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Internationale Tagung "Analyse komplexer akustischer Signale und Sprachverstehen bei Mensch und Maschine"

20.08.2004


Den meisten Menschen ist gar nicht bewusst, welch komplexe Prozesse vor sich gehen, wenn man aus einer Vielzahl von Schallquellen - sprechenden Menschen, bellenden Hunden, Vogelgezwitscher, lärmenden Autos, in den Blättern pfeifendem Wind und all den anderen Hintergrundgeräuschen - die Stimme desjenigen Menschen herauszufiltert, mit dem man sich gerade unterhält. Wir alle - beziehungsweise das Hörsystem in unseren Gehirnen - erbringen diese Leistung unablässig und scheinbar ohne jede Anstrengung. Dass dies doch kein so simpler und selbstverständlicher Vorgang ist, wird erst denen bewusst, deren Gehör nachlässt und denen es beispielsweise Schwierigkeiten bereitet, sich an der angeregten Unterhaltung von mehreren Personen zu beteiligen, die um einen Tisch herum sitzen. Die Kommunikation gelingt diesen Hörgeschädigten oftmals nur noch dann, wenn die Hintergrundgeräusche weitgehend eliminiert sind. Zu zweit in einem ruhigen Zimmer klappt die Verständigung noch gut, die zu mehreren in einer lauten Gastwirtschaft nicht mehr zustande kommen will.



Doch wie es das Hörsystem macht, komplexe Klanggemische in für es bedeutsame beziehungsweise irrelevante Anteile zu zerlegen, ist von der Hörforschung bis heute nicht zureichend verstanden worden. Auch ist es bisher niemandem gelungen, Maschinen zu bauen, die zum Beispiel Sprache (oder Musik) von bloßem Lärm unterscheiden können oder denen es gelingt, aus einem mehrstimmigen Musikstück (etwa einem Kanon) die einzelnen Stimmen sauber voneinander zu trennen und herauszuhören, eine Aufgabe, die jeder gesunde Mensch mühelos zu lösen vermag. Sobald im engen Zusammenwirken von Hörforschern aus Biologie und Medizin und Ingenieuren verschiedener Richtungen eine derartige Maschine konstruiert werden kann, wird es - das ist zumindest die Hoffnung der Forscher - endlich Hörhilfen von einer solchen Qualität geben, die es ihren Trägern ermöglicht, wieder voll am sozialen Leben teilzunehmen. Denn wer den Bauplan dieser Maschine kennt, kennt wahrscheinlich auch die Konstruktionsprinzipien des menschlichen Hörsystems. In diesem Bereich hat es gerade in den vergangenen fünf Jahren beachtliche Fortschritte gegeben, die zu sichten und zu ordnen sich die Delmenhorster Konferenz zum Ziel gesetzt hat. Zugleich geht es darum, neue, noch anspruchsvollere Ziele für die kommenden Jahre zu formulieren und den wissenschaftlichen Nachwuchs zu trainieren, damit er in der Zukunft der Aufgabe gewachsen sein wird, Lösungen zu finden und der wachsenden Anzahl von Menschen mit Hörproblemen (noch) wirkungsvoller als heute zu helfen.

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Erwartet werden etwa 55 Teilnehmer unter anderem aus Frankreich, England, Finnland, Dänemark, den Vereinigten Staaten und Kanada. Vertreten ist ein breites Spektrum von Disziplinen: Computerwissenschaften, Neuro- und Kognitionswissenschaften, Sprach- und Hörforschung sowie medizinische Physik und Ingenieurwissenschaften. Die Veranstalter haben sehr auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen gestandenen und schon etablierten Forschern und jungen Wissenschaftlern geachtet, die sich ihre akademischen Sporen noch verdienen müssen. Dazu erhalten sie Gelegenheit, indem sie auf Postern dem internationalen Fachauditorium ihre Arbeit präsentieren dürfen. Erwähnenswert ist auch der starke Anteil jüngerer und älterer Wissenschaftler aus der Hörforschung an der Oldenburger Carl von Ossietzky Universität, die in akademischen und Industriekreisen weltweit einen ausgezeichneten Ruf genießt.

Tagungssprache ist englisch. Gefördert wird die Veranstaltung durch die US Air Force, die US Navy, die US Army, drei Unternehmen der dänischen Hörgeräteindustrie (Oticon A/S, Widex und GN Resound) sowie das Hanse-Wissenschaftskolleg.

Evert Kramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.h-w-k.de

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