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SARS, Malaria und künftige Pandemien

08.06.2005


Rostocker Mediziner organisieren Bundeskongress der Infektiologie und Tropenmedizin in Hamburg



Die globale Ausbreitung der Lungenkrankheit SARS, Malaria, unbekannte Viren, die dem Menschen gefährlich werden können, und andere neue Erreger: das sind Themen, die auf dem 8. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT) 2005 in Hamburg eine Rolle spielen. Rund 1200 Mediziner aus der gesamten Bundesrepublik treffen sich zwischen dem


9. und 11. Juni 2005 zu dieser größten Tagung der Infektiologie, Virologie und Tropenmedizin, die alle zwei Jahre veranstaltet wird. In diesem Jahr wird der Kongress von Ärzten der Universitätsklinik Rostock gemeinsam mit zwölf Fachgesellschaften ausgerichtet. Kongresspräsident ist Professor Dr. Emil C. Reisinger vom Universitätsklinikum Rostock.

„Der Kongress dient dazu, Neuigkeiten und Trends in der Infektiologie und Tropenmedizin aufzuzeigen“, sagt Kongresspräsident Professor Emil C. Reisinger, Leiter der Abteilung für Infektiologie und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Rostock. Ein solcher Gedankenaustausch ist notwendig, weil dieser Bereich der Medizin immer wichtiger werde. Verantwortlich dafür seien Krankheiten wie SARS oder Grippe, die in der letzten Zeit ins öffentliche Interesse gerückt sind. Das gewachsene Bewusstsein für die Gefahr bakterieller oder viraler Krankheiten spiegelt sich in der zunehmenden Zahl der Kongressteilnehmer wider – Reisinger erwartet rund 1200 Mediziner. Reisinger selbst dürfte als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin Anteil daran haben. „Wir haben in den vergangenen Jahren vermehrt auf die Weiterbildung der Ärzte gedrungen. Wir haben Kurse ins Leben gerufen, an denen gut 25.000 Ärzte teilgenommen haben“, so Reisinger. Die Ergebnisse liegen auf der Hand. „1999 hatten wir in Deutschland europaweit die meisten Sterbefälle an Malaria.“ Von etwa 1000 erkrankten Patienten starben 25. Heute sind es nur noch sechs.


„Die Ärzte sind sensibler geworden und erkennen Tropenkrankheiten schneller als früher“, sagt Reisinger. Eine Aufmerksamkeit, die aber auch bitter notwendig sei: „40 Prozent aller Todesfälle weltweit gehen auf Infektions- und Tropenkrankheiten zurück. Und durch die Globalisierung bleiben auch unsere Breiten davon nicht unberührt.“ Allein im Stadtpark von Sao Paulo entdeckten Wissenschaftler in den letzten Jahren 20 neue Virenarten, die auf den Menschen übergehen können – genauso wie HIV oder das Ebola-Virus. Dass derartige Viren sich auch regelmäßig ausbreiten, ist den Tropenmedizinern bekannt. „Alle zwei Jahre kommt es zu einer Pandemie“, so Reisinger. „Die Lungenkrankheit SARS hätte leicht zu einer furchtbaren Pandemie werden können.“

Thematisiert werden in Hamburg aber auch Bakterien, die resistent gegen Antibiotika sind. „Es ist notwendig, immer wieder neue Antibiotika und Impfstoffe zu entwickeln“, sagt Reisinger. „Dafür müssen Mediziner mit der Pharmaindustrie zusammenarbeiten – eine Tatsache, die lange verunglimpft wurde.“ Die Universitätsklinik Rostock beteiligt sich daher an klinischen Studien, zum Beispiel wird derzeit unter anderem an Patienten aus Mecklenburg-Vorpommern ein neuartiger Impfstoff gegen Hepatitis C getestet. Die Rostocker Forscher haben auch an der Entwicklung von neuen Impfstoffen gegen Typhus mitgearbeitet und neue Methoden zu Behandlung von Malaria entwickelt. Außerdem präsentieren die Rostocker Wissenschaftler Untersuchungen zu einem soeben von ihnen entdeckten neuen Erreger, der bei Hühnern nachgewiesen wurde, der möglicherweise auch auf Menschen mit unterdrücktem Immunsystem etwa nach einer Kortison- oder Krebsbehandlung übergehen und Lungenentzündung auslösen kann.

Neben zahlreichen Fachvorträgen können sich die Kongressteilnehmer auch in praktischen Workshops weiterbilden. Rostocker Medizinstudenten werden sich zudem mit einem eigenen Beitrag über Sexualaufklärung an Schulen an dem Kongress beteiligen.

8. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin, 9. bis 11. Juni 2005, Congress Centrum Hamburg (CCH)

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.tropen.med.uni-rostock.de
http://www.kit2005.de

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