Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationale Konferenz zur Kern- und Radiochemie in Aachen

02.09.2004


Radiochemie in Hirnforschung und moderner Technik

Eine internationale Konferenz zur friedlichen Nutzung von Nuklear- und Radiochemie findet noch bis zum 3. September im Eurogress Aachen statt. Das Forschungszentrum Jülich veranstaltet in Kooperation mit der Universität zu Köln und der Fachgruppe Nuklearchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker die "Sixth International Conference on Nuclear and Radiochemistry" (NRC-6). Etwa 310 Wissenschaftler aus rund 40 Ländern sind vertreten, hauptsächlich aus Europa, aber auch aus Nordamerika, Japan und China.

Radiochemie und nukleare Techniken werden in vielen Bereichen der Wissenschaft genutzt. Die Radioanalytik hilft bei der Suche nach Wasser und Leben auf dem Mars, ohne sie wäre die DNA-Struktur des menschlichen Genoms nur unzureichend bekannt. Auch die Halbleitertechnik und damit Computer und Handy wären undenkbar. Radioaktive Stoffe werden zur medizinischen Diagnostik und in der Krebstherapie eingesetzt. Mit der Radioökologie untersuchen die Wissenschaftler, wie sich langlebige Spaltprodukte beispielsweise Jod-129 in der Umwelt verhalten.

Alle vier Jahre treffen sich in Europa Wissenschaftler aus aller Welt zur NRC-Konferenz, um alle Bereiche der chemisch orientierten Kernwissenschaften zu diskutieren. Die diesjährige Konferenz wird gemeinsam geleitet von Prof. Heinz H. Coenen und Prof. Syed M. Qaim. Beide sind am gastgebenden Institut für Nuklearchemie (INC) des Forschungszentrums Jülich tätig und lehren an der Universität zu Köln. Finanziell unterstützt wird die Tagung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der "Society of Radiopharmaceutical Chemistry and Biology" und der "International Atomic Energy Agency" (IAEA).

In der Medizin spielt die Radiochemie eine wichtige Rolle. In Jülich entwickeln und produzieren die Wissenschaftler am Zyklotron kurzlebige Radionuklide, die etwa für die Positronen-Emissions-Tomographie in der Hirnforschung benötigt werden. Die INC-Wissenschaftler liefern "maßgeschneiderte" radioaktive Verbindungen, mit denen die Hirnforscher unterschiedliche biochemische und physiologische Hirnvorgänge sichtbar machen können. Mit einigen Substanzen werden Botenstoffe im Gehirn und ihre Rezeptoren untersucht, die etwa bei Epilepsie, Alzheimer oder der Parkinson-Erkrankung verändert sind. Wieder andere Verbindungen machen die Ausdehnung von Tumoren sichtbar. Zur Strahlentherapie an unzugänglichen Stellen werden ebenfalls radioaktive Substanzen eingesetzt.

Die Radiochemie entwickelt sich aber noch in vier weitere Richtungen. Eine davon sind grundlegende Untersuchungen, um weitere überschwere Elemente zu erzeugen also neue Atome mit einer hohen Anzahl von Protonen, die im Universum nicht existieren. Mit diesen Elementen untersuchen Wissenschaftler den Aufbau der Materie und die Entwicklung des Universums. Die chemischen Eigenschaften dieser neuen Elemente können nur mit der Radiochemie untersucht werden, da praktisch nur einzelne Atome zur Verfügung stehen. Auf der Tagung wurde so der Nachweis für Element 112 aufgrund seines chemischen Verhaltens präsentiert.

Die Radioanalytik, mit der etwa Spurenelemente in höchstreinen Materialien untersucht werden, findet eine breite Anwendung in vielen Naturwissenschaften. Eine bedeutende Rolle spielen auch die nicht-nuklearen Methoden, wie beispielsweise Massenspektrometrie, mit der insbesondere langlebige Radioaktivität bestimmt wird. Ein weiterer Schwerpunkt innerhalb der Radiochemie sind Untersuchungen über den Kernbrennstoffzyklus und die Aufbereitung radioaktiver Abfälle aus der nuklearen Energiegewinnung. Für eine Endlagerung muss dabei insbesondere erforscht werden, wie sich radioaktive Substanzen unter verschiedenen geologischen und klimatischen Bedingungen verhalten. Bei Umweltstudien zur Radioökologie kommt die Radiochemie schließlich ebenfalls zum Einsatz.

Interessante Vorträge zu den oft kontrovers diskutierten Themen "Kern- und Radiochemie" während einer öffentlichen Veranstaltung am Dienstagabend im Eurogress, die von Joachim Hecker, Wissenschaftsredakteur beim WDR in Köln, moderiert wurde. Vor etwa 300 Zuhörern sprach Prof. Günter Herrmann aus Mainz über "Ein Jahrhundert Kern- und Radiochemie von Marie Curie zu den superschweren Elementen" und Prof. Gabriele Voigt von der IAEA über "Die friedliche Nutzung von nuklearen Techniken". In der anschließenden lebhaften Diskussion gab die Experten-Runde kompetente und allgemein verständliche Antworten auf zahlreiche Fragen des Publikums, etwa zur Abfall- und Endlagerproblematik von radioaktiven Stoffen.

Annette Stettien | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Berichte zu: Nuklearchemie Radioanalytik Radiochemie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren
21.11.2017 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen
21.11.2017 | FH Aachen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie