Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Kinderstuben der Pinguine besser schützen

21.09.2005


Polarforscher der Universität Jena haben Managementpläne für die Antarktis vorbereitet



Häufigere Besuche der Pinguin-Kinderstuben und Tiefflieger über den Brutkolonien zwingen Polarforscher zu erweiterten Schutzmaßnahmen. "Seit einiger Zeit beobachten wir eine deutliche Zunahme des Tourismus in der Antarktis, zudem weiten auch die Forschungsstationen ihre Tätigkeit immer mehr aus", sagt Dr. Hans-Ulrich Peter von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Vor diesem Hintergrund sei es dringend geboten, Riesensturmvögel, Skuas und die anderen Bewohner des südpolaren Kontinents besser zu schützen. "Darüber wollen wir mit den Kollegen aus 20 Ländern während der 22. Internationalen Polartagung debattieren", erklärt Peter, der Gastgeber der am Sonntag (18.09.) begonnenen Tagung der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung ist. Auf einem speziellen Workshop über den "Einfluss menschlicher Aktivitäten auf die terrestrischen Ökosysteme der Antarktis" am Freitag (23.09.) sollen Vorschläge für international verbindliche Managementpläne für einzelne südpolare Regionen erarbeitet werden.

... mehr zu:
»Managementplan


Diskussionsgrundlage bilden Daten über die menschlichen Aktivitäten in den stark frequentierten Gebieten der Antarktis und deren Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt, die von Polarforschern aus zehn Ländern gesammelt wurden. Umfangreiches Datenmaterial stellen auf der Tagung auch die Wissenschaftler der Jenaer Universität vor, die seit 2003 im Auftrag des Umweltbundesamtes eine Gefährdungsanalyse auf der Halbinsel Fildes, auf King George Island und der Insel Ardley vorgenommen haben. "In dieser Region haben seit 1968 sieben Nationen - Argentinien, Brasilien, Chile, China, Deutschland, Russland und Uruguay - Forschungsstationen, Feldhütten und eine feste Landebahn für Flugzeuge errichtet", erklärt die Jenaer Projektmitarbeiterin Dr. Simone Pfeiffer.

Das umfangreiche wissenschaftliche Programm, das Forscher aus aller Welt in den Stationen sowie auf Außenposten absolvieren, sorge für zunehmenden Personen- und Frachtverkehr. "Außerdem kommen immer häufiger Touristen mit dem Schiff oder per Flugzeug in der Antarktis an", weiß auch Peter von vielen Expeditionen. Aktivitäten wie Marathonläufe, Gletscherklettern, Camping und Tauchexpeditionen würden den Urlaubern geboten. "Wir sind nicht gegen Tourismus in der Antarktis", sagt Pfeiffer "Jedoch sollte es unkontrollierte Wanderungen zu Brutplätzen und Tiefflüge über Schutzgebieten, von denen derzeit zwei in der Region der Fildes Halbinsel ausgewiesen sind, nicht geben." Gerade im antarktischen Sommer während der Brut- und Fellwechselperiode von Vögeln und Robben sei das ein großes Konfliktpotenzial. "Wir haben beobachtet, dass Pinguine nervös reagieren und Riesensturmvögel angestammte Brutplätze meiden, weil sie vor menschlicher Störung fliehen", weiß die junge Wissenschaftlerin. "Dies können wir mit Herzschlagmessungen und Verhaltensbeobachtungen der Tiere beweisen".

Um den Interessenskonflikt zwischen Umweltschutz, Wissenschaft, Logistik und Tourismus zu minimieren, schlagen die Polarforscher unter anderem eine Festlegung von Flugkorridoren und die Benutzung festgelegter Wege und Wanderrouten im Gelände vor. Außerdem plädieren sie für die Ausweisung eines "Besonders Verwalteten Gebietes" in der Region der Fildes Halbinsel. "Damit könnten beispielsweise die Brutkolonien des Südlichen Riesensturmvogels besser geschützt werden, der auf der ’Roten Liste der Internationalen Naturschutzunion IUCN’ steht", sagt Simone Pfeiffer.

"Der Erfahrungsaustausch auf unserem Kongress wird weitere Anregungen für wirksame Managementpläne für die Antarktis geben, die dann auch von den Politikern der verschiedenen Länder diskutiert werden", ist Tagungsleiter Dr. Peter überzeugt.

An der 22. Internationalen Polartagung der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung nehmen vom 18. bis 24. September in Jena mehr als 220 Wissenschaftler aus 18 Ländern teil. Ein Schwerpunkt der Tagung sind Umwelt- und Klimaveränderungen, die Biologen, Geologen, Glaziologen, Geophysiker, Geographen, Archäologen und Klimaexperten in den Polargebieten beobachtet oder erforscht haben.

Kontakt:
Dr. Hans-Ulrich Peter
Institut für Ökologie der Universität Jena
Dornburger Str. 159, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949415 oder 949400
Fax: 03641 / 949402
E-Mail: Hans-Ulrich.Peter@uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Managementplan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Lebenswichtige Lebensmittelchemie
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht
22.03.2017 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Cybersicherheit für die Bahn von morgen

24.03.2017 | Informationstechnologie

Schnell und einfach: Edge Datacenter fürs Internet of Things

24.03.2017 | CeBIT 2017

Designer-Proteine falten DNA

24.03.2017 | Biowissenschaften Chemie