Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gen-Forscher treffen sich zum Drosophila-Kongress in Leipzig

29.11.2005


Zu ihrem 11. Kongress treffen sich Drosophila-Forscher aus dem deutschsprachigen Raum in Leipzig. Ca 70 Wissenschaftler repräsentieren eine Bandbreite der Drosophila-Forschung von der Entwicklungsgenetik, besonders im Zusammenhang mit Fragen der Krebsentstehung, über die Neurogenetik, die auch den Ursachen neurodegenerativer Erkrankungen wie Parkinson nachgeht, bis zu molekularen Untersuchungen zur Evolution der Organismen.

... mehr zu:
»Genetik

Zeit: 02.12.2005 bis 03.12.2005 Ort: Hörsaal des Institutes für Biologie I Johannissallee 21-23

Viele kennen die kleine Fliege, die im Sommer um das reife Obst in der Küche herumschwirrt. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass es sich dabei um die "grand dame" der genetischen Forschung handelt. Ihre Karriere erahnte Thomas H. Morgan sicher nicht als er vor fast einhundert Jahren die Fruchtfliege Drosophila melanogaster in sein Labor nahm, um in den folgenden Jahren heute selbstverständlich erscheinende Erkenntnisse der Genetik zu entschlüsseln.


Die vielen Vorteile, die diese 2-3 mm lange Fliege bietet (einfache Zucht, Vermehrungszyklus 10 Tage bei 25oC, vier Paare mikroskopisch gut sichtbarer, vielsträngiger Riesenchromosomen, Vielfalt an Mutanten, einzigartige Möglichkeiten der genetischen Analyse) sind Gründe dafür, dass man sie heute noch im Schulunterricht sowie molekulargenetischen Forschungslabors antrifft. Die Analysen dieses Modellorganismus führen immer wieder zu - auch für das Verständnis des menschlichen Organismus - bedeutenden systemübergreifenden Erkenntnissen. Dies begann mit den Arbeiten Morgans über die Bedeutung der Chromosomen, führte über den Nachweis der mutagenen Wirkung von Röntgenstrahlung durch Herman J. Muller 1927, die Entdeckungen genetischer Mechanismen der Entwicklung eines Organismus aus einer einzigen Zelle in den 80er und 90er Jahren und endete nicht mit der Entschlüsselung des Genoms der Fliege im Jahr 2000. Die Sequenzierung der Fliegen-DNA bietet neue Ansatzmöglichkeiten auf allen Gebieten auf denen mit Drosophila gearbeitet wird, einschließlich Fragen der Krebsentstehung oder der Gehirnfunktionen.

Auch am Lehrstuhl für Genetik der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie der Universität Leipzig dreht sich alles um die Fruchtfliege. Die Wissenschaftler gehen Fragen nach:

1. wie die Struktur der Chromosomen Einfluss auf die Aktivität der Gene nimmt

2. wie sich die Evolution der Tiere ausgehend von Drosophila-Genen darstellt und

3. welche Möglichkeiten sich ergeben aus der Züchtung gentechnisch veränderter Fliegen die Funktion einzelner Gene zu erforschen.

Seit dem Jahr 2000 ist zwar die Zusammensetzung des Erbmoleküls der Fliege Drosophila melanogaster nahezu in Endqualität bekannt und es gelang die Zahl der Fliegengene (ca. 14.000) zu ermitteln. Ein sehr großer Anteil davon findet sich auch beim Menschen in ähnlicher Form. Es wurde dabei aber auch deutlich, dass die Funktionen des weitaus größten Teils dieser Gene bisher noch völlig unbekannt sind. "Auch hier bringen wir uns in die Forschung ein", erläutert Prof. Heinz Sass, der den Leipziger Lehrstuhl für Genetik ab 1996 aufbaute und seitdem leitet. "Zum Beispiel zeigt das Bild eine Larve der Drosophila-Fruchtfliege mit einem von uns zusätzlich in ihr Erbgut eingeschleusten Gen, hsp82-neo genannt. Über hsp82-neo gewonnene Antibiotika-Resistenz können solche Larven ihr Futter entgiften und wachsen. Fruchtfliegen ohne hsp82-neo-Aktivität sterben. Experimentell entstehen so neue, stabile Drosophila-Linien. Mit der Gensonde hsp82-neo verschiedene Einzelgene aufzuspüren und ihre Funktionen aufzuklären, ist ein modernes Tiermodell in der Grundlagenforschung des Leipziger Lehrstuhls für Genetik. Zudem versuchen wir, in Kooperation mit Informatikern, Philosophen und Medizinern die Erfassung der stetig wachsenden Flut biomedizinischer und genetischer Daten zu optimieren, um sie für alle Wissensgebiete besser nutzbar zu machen".

Ihre neuen Ergebnisse diskutieren die Mitarbeiter um Dr. Bert Klagges, Dr. Veiko Krauß und Prof. Heinz Sass am 2. und 3. 12.2005 mit Drosophila-Forschern aus dem deutschsprachigen Raum.

Weitere Informationen:
Dr. Bert R. E. Klagges
Telefon: 0341/97 36 937
E-Mail: klagges@rz.uni-leipzig.de

Prof. Dr. Heinz Sass
Telefon: 0341 97-36875
E-Mail: sass@uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~genetics

Weitere Berichte zu: Genetik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung
27.06.2017 | Fraunhofer IISB

nachricht Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle
27.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie