Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kompetenzen stärken, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen!

22.11.2005


Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund verbessern:

... mehr zu:
»Migrationshintergrund

"Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund" lautet das Thema der Fachtagung, die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) am 23. November 2005 in Bonn durchgeführt wird. Ihr Motto "Kompetenzen stärken, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen" benennt zugleich das Programm der Veranstaltung: Auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse aus dem BIBB soll die aktuell geführte Debatte um die Probleme junger und erwachsener Migranten/innen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung aufgegriffen und gemeinsam mit Fachleuten diskutiert werden. Betont werden sollen dabei auch die spezifischen Potentiale der Migranten/innen, die bisher selten positiv wahrgenommen werden: Ihre interkulturellen Kompetenzen, das heißt ihre muttersprachlichen Fähigkeiten und ihre Vertrautheit mit einer anderen Kultur sind ein "Plus", das sie bewusst in ihr berufliches Handeln einbringen können und das von den Betrieben genutzt und gefördert werden sollte.

Ergebnisse des BIBB-Forschungsprojekts "Interkulturelle Kompetenzen junger Fachkräfte mit Migrationshintergrund: Bestimmung und beruflicher Nutzen" zeigen z.B., dass die Erstsprache der Migranten/innen sowohl in internationalen Berufsfeldern, z.B. bei Kaufleuten im Außenhandel, aber ebenso in Arztpraxen oder im Einzelhandel sinnvoll eingesetzt werden kann. Sprachkenntnisse sowie Kenntnisse des kulturellen Hintergrunds helfen dabei, sich mit ausländischen Kunden oder Patienten nicht nur problemlos sprachlich zu verständigen; verstanden wird auch, was "zwischen den Zeilen" mitgeteilt wird. Fachkräfte mit Migrationshintergrund können besser als Einheimische in verschiedenen Gesprächssituationen - von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Geschäftsabschluss oder beim Schlichten von Konflikten - Situationen einschätzen und Vertrauen herstellen.


Vorgesetzte diese Kompetenzen nicht immer zu schätzen wissen, obwohl ihr Nutzen für die Betriebe klar erkennbar ist. Der Migrationshintergrund wird weniger als Vorteil sondern vielmehr als Defizit gesehen. Dies bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Betroffenen selbst: Auch sie sind sich ihres "Plus" nicht ausreichend bewusst - interkulturelle Kompetenzen werden bei Bewerbungen nur von einem Teil von ihnen benannt. Erforderlich ist daher, bei allen Beteiligten den Blick auf die speziellen Kompetenzen von Personen mit Migrationshintergrund zu lenken und die Wahrnehmung ihrer Möglichkeiten zu fördern.

Doch vor der Berufstätigkeit kommt die Berufsausbildung - und auf diesem Weg stoßen viele junge Menschen mit Migrationshintergrund auf erhebliche Schwierigkeiten. Nach einer gemeinsam vom BIBB und der Bundesagentur für Arbeit (BA) durchgeführten Untersuchung bei Lehrstellenbewerbern/innen, die sich 2004 bei der BA gemeldet hatten, fanden von den Bewerbern/innen mit Migrationshintergrund nur 29% einen betrieblichen Ausbildungsplatz - bei den einheimischen Bewerbern/innen waren es 40%; bestehen unterschiedliche Chancen auch dann, wenn Bewerber/innen mit Migrationshintergrund über den gleichen Schulabschluss wie einheimische Mitbewerber/innen verfügen. Während von den Bewerbern/innen mit Hauptschulabschluss aus Migrantenfamilien 25% einen Ausbildungsplatz fanden, lag die Quote bei einheimischen Schulabgängern/innen mit Hauptschulabschluss bei 29%. Noch stärker ausgeprägt sind diese Unterschiede bei Absolventen/innen mit mittlerem Abschluss: Während von den Realschulabsolventen aus Migrantenfamilien nur 34% einen Ausbildungsplatz fanden, waren es bei der deutschen Vergleichsgruppe 47%.

Auf der Grundlage der Berufsbildungsstatistik hat das BIBB die Ausbildungsquote von Jugendlichen deutscher und ausländischer Nationalität analysiert. Danach hatten im Jahr 2004 72.100 Aus-zubildende einen ausländischen Pass; d.h., lediglich 25% aller ausländischen Jugendlichen befanden sich in einer dualen Ausbildung, während gleichzeitig die Ausbildungsbeteiligungsquote deutscher Jugendlicher bei 59% lag und damit mehr als doppelt so hoch war. Die Aussichten junger Menschen ausländischer Nationalität auf eine berufliche Ausbildung haben sich danach seit Mitte der 90er Jahre deutlich verschlechtert. Ihre Ausbildungsquote sank von 34% in 1994 auf 25% in 2004.

Folge des schwierigen Zugangs zu einer vollqualifizierenden Ausbildung: Junge Menschen mit ausländischem Pass bleiben überproportional häufig ohne einen anerkannten Berufsabschluss. Im Jahr 2003 hatten 37% der 20 - 29 jährigen Erwachsenen ausländischer Nationalität keinen anerkannten Berufsabschluss - 11% betrug dieser Anteil bei jungen Deutschen.

Soll diese Gruppe nicht dauerhaft aus dem Arbeitsmarkt ausgegrenzt werden, muss jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss eine zweite Chance gegeben werden, diesen in einer abschlussbezogenen Nachqualifizierung nachträglich zu erwerben. Dabei sollten die Maßnahmen zur Nachqualifizierung sowohl an dem Bedarf junger Erwachsener als auch an ihren informell erworbenen Kompetenzen bzw. vorhandenen Teilqualifikationen ansetzen.

Lehrkräfte in der beruflichen Weiterbildung sind bei dieser beruflichen Qualifizierung der Migranten/innen in besonderer Weise gefordert, wenn die Teilnehmerstruktur ihrer Kurse gemischt ist und Einheimische und Zuwanderer zusammen lernen. Wie das Forschungsprojekt des BIBB zu den "Anforderungen an das Lehrpersonal in der beruflichen Weiterbildung von Lerngruppen mit Teilneh-menden deutscher und anderer Herkunft" (vgl. BIBB-Pressemitteilung 43/2005, aufgeführt in der nachfolgenden Linkliste) gezeigt hat, muss das Lehrpersonal für diese Aufgabe nicht nur speziell qualifiziert werden. Zusätzlich zur Qualifizierung sollten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den fachlichen Anforderungen der Kurse entsprechen und ihren positiven Verlauf beeinflussen: Strukturelle Aspekte wie die Regelung des Kurszugangs und die Dauer der Kurse sind die Grundlage der Arbeit des Lehrpersonals.

Weitere Informationen zum Thema auf den Internet-Seiten des BIBB:

  • Programm der Tagung "Kompetenzen stärken, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen. Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund" unter www.bibb.de/de/1427.htm

  • Materialien aus dem BIBB zur "Berufsbildung von Migranten/innen" unter www.bibb.de/tagung-migranten2005

  • Gesprächskreis Migration und Integration der Friedrich-Ebert-Stiftung unter www.fes.de/aspol

Dr. Ilona Zeuch-Wiese | idw
Weitere Informationen:
http://www.bibb.de/de/22064.htm
http://www.bibb.de/de/1427.htm
http://www.bibb.de/tagung-migranten2005

Weitere Berichte zu: Migrationshintergrund

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule
18.01.2017 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

nachricht Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik