Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lehren aus der Vergangenheit als Verpflichtung für die Zukunft

16.03.2005


Max-Planck-Gesellschaft bekennt sich zu ihrer historischen Verantwortung - Forschungsprogramm "Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus" beendet - Wissenschaftliche Abschlusskonferenz in Berlin



Mit einer wissenschaftlichen Tagung in Berlin schließt die von der Max-Planck-Gesellschaft eingesetzte Präsidentenkommission "Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus" ihr Forschungsprogramm nach sechsjähriger Arbeit ab. Im Mittelpunkt der dreitägigen Konferenz (15. - 17. März, Harnack-Haus, Ihnestr. 16) stehen Politik und Verwaltung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft während der Zeit von 1933 bis 1945, Rassen- und Vererbungsforschung, Rüstungsforschung und Zwangsarbeit an Kaiser-Wilhelm-Instituten, die Frage nach der Verantwortung von Spitzenforschern im Nationalsozialismus sowie die "Vergangenheitspolitik" der Max-Planck-Gesellschaft; sie hat nach dem Zweiten Weltkrieg das Erbe der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft angetreten.



Die Initiative für dieses Forschungsprogramm ging im Jahre 1997 vom damaligen Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Hubert Markl, aus. Mit Zustimmung der Gremien der Max-Planck-Gesellschaft setzte Markl eine Präsidentenkommission mit dem Auftrag ein, die Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus umfassend zu erforschen. Die Leitung dieser Kommission übernahmen zwei Historiker, die nicht der Max-Planck-Gesellschaft angehören: Prof. Reinhard Rürup von der Technischen Universität Berlin und Prof. Wolfgang Schieder von der Universität zu Köln.

"Wir haben keinerlei Einfluss auf das Forschungsprogramm genommen. Die Historiker konnten ohne jegliche institutionelle Befangenheit völlig frei forschen und publizieren", betont Prof. Peter Gruss, seit 2002 Präsident der Max-Planck-Gesellschaft.

Die Max-Planck-Gesellschaft hat aufgrund vielfältiger institutioneller und personeller Verbindungen das Erbe der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft angetreten. Daher bekannte sich der damalige Präsident Markl im Jahre 2001 zur historischen Verantwortung der Max-Planck-Gesellschaft für die Schuld, die eine Reihe von damals an Kaiser-Wilhelm-Instituten tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf sich geladen hat. Ungeachtet aller moralischen Grenzen hatten sich diese aktiv an der rassistischen Politik im Nationalsozialismus beteiligt. Für die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft bat Markl Überlebende der Zwillingsversuche im Konzentrationslager Auschwitz um Verzeihung für das Leid, das den Opfern dieser Verbrechen im Namen der Wissenschaft zugefügt worden war. Markl entschuldigte sich auch dafür, dass die Max-Planck-Gesellschaft lange Zeit zu wenig zur Aufklärung der Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus beigetragen und sich somit ihrer historischen Verantwortung zu spät gestellt hat.

"Mit der Erforschung der Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, deren Erbe die Max-Planck-Gesellschaft angetreten hat, verdanken wir dem Forschungsprogramm eine gründliche und differenzierte Aufarbeitung eines oft schmerzlichen Teils deutscher Wissenschaftsgeschichte", erklärt Präsident Gruss. Die vorgelegten Ergebnisse seien Anlass zur stetigen Erinnerung an die Verantwortung der Forscher: "Wissenschaftler haben eine wichtige ethisch-moralische Verpflichtung. Sie müssen sich immer bewusst sein, dass die Freiheit der Wissenschaft ihre Grenzen in den Rechten und der Würde eines jeden Menschen findet." Auch wenn den nachgeborenen Generationen keine persönliche Schuld an den damaligen Verbrechen zuzuweisen sei, trügen sie dennoch Verantwortung für die Aufklärung und Offenlegung der historischen Wahrheit als Voraussetzung für ehrliches Erinnern und Lernen. Peter Gruss: "Wir müssen die Lehren aus der Vergangenheit als Verpflichtung für die Zukunft verstehen."

Dr. Bernd Wirsing | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein
28.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle
28.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten