Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationale Tagung "Strategien zur Verhinderung von Millionenschäden durch Biofouling"

01.04.2004


Biofilme begegnen uns fast überall: Ob als Plaque auf den Zähnen o-der als Schleimschicht auf feuchten Steinen, in der Mikroelektronik wie in der Pharmazie, in der Auto- wie in der Lebensmittelindustrie. Einerseits werden Biofilme technisch genutzt, z. B. in der Abwasserreinigung oder Trinkwasseraufbereitung. Andererseits kann ihre unerwünschte Bildung (Biofouling) aber auch Millionenschäden durch Korrosion oder mikrobielle Verunreinigungen verursachen. Der erste Schritt in der Entstehung unerwünschter Biofilme ist die Anhaftung der Mikroorganismen an Oberflächen. Neue Strategien, diesen Prozess zu unterbinden und damit Biofouling gar nicht erst entstehen zu lassen, diskutieren heute und morgen 170 Experten überwiegend aus Europa und den USA im Rahmen einer internationalen Konferenz im Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).



Experten-Netzwerk für schnelle Umsetzung in die PraxisDer Vermeidung und Bekämpfung von Biofilmen komme hohe Umweltrelevanz zu, unterstreicht DBU-Bereichsleiterin Dr. Stefanie Heiden. Die Tagung leiste einen wichtigen Beitrag und führe internationale Biofilmexperten aus Forschung und Industrie zusammen. "Über den Tag hinaus entstehen so Netzwerke, die eine schnelle Überführung neuer Erkenntnisse in die industrielle Praxis fördern," so Heiden.

... mehr zu:
»Biofilm »Pharmazie »ZUK


Mikroorganismen auf HerzklappenVon Biofouling betroffen seien so unterschiedliche Oberflächen wie Schiffsböden oder medizinische Implantate, zum Beispiel Herzklappen. Auch bei Wärmetauschern, in der Papierfabrikation oder bei hochreinem Wasser, wie es etwa in der Pharmazie oder Nahrungsmittelproduktion benutzt wird, träten Biofilme auf. Zumeist würden solche Schäden jedoch erst spät erkannt und ihre tatsächlichen Ursachen übersehen. Allein in Deutschland summierten sie sich auf mehrere hundert Millionen Euro. Hier gelte es, den Anfängen zu wehren, und vorbeugende Maßnahmen wie spezielle Oberflächen oder neuartige Materialien einzusetzen. "Zudem hilft ein grundlegendes Verständnis des Aufwachsens und Etablierens eines Biofilms. Dabei kommt der Kommunikation und Wechselwirkung zwischen den als Hauptdarstellern beteiligten Mikroorganismen eine bedeutende Rolle zu", so Heiden.

Biofilme frühzeitig bekämpfen - zum Beispiel beim BrauenMit rund 700.000 Euro hat die DBU beispielsweise ein Kooperationsprojekt der Universitäten Osnabrück und Duisburg mit den Brauereien Rolinck, Steinfurt, sowie Bitburger gefördert, in dem höchste Ansprüche an die Qualitätskontrolle mit einer frühzeitigen Bekämpfung von Biofilmen in der Bierabfüllung durch den Einsatz von Biosensoren in Einklang gebracht wurden. Der bis dato übliche Energieaufwand zur Hygienisierung wurde um 20 Prozent, der Biozideinsatz um 42 Prozent verringert. Beim Verbrauch von über 2.000 Tonnen an Reinigungs- und Desinfektionsmitteln in der deutschen Getränkeindustrie pro Jahr sowie Belegung von 30 Prozent der Gesamtabfüllzeit durch Hygienisierungsmaßnahmen stellt dies ein beachtliches Umweltentlastungs- und Kostensenkungspotenzial dar.

Mit dem Lotus-Effekt die Umwelt schonenMaßgeblich unterstützt hat die DBU auch die Erforschung des Lotuseffekts an der Universität Bonn. Prof. Dr. Wilhelm Barthlott, von der DBU 1999 dafür auch mit ihrem mit 500.000 Euro dotierten Umweltpreis ausgezeichnet, hat dabei am Blatt der Lotus-Pflanze herausgefunden, dass nicht glatte Flächen besonders schmutzabweisend sind, sondern kleinstteilig raue. Nach diesem Muster werden in der Zwischenzeit Fassadenfarben hergestellt, aber auch Dachpfannen und Folien, die dafür sorgen, dass Verkehrsschilder nicht mehr verdrecken. Der Wasserverbrauch wird verringert, der Einsatz von Reinigungsmitteln auch.

Giftfreie Beschichtungen gegen Biofouling bei SchiffenIm November 2003 wurde ebenfalls im ZUK mit mehr als 100 internationalen Experten über die Forschungsergebnisse einer der ausführlichsten unabhängigen Studien zu biozidfreien Schiffsanstrichen weltweit diskutiert. Der vom World Wide Fund For Nature (WWF) koordinierte und von der DBU mit 630.000 Euro geförderte Großversuch wurde von LimnoMar, der Forschungsstelle Küste sowie der Umwelt- und Gesundheitsbehörde Hamburg gemeinsam mit Schiffseignern und Farbfirmen durchgeführt. Fazit: Giftfreie Beschichtungen können Schiffe wirksam vor unerwünschtem Bewuchs schützen.

Astrid Deilmann | DBU
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

Weitere Berichte zu: Biofilm Pharmazie ZUK

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein
28.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle
28.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

29.03.2017 | Physik Astronomie

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE