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Tagung an der Fakultät für Architektur zur Erhaltung moderner Bauten

20.10.2004


Rettung vor dem Zerfall

Sie prägen das Bild vieler Städte Europas – Bauten der Moderne, wie etwa die Meisterhäuser des Bauhaus in Dessau und die Werkbundsiedlungen mit ihren programmatischen Themen. Wie lassen sich diese Bauten als kulturelles Erbe für die Zukunft erhalten und nutzen? Um diese Frage dreht sich die

internationale Tagung „Das architektonische Erbe – zum aktuellen Umgang mit den Bauten der Moderne“ am Donnerstag, 28. Oktober, von 9.00 bis 18.00 Uhr, an der Fakultät für Architektur der Universität Karlsruhe (TH), Hörsaal 37 im Architekturgebäude.

Bereits im Januar diesen Jahres hat die Fakultät für Architektur einen Kongress mit einer Ausstellung zu diesem Thema veranstaltet. Im Mittelpunkt stand der Vergleich herausragender aktueller Fallbeispiele in Russland und in Deutschland sowie der erhebliche Unterschied im Umgang mit diesen Bauten. Dieser Austausch stieß auf großes Interesse bei Fachleuten und der Öffentlichkeit, was die Veranstalter dazu veranlasste, ein weiteres Treffen gemeinsam mit internationalen Kooperationspartnern ins Leben zu rufen.

Von zentraler Bedeutung ist die Frage, wie Bauten der modernen Architektur in Europa erhalten und restauriert werden können. Architekten, Wissenschaftler und Bauforscher diskutieren anhand von jüngsten Beispielen über die aktuelle Situation moderner Bauwerke. Die Tagung will auf diese Weise den Austausch von Erfahrungen zur Untersuchung und Bewahrung der bedrohten Bauwerke verschiedener Länder ermöglichen.

Neben Fällen aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden ist auch die Architektur der russischen Avantgarde ein wichtiges Thema des Kongresses. Der Begriff „Avantgarde“ steht für die Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts in Russland und der entstehenden Sowjetrepublik und besitzt einen marxistischleninistischen Bezug. Die „Avantgarde“ im Osten und die „Moderne“ im Westen hatten mehr Gemeinsamkeiten und internationalen Austausch, als es aus heutiger Sicht denkbar erscheint. Länder im Westen Europas, wie beispielsweise Italien, Frankreich und Deutschland, verfügen über eine gut funktionierende Denkmalpflege, die für eine möglichst originalgetreue Erhaltung und Instandsetzung der betreffenden Architektur sorgt.

Nicht so Russland. Versuche,die russische Architektur der Moderne zu bewahren, stoßen dort häufig auf Widerstand. „In Russland sind viele Gebäude der Avantgarde vom Abriss bedroht“, erklärt Axel Dill, Akademischer Oberrat am Institut für Baugestaltung, Baukonstruktion und Entwerfen II. Mit der Tagung beabsichtigen die Veranstalter unter anderem, die Öffentlichkeit für den Erhalt geschichtsträchtiger Bauwerke zu begeistern und die internationale Kooperation durch wissenschaftlichen Austausch und Dokumentation der Erkenntnisse zu stärken. Eine Delegation des „Moskau Institute of Architecture (MARCHI)“, einer führenden avantgardistische Architekturschule Moskaus, wird daher an dem Kongress teilnehmen. Der Hochschullehrer und Architekt Professor German Orlov, derzeit Vizepräsident der Moskauer Architekturschule, wird den Eröffnungsvortrag der Tagung halten.

Einen großen Einsatz in der Bewahrung modernen Bauguts leistet die Vereinigung DOCOMOMO – „DOcumentation and COnservation of buildings, sites and neighbourhoods of the MOdern MOvement“, die sich in einigen Vorträgen des Kongresses präsentiert. Diese internationale Vereinigung besteht aus Architekten, Historikern, Designern und anderen Personen aus dem Fachbereich Architektur. Sie ist in mehr als 45 Ländern vertreten und umfasst über 2000 Mitglieder. Die DOCOMOMO untersucht Architektur aus dem Zeitraum von 1920 bis 1970, dokumentiert diese und setzt sich für deren Erhaltung ein. In diesem Zusammenhang weist sie auf die ästhetische, technische und soziale Bedeutung der Bauwerke hin. Ein besonderes Anliegen von DOCOMOMO ist es, die Öffentlichkeit auf den Zerfall der Bauwerke aufmerksam zu machen und zum Handeln zu bewegen. Architekturhochschulen und praktizierende Architekten legen großen Wert auf den Dialog mit dieser Vereinigung.

Zeitgleich zur Tagung zeigt die Fakultät für Architektur eine Ausstellung „zum Werk von KONRAD WACHSMANN“, einem Architekten der Moderne, der nach Amerika emigriert ist und als Vordenker und Pionier des elementierten Bauens zu Weltruhm gelangte.

Ausklang der Tagung ist ein Konzert der russischen Gruppe Wa-TA-GA aus Petrozavodsk in Karelien, die erstmals im Westen Ethno-Jazz-Klänge aus ihrem Heimatland spielen.

Nähere Informationen:

Alex Dill Institut für Baugestaltung, Baukonstruktion und Entwerfen II
Universität Karlsruhe
Telefon: 0721 608 2188
E-Mail: Alex.Dill@arch.uni-karlsruhe.de

Elisabeth Zuber-Knost | Universität Karlsruhe
Weitere Informationen:
http://www.uni-karlsruhe.de

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