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1,6 Millionen Euro für klinische Forschergruppen

08.03.2004


Neuer Schwerpunkt Leberkrebs - auch Lungentransplantation wird gefördert


Erneuter Geldsegen für die Forschung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH): Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wählte gleich zwei MHH-Projekte aus insgesamt 25 Vorschlägen deutscher Universitätskliniken aus, um die Hochschule mit insgesamt 1,6 Millionen Euro in den kommenden zwei Jahren zu unterstützen. Knapp eine Million Euro sind für ein drittes Jahr in Aussicht gestellt. Die klinischen Forschergruppen beschäftigen sich mit den Themen Leberkrebs und Lungentransplantation. Die Aufgabe dieser Teams definiert die DFG so: Sie sollen die Vernetzung von Grundlagenforschung und klinischer Anwendung intensivieren, den wissenschaftlichen Nachwuchs unterstützen und die Profile der Hochschule stärken. "Die MHH etabliert damit einen neuen Schwerpunkt zur Diagnostik und Therapie des Leberzellkarzinoms", sagt Professor Dr. Michael P. Manns, Direktor der MHH-Abteilung Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie. Die Forschung auf dem Gebiet der Lungentransplantation kann ein Team um Professor Dr. Axel Haverich (Direktor der Abteilung Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie) dank der Fördergelder weiter intensivieren.

Klinische Forschergruppe "Molekulare Grundlagen und konsekutive Therapieansätze beim hepatozellulären Karzinom", Sprecher: Professor Dr. Michael P. Manns, Direktor der Abteilung Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der MHH, Förderung: 883.365 Euro in den ersten zwei Jahren mit Aussicht auf 429.185 Euro im dritten Jahr


Der Leberkrebs ist weltweit einer der häufigsten Tumore mit zunehmender Tendenz - allein in der MHH werden jährlich mehr als 200 Patienten mit dieser Diagnose behandelt. Trotz moderner Therapien (Operation, lokale Therapieverfahren und Chemotherapie) sterben die meisten an der Krankheit. Als häufigster Risikofaktor gilt die Leberzirrhose - überwiegend verursacht durch die Hepatitisviren B und C. In den klimatisch gemäßigten Zonen ist Alkohol ein weiterer Grund. Anders als bei anderen Tumoren wissen Mediziner immer noch sehr wenig über die Biologie des Leberkrebses. Deshalb wird die klinische Forschergruppe interdisziplinär die molekularen Grundlagen untersuchen, die zur Krebs-Entstehung führen. Hinzu kommen neuartige Therapiekonzepte, die die Wissenschaftler aus den gewonnenen Erkenntnissen entwickeln wollen. Dazu gehören die Tumorimpfung und die Gentherapie. Insgesamt sind fünf MHH-Abteilungen und die Gesellschaft für Biotechnologische Forschung in Braunschweig (GBF) beteiligt.

Parallel dazu wird die MHH die Therapie des Leberkarzinoms weiterentwickeln. Unter dem Dach des Tumorzentrums werden alle beteiligten Abteilungen der Hochschule künftig noch besser Patienten mit einem Leberkrebs eine spezifische, für sie persönlich angepasste Therapie anbieten.

Die klinische Forschergruppe zum Leberkrebs plant folgende Einzelprojekte:

- Welche Rolle spielt das Eiweiß p53 bei der Entstehung von Leberkrebs?
- Kann eine falsche Methylierung der Erbsubstanz DNA zum Leberkrebs führen?
- Wie lassen sich verschiedene Formen der Krankheit anhand der Gene und der produzierten Proteine unterscheiden?
- Hat die Vielfalt an Stoffwechsel-Enzymen und Transporter-Molekülen einen Einfluss?
- Halten Darm und Leber auf die gleiche Weise ihren Stoffwechsel-Haushalt im Gleichgewicht?
- Gibt es Therapieansätze auf molekularer Ebene?
- Oder kann das Immunsystem den Krebs bekämpfen, wenn man Viren einsetzt, die sich nur im Tumor vermehren?
- Welche Tumorantigene treten mit dem Immunsystem in Kontakt?

Klinische Forschergruppe "Lungentransplantation" Sprecher: Professor Dr. Axel Haverich, Direktor der Abteilung Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der MHH, Förderung: 753.450 Euro in den ersten zwei Jahren mit Aussicht auf 389.725 Euro im dritten Jahr

Wenn das Atmungsorgan, beispielsweise durch eine chronische Infektion, endgültig ausfällt, ist eine Lungentransplantation die einzige Behandlungsmöglichkeit. Da nur ein Zehntel aller gespendeten Organe für einen solchen Eingriff in Frage kommen, versterben auf der Warteliste immer noch 30 Prozent der möglichen Empfänger. Und trotz großer Fortschritte in der chirurgischen Technik sind die Überlebenszeiten nach einer Verpflanzung der Lunge immer noch deutlich kürzer als bei anderen Organen. Besonders wichtig sind deshalb nicht nur eine höhere Spendebereitschaft und ein optimiertes "Erhalten" der Organfunktion während des Transports, sondern auch ein besseres Verständnis der chronischen Organabstoßung - vor allem möchten Mediziner verstehen, welche Reaktionen auf das fremde Organ genau die Abstoßung verursachen und unter welchen Bedingungen das Immunsystem den "Fremdkörper" zu tolerieren lernt. Zudem könnten neue Therapieansätze sinnvoll sein - wie der Einsatz von Stammzellen in der erkrankten Lunge oder das Züchten von Implantaten für den Gasaustausch aus körpereigenen Zellen des Patienten.

Die klinische Forschergruppe zur Lungentransplantation plant folgende Einzelprojekte:

- Wie kann die Funktion einer entnommenen Spenderlunge besser aufrecht erhalten werden? Lässt sich das Organ auch dann erfolgreich verpflanzen, wenn es dem Spender nach Herzversagen entnommen wurde? Untersuchung in einem Tiermodell
- Welche Rolle spielen bei der chronischen Abstoßung weiße Blutkörperchen, die in die Spenderlunge einwandern?
- Welche Gene und Eiweiße spielen bei einer speziellen Abstoßungsreaktion (Bronchiolitis obliterans) eine Rolle?
- Wie erreicht man Spender-spezifische Toleranz bei der Lungentransplantation?
- Lassen sich embryonale Stammzellen in Lungenzellen (Pneumozyten) umwandeln?
- Kann man eine Luftröhre züchten?

Weitere Informationen:
Dr. Stefan Kubicka (Leberkrebs), Telefon: (0511) 532-6766, E-Mail: Kubicka.Stefan@mh-hannover.de
Professor Dr. Ulrich Martin (Lungentransplantation), Telefon: (0511) 906-3533, E-Mail: Martin.Ulrich@mh-hannover.de

Dr. Arnd Schweitzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

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