Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umweltmedizinische Tagung in Erlangen

18.10.2005


Wenn die Umwelt krank macht

... mehr zu:
»Acrylamid »Hygiene »Umweltmedizin

Der Mobilfunk und die möglichen Gefahren für die Gesundheit, die von den Mobilfunkwellen ausgehen können, stehen im Mittelpunkt der Jahrestagung der Gesellschaft für Hygiene und Umweltmedizin und der International Society of Environmental Medicine, die vom 19. bis 21. Oktober 2005 in Erlangen stattfindet. Darüber hinaus werden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem auch über die Feinstaub-Problematik, das Lebensmittelgift Acrylamid und Weichmacher austauschen. Auf dem Kongress treten Wissenschaft und Praxis in einen direkten Austausch, denn erstmals tagen die beiden wissenschaftlichen Gesellschaften gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Die Tagungspräsidentschaft liegt in den Händen von Prof. Dr. Jürgen Angerer und Prof. Dr. Hans Drexler vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Erlangen-Nürnberg.

Mobilfunk


Die gesundheitliche Gefährdung durch den Mobilfunk wird in der Gesellschaft äußerst kontrovers bewertet. Einerseits gibt es große Bedenken und Befürchtungen hinsichtlich der gesundheitlichen Gefährdung durch elektromagnetische Felder, insbesondere durch Mobilfunkwellen, andererseits sind trotz einer Vielzahl von Studien und Experimenten harte wissenschaftliche Daten, die ein Gefährdungspotential erkennen ließen, rar und werden in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Auch innerhalb der Ärzteschaft wird die Gefährdung oftmals ganz unterschiedlich bewertet. Dem Thema Mobilfunk wurde daher ein Symposium gewidmet und im anschließenden öffentlichen Bürgerforum soll auch dem wissenschaftlich nicht in die Materie eingearbeiteten besorgten Bürger die Möglichkeit gegeben werden, Fragen an die Experten zu stellen.

Feinstaub

Aufgrund der neuen EU-Grenzwerte ist im April 2005 die in der Wissenschaft seit langem bekannte Problematik der gesundheitlichen Gefährdung durch Feinstäube in die Öffentlichkeit getragen worden. Neben der Frage, wie die Exposition zu verringern ist, ist auch immer die gesundheitliche Gefährdung der Allgemeinbevölkerung durch Feinstäube zu berücksichtigen. In Kurzzeitstudien konnte mehrfach belegt werden, dass die Sterblichkeit an Atemwegs- und Herzerkrankungen an Tagen mit erhöhter Feinstaubbelastung wächst. Besonders gefährdet sind dabei Personen mit Vorschäden an Herz und Lungen ebenso wie Kinder. Wissenschaftlich fundierte Schätzungen auf dem Boden vorliegender epidemiologischer Studien gehen davon aus, dass sechs Prozent der Sterbefälle, zwei Prozent der Krankenhaus-Einweisungen, zwölf Prozent der chronischen Bronchitis (bei Kindern 30 Prozent) und sechs Prozent der Asthma-Anfälle auf Feinstaub zurückzuführen sind. Die Belastung der Feinstäube soll zu einer Reduktion der Lebenszeit von neun Monaten führen. Im Vergleich zur Lebenszeitverkürzung durch inhalatives Zigarettenrauchen (etwa neun Jahre) ist die dadurch verursachte Lebenszeitreduktion nicht unwesentlich.

Acrylamid

Acrylamid nehmen wir mit vielen Nahrungsmitteln auf unter anderem mit Pommes Frites, Kartoffelchips, Kaffee, Getreideprodukten, Lebkuchen und Kaffee. Allerdings handelt es sich beim Acrylamid um eine Substanz, die sich im Tierversuch als eindeutig krebserzeugend erwiesen hat. Strittig war die Frage, ob Acrylamid auch beim Menschen krebserzeugend wirkt. Untersuchungen des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Erlangen-Nürnberg zeigen nun, dass der menschliche Stoffwechsel des Acrylamid dem von Nagetieren sehr ähnelt. Dies aber bedeutet, dass wir davon ausgehen müssen, dass das Acrylamid auch für den Menschen krebserzeugend ist.Damit gehört das Acrylamid zu den wichtigsten Umweltkanzerogenen.

Weichmacher

Wie das Acrylamid sind auch die Phthalate Gegenstand des Berichtes des Rates der Sachverständigenkommission für Umweltfragen der Bundesrepublik Deutschland. Diesen allgegenwärtig auftretenden Weichmachern werden hormonähnliche Wirkungen zugeschrieben, die sich negativ auf die männliche Fortpflanzungsfähigkeit auswirken. Neueste Untersuchungen zeigen nun, dass bestimmte Phthalate in rezeptfreien Medikamenten enthalten sind. Auch diese Frage wird auf diesem Kongress besprochen.

Darüber hinaus decken die übrigen Themen, die bei diesem Kongress angesprochen werden, das große Spektrum von Hygiene und Umweltmedizin ab. Es umfasst die Umwelt- und Lebensmitteltoxikologie. Auch Probleme, die in Innenräumen auftreten wie Schimmelpilze, Luftqualität, VOC-Belastungen (volatile organic compounds) nehmen einen breiten Rahmen ein. Gleiches gilt für die vielfältigen Probleme der Hygiene, der Infektion und der Desinfektion in Krankhäusern, sowie die Fragen der Wasserhygiene. Berichte über die aktuellsten Themen und Entwicklungen aus Expertenkommissionen runden das Bild ab. Dies betrifft die Kommissionen bzw. Expertengremien Innenraumlufthygiene, Reinhaltung der Luft, Human-Biomonitoring, Qualitätssicherung in der Umweltmedizin, Trinkwasser, Krankenhaushygiene, Desinfektionsmittel, Badewasser, umweltmedizinische Beratungsstellen, Bewertung von Bauprodukten.

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de

Weitere Berichte zu: Acrylamid Hygiene Umweltmedizin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft
24.04.2017 | Wissenschaft im Dialog gGmbH

nachricht 3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg
24.04.2017 | Hochschule Mannheim - University of Applied Sciences

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung