT) in Vancouver, Kanada http://www.cmmt.ubc.ca/ präsentiert. Proteinablagerungen sind durchaus nicht immer gefährlich. "Hayden's Untersuchung thematisiert die Frage, warum diese Proteinablagerungen plötzlich gefährlich werden", erklärt das MDC.C. "Wie Hayden belegen konnte, sind die Proteinablagerungen in der Zelle an sich nicht das Problem. Wenn jedoch bestimmte Moleküle hier wie eine Schere eingreifen, dann sondern sich Proteinbruchstücke (Kasparse 6) ab, welche für den menschlichen Organismus giftig sind und zu neurodegenerativen Erkrankungen führen", erläuterte das MDC.C. Wie Hayden bei seiner Präsentation ausführte, sei es vielleicht gar nicht notwendig einen Enzymblocker gegen diese Ablagerungen zu entwickeln. Eventuell würde es auch schon reichen, diesen Ablagerungs- und Vergiftungsprozess zu bremsen.

"Es handelt sich hier um reine Grundlagenforschung. Von einer möglichen Anwendung in der Behandlung kann noch keine Rede sein", erklärt das MDC.C im Interview mit pressetext. "Aber irgendwo muss man ja beginnen. Die Einzelnen Forscherteams arbeiten vernetzt miteinander. Es werden ständig Ergebnisse ausgetauscht und miteinander kommuniziert. Die Forschung im neurodegenerativen Bereich ist erst am Anfang. Wir erhalten immer mehr Einblick. Mittlerweile wissen wir, welche Prozesse bei einer neurodegenerativen Erkrankung falsch laufen. Was wir aber immer noch nicht wissen ist, warum bestimmte Proteine plötzlich für unseren Organismus giftig werden", so das MDC.C.

Victoria Danek | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de
http://www.stanford.edu/

Weitere Berichte zu: Apoptose Proteinablagerung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe
26.04.2018 | ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe

nachricht Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland
26.04.2018 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics