Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Absage an Wunder - Diäten

26.10.2005


Ernährungsstrategien zur Krankheitsvorbeugung am 27. Oktober an der Universität Jena auf dem Prüfstand


Ob "Zuckerknacker", "Fatburner" oder "Trennkost" und "Fünf Elemente" - die Erfinder immer neuer Diäten sind fantasievoll bei der Namensgebung für ihr Patentrezept zum Abnehmen. "Für die meisten der 1.000 Ernährungsstrategien, die auf dem Markt kursieren, gibt es jedoch keine oder nur wenig gesicherte Erkenntnisse über deren Wirkung", sagt Prof. Dr. Gerhard Jahreis. Aufklärung der Verbraucher sei wichtig, so der Direktor des Instituts für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena weiter. Dazu will die Thüringer Sektion der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) mit ihrer 13. Ernährungsfachtagung beitragen, die am Donnerstag, 27. Oktober, in Jena stattfindet.

"Wir sollten den Menschen, die abnehmen wollen oder müssen, dafür nur das empfehlen, was die Wissenschaft auch mit gesicherten Daten belegen kann", fordert Jahreis. Selbst bei Ernährungsvorschlägen zur Krankheitsvorbeugung oder zur Unterstützung der Heilung seien wissenschaftlich begründete Erkenntnisse noch nicht ausreichend vorhanden. Die Jenaer Tagung, zu der mehr als 250 Teilnehmer an der Friedrich-Schiller-Universität erwartet werden, stellt deshalb die Frage nach der "Effektivität von Ernährungsstrategien in der Prävention von Erkrankungen".


Namhafte Fachleute werden sich vier wichtigen Erkrankungen widmen, auf deren Entstehung oder Heilung die Ernährung nachgewiesenermaßen einen großen Einfluss hat. Unter anderem stellt die Jenaer Professorin für Ernährungstoxikologie, Dr. Beatrice L. Pool-Zobel, aktuelle Studien über den Zusammenhang von richtiger Ernährung und Krebsrisiko vor. Am Beispiel des Dickdarmkrebses etwa sei im Rahmen einer Studie gezeigt worden, dass der "übermäßige Verzehr von roten und verarbeiteten Fleischwaren mit Risiken einhergeht", erklärt sie. Dagegen sei die epidemiologische Datenlage zur Risikoverminderung des Darmkrebses durch Gemüse und Obst bzw. durch Ballaststoffe "noch sehr kontrovers", räumt Pool-Zobel ein. Neue Untersuchungen unter Einbeziehung der genetischen Empfindlichkeit und der molekularen Mechanismen der Krebsentstehung weisen aber zunehmend auf die besondere Rolle der Ernährung und anderer äußerer Faktoren bei der Entwicklung von Krebserkrankungen hin.

Einen Wandel in den Ernährungsempfehlungen zur Vorbeugung von Herzkreislauferkrankungen beschreibt Prof. Dr. Ursel Wahrburg von der Fachhochschule Münster in ihrem Vortrag. Zwar sei die zentrale Bedeutung der Ernährung zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Problemen eindeutig, ein Wirksamkeitsnachweis für die meisten Einzelnährstoffe fehle jedoch bislang, sagt sie. Nach neuesten Erkenntnissen werde "nicht grundsätzlich eine fettarme Kost empfohlen, sondern der Schwerpunkt auf eine Modifizierung der Fettzufuhr zugunsten der einfachen ungesättigten Fettsäuren und der Omega-3-Fettsäuren gelegt". Ähnliches gelte für die Kohlenhydrate, die durchaus mehr verbraucht werden können, wenn sie mit ballaststoffreichen Lebensmitteln und nur zu einem kleinen Teil mit Weißmehlprodukten und Zucker aufgenommen werden.

Einseitige Betrachtungsweisen seien abzulehnen, sagt Prof. Jahreis. "Bei der Ernährung ist eine ausgeglichene Energiebilanz wichtig, die weder durch eine Fett verachtende noch durch eine extrem kohlenhydratreduzierte Kost erreicht wird." Zudem müsse sowohl bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen als auch bei Diabetes mellitus als Folgeerkrankung von Übergewicht die richtige Ernährung durch aktives Bewegungstraining ergänzt werden, erklärt er. Zu diesem Problemkreis stellen Dr. Helmut Oberritter von der DGE und Dr. Joachim Spranger vom Deutschen Institut für Ernährungswissenschaften in Potsdam neue Forschungsergebnisse vor. "Auch setzt sich bei den Ernährungswissenschaftlern immer mehr die Erkenntnis durch, dass der genetischen Prädisposition etwa bei Adipositas oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wesentlich größere Rolle beigemessen werden muss", so das Resümee von Jahreis, der auch Vorsitzender der Thüringer DGE-Sektion ist.

Kontakt:
Prof. Dr. Gerhard Jahreis
Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Jena
Dornburger Str. 24, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949610, Fax: 03641 / 949612
E-Mail: Gerhard.Jahreis[at]uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Ernährungsstrategie Ernährungswissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen
24.03.2017 | Technische Hochschule Wildau

nachricht Lebenswichtige Lebensmittelchemie
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise