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Internationale Konferenz "Self-Concept, Motivation and Identity" - neueste Ergebnisse aus Schul- und Lernpsychologie

28.06.2004


Wissenschaftler aus 25 Ländern stellen die neuesten Ergebnisse aus Schul- und Lernpsychologie sowie zur Motivation von Sportlern vor. Die Konferenz tagt vom 4. bis 7. Juli im Harnack-Haus in Berlin-Dahlem.



Ausgebrannte Lehrer, frustrierte Schüler und überforderte Eltern sind keine Ausnahmeerscheinungen sondern fast der Normalfall. Doch was unterscheidet eigentlich Lehrer, die Freude an ihrem Beruf haben, von solchen, die sich von Tag zu Tag quälen? Was unterscheidet Schüler, die gerne lernen, von denen, die fast nichts mehr aufnehmen wollen? Kann man etwas aus der Beobachtung von Sportlern lernen, die stark motiviert sind, ihre Leistungen weiter zu steigern? Ein wichtiger Schlüssel zu diesen Fragen liegt im Selbstkonzept, zeigt die psychologische Forschung: Wer sich zutraut, die Anforderungen durch eigene Anstrengung zu meistern, leistet bei gleichen Fähigkeiten mehr als jemand, der bereits entmutigt beginnt. Wie kann aber Schule dazu beitragen, dass Kinder ein positives Selbstbild entwickeln und so ihre Fähigkeiten optimal entfalten?

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Auf der internationalen Konferenz "Self-Concept, Motivation and Identity" stellen 250 Psychologen und Erziehungswissenschafter aus 25 Ländern ihre neuesten Ergebnisse vor.

Eine Auswahl aus dem reichhaltigen wissenschaftlichen Programm zu den Themen Hausaufgaben, Schulklima, Burn Out und Sport haben wir auf den folgenden Seiten für Sie zusammengestellt. Während der Konferenz haben Sie Gelegenheit, mit den Wissenschaftlern zu sprechen, darunter auch weltbekannten Kapazitäten wie Prof. Dr. Jürgen Baumert (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin) und Prof. Dr. Herbert W. Marsh (SELF Research Centre, Sydney). Wir vermitteln gerne einen Gesprächstermin mit einem Experten zu einem gewünschten Thema und schicken Ihnen mehr Informationen im Vorfeld zu.

Auswahl aus den Themen:
Hausaufgaben: Schüler verbessern ihre Selbststeuerung
Montag, 5. Juli: Themensitzung mit Kurzvorträgen
10:45-12:30
Sitzungssaal 1
am gleichen Tag: Posterpräsentation
15:00-15:45
Ballsaal
Wissenschaftlicher Ansprechpartner: Dr. Ulrich Trautwein (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin)

Viele Schülerinnen und Schüler sitzen sehr lange über den Hausaufgaben und in vielen Familien geben Hausaufgaben Anlass zu Streit. Trotzdem glaubt die Mehrheit von Eltern und Schülern, dass Hausaufgaben für den Lernprozess wichtig sind.
Eine Reihe von Studien zeigt, wie es zu Problemen bei den Hausaufgaben kommt und welche Verbesserungsmöglichkeiten es gibt. Denn es kommt nicht primär auf die Zeit an, die Schülerinnen und Schüler für die Hausaufgaben aufwenden, um ihr Wissen zu vertiefen - im Gegenteil: Oft zeigt die lange Dauer vor allem, dass die Schüler ineffektiv lernen. Frustration und Ärger sind die Folge. Schülerinnen und Schüler bearbeiten Hausaufgaben dann sorgfältig und effektiv, wenn sie davon überzeugt sind, dass sie bei den Hausaufgaben etwas lernen können. Gleichzeitig brauchen sie das Vertrauen, dass sie die jeweiligen Aufgaben lösen können, wenn sie sich nur genug anstrengen. Lehrkräfte und Eltern beeinflussen durch ihr Verhalten, wie die Schülerinnen und Schüler über sich und den Wert der Hausaufgaben denken. Dabei erzielen die erziehenden Erwachsenen allerdings häufig ungewollte Wirkungen.

Die Beiträge behandeln u.a. folgende Aspekte:

- Barry Zimmerman aus New York sowie Bernhard Schmitz aus Darmstadt besprechen nicht-effiziente Arten der Erledigung von Hausaufgaben und zeigen, wie das Selbstbild und das Verhalten von Schülern durch Training verbessert werden können.
- Die Befunde von Ulrich Trautwein aus Berlin demonstrieren, dass das Hausaufgabenverhalten von Schülern spürbar vom jeweiligen Lehrer beeinflusst wird. Zudem wissen die eigenen Eltern oft nicht, wie sorgfältig ihre Kinder die Hausaufgaben erledigen.
- Wie Elke Wild aus Bielefeld zeigt, hat die Hilfe von Eltern bei Hausaufgaben oft unerwünschte Nebenwirkungen: Anstatt die Lernfreude ihrer Kinder zu steigern, entwickeln diese eine geringere Motivation.
- Dass Eltern-Kind-Programme hier teilweise für Abhilfe sorgen können, weist die Studie von Nele McElvany und Cordula Artelt aus Berlin nach.

Leistungsgruppierungen: Kosten und Nutzen
Dienstag, 6. Juli: Themensitzung mit Kurzvorträgen
16:15-18:15
Goethesaal
Mittwoch, 7. Juli: Hauptvortrag
14:00-14:50
Goethesaal
Wissenschaftlicher Ansprechpartner: Prof. Dr. Olaf Köller, Univ. Erlangen-Nürnberg

Im deutschen Schulsystem werden die Kinder nach der vierten Klasse auf die verschiedenen Schulformen (z.B. Gymnasium und Hauptschule) aufgeteilt, wobei neben der Schulleistung auch der Wunsch der Eltern eine Rolle spielt. Eltern wünschen sich dabei meistens eine besonders leistungsstarke Umgebung für ihre Kinder. Sie hoffen, dass ihre Kinder in einer solchen Umgebung besonders viel lernen und stolz darauf sind, bei den "Besten" zu sein. Für die Kinder selbst jedoch kann es negative Folgen haben, wenn sie sich immer mit deutlich leistungsstärkeren Klassenkameraden vergleichen müssen. Sie können dadurch möglicherweise ein ungünstiges Selbstbild entwickeln, infolgedessen ihre Lernmotivation und Schullust schwinden.

- Heinz-Martin Süß aus Magdeburg zeigt solche Effekte der Klassenzusammensetzung anhand von Schülern in Eliteschulen auf.
- Thomas Götz aus München veranschaulicht, dass eine leistungsstarke Umgebung nicht nur das Selbstbild beeinträchtigt, sondern auch zu Leistungsängstlichkeit und anderen negativen Emotionen führt.
- Kate Niederer aus Neuseeland demonstriert, wie negative Folgen von Vergleichen mit Leistungsstärkeren abgefedert werden können.
- Olaf Köller aus Nürnberg stellt in seinem Hauptvortrag eine Reihe von Studien zur Aufteilung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium vor und untersucht, welche Strategien Lehrer mit Erfolg verwenden können, um das Selbstbild der Schüler ihrer Klasse positiv zu beeinflussen.

Burn Out bei Lehrern
Montag, 5. Juli: Themensitzung mit Kurzvorträgen
10:45-12:30
Goethesaal
Wissenschaftlicher Ansprechpartner: Prof. Dr. Jürgen Baumert (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Burn Out bei Lehrern ist ein häufiges Problem mit schwerwiegenden Folgen. Die Gesundheit der Betroffenen leidet, ihr Unterricht verliert an Effektivität und Engagement und es kommt zunehmend zu Verhaltensweisen in den Klassen, die problematisch sind - ein Teufelskreis. Wirksamen Schutz vor Burn Out bietet offenbar vor allem ein positives Bild der eigenen Qualitäten als Lehrer und die Gewissheit, allein oder als Team, auch Schwierigkeiten meistern zu können. Zu diesem positiven Selbstbild tragen neben den eigenen Fähigkeiten auch die Rückmeldungen der Kollegen und Ausbilder sowie das Zusammengehörigkeitsgefühl im Lehrkörper bei.

- Ralf Schwarzer von der Freien Universität Berlin stellt eine Studie vor, für die rund 300 Lehrer aus 10 Schulen über mehrere Jahre begleitet wurden.
- Am Beispiel von jeweils mehr als 200 Lehrern aus China und Australien verdeutlichen Irene T. Ho und Kit-Tai Hau, wie ein positives Bild eigener Qualitäten den Umgang mit Problemverhalten von Schülern verbessert.

Sportsgeist: Die Kunst, sich zu motivieren
Dienstag, 6. Juli: Themensitzung mit Kurzvorträgen
16:15 - 18:15
Sitzungssaal 1
Mittwoch, 7. Juli: Themensitzung mit Kurzvorträgen
10:45-12:30
Sitzungssaal 2
Wissenschaftlicher Ansprechpartner: Prof. Dr. Herbert W. Marsh

Nicht nur der Körper zählt beim Sport, sondern auch der Kopf: Wer ein positives Bild seiner eigenen Fähigkeiten hat, treibt - bei gleichen körperlichen Voraussetzungen - als Laie mehr Sport und ist als professioneller Sportler erfolgreicher.
- Corry Middleton und Herb Marsh aus Australien haben Medaillengewinner an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen befragt und erkundet, wie das Selbstkonzept zusammen mit anderen Faktoren den Erfolg beeinflusst.
- John Gray und Remco Polman aus England zeigen am Beispiel Fußball, dass einige Leistungssportler neben einem positiven Selbstkonzept auch eine unreife Identität ausbilden, die beim Gestalten sozialer Beziehungen außerhalb des Profisports ein großes Handicap darstellt.
- Garry Richards aus Australien gibt einen Überblick darüber, wie sich der Blick auf die eigenen körperlichen Fähigkeiten über das Lebensalter verändert.

Dr. Antonia Rötger | idw
Weitere Informationen:
http://www.self.mpg.de

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