Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Denken in Kreisläufen und moderner Technik

27.09.2005


Experten diskutieren Wissensstand und Handlungsempfehlungen für die Politik


„Bodenschutz und eine rentable landwirtschaftliche Bodenbewirtschaftung sind keine Gegensätze.“ Dies betonte Eckhard Uhlenberg, Minister für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, auf der Fachveranstaltung „Bodenleben und Bodenfruchtbarkeit“ des Instituts für Landwirtschaft und Umwelt (ilu) und der Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung e.V. (GKB) am 22. September in Bonn. Neue Techniken für die Bodenbearbeitung machten deutlich, so Uhlenberg, dass eine moderne Landwirtschaft umweltverträglich und standortangepasst wirtschafte. Sie bediene sich innovativer Verfahren, um wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten. Die Nutzung pflugloser Bestelltechniken oder technischer Möglichkeiten zur Minderung des Bodendrucks hätten dabei eine herausragende Bedeutung, um Verdichtung und Bodenerosion zu vermeiden.

Uhlenberg betonte, dass sich Wissenschaft, landwirtschaftliche Beratung, Landtechnik und landwirtschaftliche Praxis auch weiterhin intensiv mit neuen Verfahren der Bodenbewirtschaftung auseinandersetzen müssten. Ziel sei, die organische Substanz im Boden zu erhalten und damit auch den Anforderungen von Bundesbodenschutzgesetz und Cross Compliance gerecht zu werden. Grundlage dafür seien wissenschaftliche Erkenntnisse, vor allem aber auch die Nutzung der langen Erfahrung der landwirtschaftlichen Praxis. „Beides wollen wir sinnvoll miteinander verbinden“ sagte Uhlenberg. Er betonte, dass die nordrhein-westfälische Landesregierung trotz knapper werdender Mittel an der Förderung von Maßnahmen zum Erosionsschutz festhalten wolle. „Wir wollen auch in der neuen Förderperiode ab 2007 einen Förderbaustein zum Erosionsschutz anbieten“, sagte Uhlenberg.


Die gemeinsam von ilu und GKB organisierte, hochkarätig besetzte und sehr gut besuchte Fachveranstaltung im Wissenschaftszentrum Bonn bot den Teilnehmern einen umfassenden Überblick zum Stand des Wissens und zu den zukünftigen Herausforderungen zum Thema Bodenleben und Bodenfruchtbarkeit. Zahlreiche Experten aus Wissenschaft, Behörden, Beratung und Praxis informierten die Teilnehmer unter anderem über Kennwerte zur Bodenfruchtbarkeit, über Strategien zur Vermeidung von Erosion und Verdichtung sowie über die globalen Herausforderungen im Boden- und Klimaschutz. Darüber hinaus stellten sie Strategien zur Verbesserung der Humusbilanz und aktuelle Entwicklungen im Bereich „Bodenleben und Pflanzenschutz“ dar.

Einhellige Übereinstimmung herrschte in der Frage, dass ein gesundes funktionierendes Bodenleben für die Fruchtbarkeit der Böden von entscheidender Bedeutung ist. Dabei wurde erkennbar, dass die Intensität der mechanischen Bodenbearbeitung einen sehr viel stärkeren Einfluss auf des Bodenleben ausübt als beispielsweise mineralische Düngung oder Pflanzenschutz. In verschiedenen Vorträgen wurde ebenfalls sehr deutlich, dass die konservierende Bodenbearbeitung – d.h. der Verzicht auf den Pflug – bei gekonnter Handhabung auch im Hinblick auf den Ertrag und die Qualität der angebauten Kulturen im Vergleich zum Pflug in vielen Fällen überlegen oder zumindest gleichwertig ist.

Mehrere Experten betonten bei der Tagung insbesondere die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes im Bodenschutz. Bodenbearbeitung sei keine Einzelmaßnahme, die losgelöst von anderen gesamtbetrieblichen Abläufen gesehen werden könne. Hochaktuell ist aus Sicht der Wissenschaft zudem die Frage einer neuen Begriffsdefinition vom eher Ertrags-orientierten Begriff der „Bodenfruchtbarkeit“ hin zu dem umfassenderen und damit sachgerechteren Begriff der „Bodenqualität“.

Professor Dr. Olaf Christen von der Universität Halle-Wittenberg stellte in seiner Zusammenfassung der Tagung und seinem Ausblick auf zukünftige Herausforderungen die immense Bedeutung von Stoffkreisläufen und einer gesamtbetrieblichen Sichtweise heraus. „Wir müssen dahin kommen, bei divergierenden Zielgrößen verantwortlich abzuwägen und der Unterschiedlichkeit der Böden – innerbetrieblich, regional, national und insbesondere im europäischen Maßstab – gerecht zu werden“, gab er den Teilnehmern mit auf den Weg. Seiner Einschätzung nach kommt es darüber hinaus in Zukunft insbesondere auch darauf an, Methoden in der Grundlagenforschung und das Monitoring weiterzuentwickeln. Dazu seien geeignete Maßzahlen zum Thema „Bodenschutz“ ebenso wie wissenschaftlich begleitete Dauerversuche unabdingbar. Ebenso dringend ist seiner Auffassung nach die Modellentwicklung für globale und nationale Probleme, wobei die Modelle aber immer wieder an Daten aus Versuchen überprüft und gegebenenfalls angepasst werden müssten. Die Innovation im Konzept der Nachhaltigkeit liege dabei nicht in der besonderen Herausstellung des Umweltbereichs, so Christen. „Die Innovation besteht vielmehr gerade darin, die Bereiche Ökonomie, Soziales und Ökologie zusammen zu betrachten und gegeneinander abzuwägen.“

Rückfragen bitte an das
Institut für Landwirtschaft und Umwelt (ilu)
Konstantinstraße 90,
53179 Bonn,
Tel. (0228) 9 79 93 25, Fax (0228) 9 79 9340
e-Mail: ilu@fnl.de,

Verantwortlich:
Dr. Andreas Frangenberg ilu@fnl.de,
Thomas Kutzner t.kutzner@fnl.de

Dr. Andreas Frangenberg | FNL
Weitere Informationen:
http://www.fnl.de/ilu/iluindex.html

Weitere Berichte zu: Bodenbearbeitung Bodenfruchtbarkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Das Immunsystem in Extremsituationen
19.10.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm
19.10.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise