Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Schnitt am Hals, der Leben rettet

26.04.2006


Experten aus 14 Ländern diskutieren moderne und neue Tracheotomieverfahren (Luftröhrenschnitt)


Schon die alten Ägypter vor 5.000 Jahren sollen es getan haben. Im Mittelalter experimentierten Wissenschaftler auf der Suche nach künstlichen Beatmungswegen vor allem an Tieren. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der damals umstrittene Luftröhrenschnitt zunehmend in Frankreich bei größeren Diphtheriewellen eingesetzt. Es war Wilhelm Baum (1799 - 1883), der 1844 in Greifswald die erste erfolgreiche Tracheotomie bei Diphtherie in Deutschland durchführte und ihr somit zum Durchbruch verhalf. Somit zählt der Luftröhrenschnitt zweifellos zu den ältesten Operationsverfahren der Medizingeschichte.

Anlässlich des 550. Jubiläums der Universität Greifswald haben Intensivmediziner und HNO - Ärzte der Hansestadt nun Experten aus aller Welt zu einem internationalen Symposium "Tracheotomie gestern und heute" eingeladen. Vom 11. bis 13. Mai 2006 werden 250 Gäste aus 14 Ländern zu der Fachtagung rund um den Luftröhrenschnitt erwartet. Dabei steht die rasante Entwicklung der Tracheotomie in den letzten 15 Jahren im Mittelpunkt der dreitägigen Konferenz.


Während es sich in den vergangenen Jahrhunderten beim Luftröhrenschnitt fast immer um eine Notmaßnahme handelte, wird der Eingriff heute oftmals als Wahloption im Zusammenhang mit Tumoroperationen oder zur Freihaltung der Atemwege bei Intensivpatienten praktiziert. "In den letzten Jahren wurde zudem eine Reihe neuer minimal-invasiver Tracheotomieverfahren entwickelt, die in der heutigen Intensivmedizin bereits eine breite Anwendung erfahren haben", erläuterte Oberarzt Dr. Matthias Gründling. Bei diesem Luftröhrenschnitt werden Haut und Weichteile am Hals nicht mehr wie früher üblich durchtrennt. Die Luftröhre wird lediglich mit einer Hohlnadel punktiert, durch die ein Führungsdraht geschoben wird. Über diesen Zugang kann der Tubus eingeführt werden, über den die künstliche Beatmung abgesichert wird. Nach Wiedererlangung der selbstständigen Atmung ist von dem neuzeitlichen "Luftröhrenschnitt" nichts mehr zu sehen. Diese Methode, 1985 erstmals von einem Amerikaner praktiziert, hat sich zweifelsfrei bewährt. Das Uniklinikum Greifswald gehörte auch bei den schonenden Verfahren zu den Vorreitern und kann schon auf über 1.000 erfolgreiche Punktionseingriffe verweisen. Inzwischen wird diese Methode bei 80 Prozent der Intensivpatienten, die eine Tracheotomie benötigen, angewandt. "Wir freuen uns, zu unserem Greifswalder Symposium alle Wissenschaftler begrüßen zu können, die maßgeblich die Tracheotomie nach 1990 geprägt haben", so Tagungsleiter Dr. Matthias Gründling.

Neben der Vorstellung aller verfügbaren Methoden der Tracheotomie sollen auf der Fachkonferenz insbesondere mögliche Komplikationen und Gefahren diskutiert werden, um eine noch risikoärmere Durchführung des Eingriffs zu sichern und Spätkomplikationen wie Luftröhrenverengungen zu vermeiden. Zudem werden zwei neue Verfahren erstmals einem größeren Fachkreis präsentiert und in einem Praxiskurs die heute gängigen Verfahren demonstriert. Alle Vorträge werden in einem Symposiumsband der Zeitschrift "Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung" im Verlag PABST PUBLISHERS veröffentlicht.

Den Teilnehmern wird neben dem wissenschaftlichen Diskurs auch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm geboten, bei dem sie die traditionsreiche Universitäts- und Hansestadt sowie die nähere Umgebung kennen lernen können. So sind sowohl Stadtbesichtigungen, Führungen im Pommerschen Landesmuseum, in der Anatomischen Sammlung und im Karzer der Universität als auch ein Ausflug auf die Insel Usedom geplant. In der Universitätsbibliothek wird die Möglichkeit bestehen, einen Blick in historische Medizinbücher zu werfen und alte Tracheotomie-Instrumente zu betrachten. Dabei wird das von 1654 stammende erste Greifswalder Buch zur Tracheotomie von Friedrich von Monau mit einer Abbildung des Verfahrens sicherlich von besonderem Interesse für die Besucher sein.

Am Donnerstag, dem 11. Mai 2006, findet um 17.00 Uhr zum Thema "Der Papyrus Ebers - die berühmteste Schriftrolle zur Heilkunde der alten Ägypter" ein öffentlicher Festvortrag von Prof. Reinhold Scholl von der Universitätsbibliothek Leipzig statt (Hörsaal im Institut für Anatomie und Zellbiologie, Friedrich-Loeffler-Straße 23 c). Der Papyrus befindet sich im Besitz der Universität Leipzig. Dazu sind Gäste herzlich willkommen.

Das komplette Programmheft ist unter http://www.tracheotomie-online.de/Programm_1.pdf abrufbar.

Veranstaltungsort
Institut für Anatomie und Zellbiologie
Friedrich-Loeffler-Straße 23 c, Greifswald

Die Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen, das Symposium zu begleiten.

Luftröhrenschnitt

Ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) ist eine Operation, die heute bei Patienten verschiedener Fachgebiete durchgeführt wird. Dadurch kann der Patient über eine längere Zeit unter Umgehung der natürlichen Atemwege (Mund, Nase, Kehlkopf) atmen oder beatmet werden. Der Schnitt, bei dem die Luftröhre unterhalb des Kehlkopfes eröffnet wird, dient der langfristigen Sicherung der Atmung.

Als Luftröhrenschnitt wird auch eine lebensrettende Maßnahme in der Notfallmedizin, die Koniotomie, verstanden. Ist eine Offenhaltung der oberen Atemwege mittels Intubation (Einführen eines Schlauches über Mund oder Nase zur Sicherung der Atemwege) nicht möglich, kann der Patient mit Hilfe der Koniotomie vor dem Ersticken bewahrt werden. Dabei wird die Membran zwischen Ringknorpel und Schildknorpel des Kehlkopfes horizontal durchtrennt oder mit einer Kanüle punktiert.

Ansprechpartner
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Dr. Matthias Gründling
Friedrich-Loeffler-Strasse 23, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-58 60
F +49 3834 86-58 54
M +49 173-203 54 46
E gruendli@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-greifswald.de
http://www.tracheotomie.info
http://www.tracheotomie-online.de/Programm_1.pdf

Weitere Berichte zu: Koniotomie Luftröhrenschnitt Tracheotomie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017
28.04.2017 | Deutsche Gesellschaft für Immunologie

nachricht Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru
28.04.2017 | InfectoGnostics - Forschungscampus Jena e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie