Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

High-Tech für die Biotechnologie bringt Wissenschaftler aus 16 Nationen nach Reutlingen

26.06.2006
Anwender von am NMI Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut in Reutlingen hergestellten elektrophysiologischen Biosensoren diskutieren neue Entwicklungen und Anwendungen in der physiologischen Grundlagenforschung und in der industriellen Wirkstoffforschung.

Die Methode der Wahl zur Messung elektrischer Aktivität in Zell- und Gewebepräparaten ist die Mikroelektroden-Array (MEA)-Technik. Diese Technik gehört heute zum elektrophysiologischen Standardinstrumentarium und wird in der Forschung und in der industriellen Wirkstoffentwicklung eingesetzt.

Auf Einladung des NMI Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituts Reutlingen treffen sich vom 4.-7. Juli 150 Wissenschaftler aus 16 Nationen zum 5. Internationalen Anwendertreffen.

Seit dem ersten dieser Treffen, das 1998 ebenfalls vom NMI veranstaltet wurde, haben sich diese alle zwei Jahre stattfindenden Konferenzen zu einem wissenschaftlich hochwertigen Treffpunkt für Entwickler und Anwender der MEA-Technik aus universitären und industriellen Labors entwickelt. Die interdisziplinären Konferenzen bieten einen umfassenden Überblick über alle aktuellen Aspekte der MEA-Technik und ihrer Anwendung in der Grundlagenforschung und industriellen Medikamentenentwicklung.

... mehr zu:
»Biotechnologie »MEA »MEA-Technik

Mitveranstalter ist die BIOPRO Baden-Württemberg GmbH. Anlässlich des 5. Treffens gibt BIOPRO einen Konferenzband heraus. In dieser BIO¬PRO edition sind alle 100 Vorträge und Posterpräsentationen zusammengefasst.

Anwendungen von Mikroelektroden-Arrays in der Grundlagen- und Medikamentenforschung.

MEAs sind ideale Biosensoren zur Messung akuter und chronischer Wirkungen von Medikamenten und Giftstoffen. Sie ermöglichen funktionelle Studien mit Zell- und Gewebepräparaten unter Bedingungen, die normalen und krankheitsbedingt veränderten physiologischen Zuständen entsprechen.

MEAs bestehen aus einer Vielzahl von mikroskopischen Elektroden auf der Oberfläche eines Glasplättchens, auf dem Zellen kultiviert werden. Die Elektroden ermöglichen die elektrische Stimulation und gleichzeitige Messung der elektrischen Aktivität einer Vielzahl von Zellen. Dadurch lässt sich die räumlich-zeitliche Ausbreitung der Nervenzellaktivität und das Reizantwortverhalten in natürlichen Netzwerken unter Einfluss verschiedener Reize (elektrisch, chemisch) untersuchen. Die häufigsten Anwendungen sind Ableitungen von frischen Schnittpräparaten und organtypischen Kulturen von Rückenmark und Hirnarealen. Ebenso können Zellkulturen des Nervensystems und Herzmuskelzellen verschiedener Spezies verwendet werden. Diese Modellpräparate lassen sich bei der Wirkstofffindung für Krankheiten wie Epilepsie, Ischämie, Schizophrenie, Degeneration und Regeneration sowie Herz-Kreislauf Erkrankungen einsetzen.

Seit ihrer Einführung vor 30 Jahren wurde die Technologie ständig weiterentwickelt und fand ihren Weg in viele biologische Labors. Seit wenigen Jahren wird der Technologie verstärkt von der Pharmaindustrie Interesse entgegengebracht, getrieben durch die Notwendigkeit, ausgewählte Substanzen hinsichtlich ihrer Wirkung und Nebenwirkung auf Ionenkanäle, die in fast allen Zellen unseres Körpers vorkommen, zu untersuchen.

Hauptredner stellen krankheitsbezogende Anwendungen der MEA-Technologie und neueste Entwicklung vor.

Die Konferenz wird von Izak Kehat vom Technion, dem israelischen Technologieinstitut in Haifa eröffnet. Er berichtet über zelltherapeutische Behandlungsstrategien mit Stammzellen zur Behandlung von Fehlfunktionen des Herzens. Bei der Entwicklung dieses Ansatzes spielen MEAs eine wichtige Rolle, da sie die funktionelle Untersuchung der aus Stammzellen gewonnenen Herzmuskelzellen ermöglichen.

Hagai Bergman von der Hebrew Universität in Jerusalem wird über die Verwendung von MEAs bei seiner Forschung über normale und krankhaft veränderte Aktivitätsmuster von Nervenzellverbänden berichten. Seine Forschungsergebnisse helfen, die Parkinson- und andere Bewegungskrankheit besser zu verstehen.

Die Verarbeitung von Information in neuronalen Netzwerken steht auch im Mittelpunkt des Vortrages von Michael Berry von der Universität von Princeton, USA. Er wird über seine Forschung zur Kodierung von Sehinformationen in der Netzhaut berichten.

Der Pionier in der Entwicklung von Techniken zur Kultivierung von Hirnpräparaten auf MEAs, Luc Stoppini von der britischen Firma Capsant Neurotechnologies Ltd in Southampton, wird über aktuelle Entwicklungen und Anwendungen dieser Techniken in der industriellen Forschung über Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Alzheimer, Epilepsie und Schlaganfall berichten.

Im industriellen Umfeld spielt die Automatisierung von Techniken für die Wirkstoffsuche eine grosse Rolle. Über Anforderungen, die sich daraus für elektrophysiologische Methoden ergeben, spricht Rainer Netzer von der Evotec OAI AG in Hamburg. Eine der wichtigsten elektrophysiologischen Methoden zur Untersuchung von Ionenkanälen, die Patch-Clamp-Methode, wurde inzwischen mit mikrosystemtechnischen Mitteln automatisert. Hierüber spricht Niels Fertig von der Fa. Nanion Technologies in München.

Die Grundlagen der Funktionsweise und Fertigung von Computerchips war der Ausgangspunkt der Entwicklung von neuroelektronischen Schnittstellen mit Kondensatoren und Transistoren. Der Begründer dieses technischen Ansatzes, Peter Fromherz vom Max Planck-Institut für Biochemie in Martinsried/München wird über die grundlegenden Mechanismen solcher Zellsensoren berichten.

Das NMI Naturwissenschaftliche und Medizinische Institut ist einer der Pioniere der MEA Technologie.

Miniaturisierte Methoden haben in der Biotechnologie und in der Pharmaindustrie eine große Bedeutung erlangt. Zeitaufwändige Laborprozesse lassen sich durch Miniaturisierung und Integration automatisieren. Eine besondere Bedeutung hat für das NMI die Elektrophysiologie, die in der Wirkstoffentwicklung eine immer größere Rolle spielt. Beispiele der Entwicklungen am NMI sind die MEA Technik und die Automatisierung des Patch-Clampings.

Das NMI ist einer der Pioniere der MEA-Technik. Seit über 10 Jahren wird diese Technik laufend weiterentwickelt, vereinfacht und zunehmend automatisiert. Besondere Elektrodenmaterialien ermöglichen sehr rauscharme Messungen. Die Entwicklungen gehen dahin, durch Einsatz moderner Fertigungsprozesse und die Verkleinerung der Substrate den Aufwand der Herstellung zu reduzieren und neue Anwendungspotentiale zu eröffnen.

Seit Anfang an dabei war die Multi Channel Systems GmbH, Reutlingen, die elektronische Messsysteme und Software entwickeln und die am NMI hergestellten MEAs weltweit vertreibt. Multi Channel Systems ist mit je nach Region bis zu 70 % Marktanteil der weltweit bedeutenste Anbieter dieser Technologie.

Die MEA-Technologie war auch die technologische Basis für eine Lösung für das automatisierte Patch-Clamping und eine Firmengründung. Eine chipbasierte Lösung wurde vom NMI patentiert. Die Start-Up Firma Cytocentrics AG hat das Konzept umgesetzt und entwickelt einen Automaten für industrielle Ionenkanal-Untersuchungen.

Dr. Nadja Gugeler | idw
Weitere Informationen:
http://www.nmi.de/meameeting2006
http://www.biochipnet.com/
http://www.nmi.de/

Weitere Berichte zu: Biotechnologie MEA MEA-Technik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni
24.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet
24.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten