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Analytica Conference

20.02.2004


Vom Drogennachweis bis zur Krebstherapie

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»Analytik »LeBeau »Verbraucherschutz

Neue analytische Methoden, Verbraucherschutz und Bioanalytik sind Themen der diesjährigen Analytica Conference vom 11. bis 13. Mai im Internationalen Congress Center München. Schlaglichter setzen namhafte internationale Referenten in Plenarvorträgen. An drei Konferenztagen berichten Wissenschaftler und Anwender aus aller Welt, was moderne analytische Methoden leisten, wo sie eingesetzt werden und wo ihre Grenzen liegen. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist maßgeblicher Ausrichter dieser Konferenz, die die größte europäische Analytik-Fachmesse, die Analytica, begleitet.

Auf die Tücken in der Analytik von Drogen macht Marc LeBeau, Leiter der Chemie-Abteilung bei der US-amerikanischen Bundespolizei FBI, aufmerksam. Geringste Drogen-Konzentrationen muss der forensische Analytiker in Blut, Haaren oder Organen nachweisen. Eine verzwickte Angelegenheit, da sich Drogen im Körper schnell umwandeln und immer neue Designer-Drogen nach immer neuen Analysenverfahren verlangen.


Ob Lebensmittel, Medikamente oder Trinkwasser - es ist Aufgabe von Ämtern, diese Güter permanent zu überwachen. Wolfgang Schmid vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erörtert Aufgaben, Probleme und Lösungen für einen sicheren Verbraucherschutz.

Die Analytik von Biomolekülen mit Massenspektrometrie ist Thema des Vortrags von David M. Lubman von der Stanford University. Sein Hauptinteresse gilt Proteinen, die an der Entstehung von Krebs beteiligt sind. Lubman sucht Eiweißmoleküle, die nur in kranken Zellen vorkommen und daher als Biomarker dienen können. Seine Arbeit eröffnet neue Wege sowohl in der Frühdiagnostik als auch in der Therapie von Krebs. Sind nämlich die krankheitsauslösenden Proteine und ihre Strukturen bekannt, können Pharmaforscher gezielt neue Medikamente entwickeln.

Trends in der Bioanalytik

"From Gene to Life", der erste Themenblock der Analytica Conference, vermittelt Trends in der Bioanalytik. Den Kern bilden die Symposien "Genomics", "Proteomics", "Metabolomics" und "Glycomics". Die Endung -omics zeigt: Bioanalytiker untersuchen nicht mehr nur einzelne Substanzen, sondern vielmehr die Netzwerke und Wechselwirkungen von Biomolekülen in der Zelle. Nicht das einzelne Gen oder Protein steht im Fokus, sondern deren Gesamtheit, das Genom oder Proteom. Diese Betrachtungsweise gilt ebenso für den Stoffwechsel (Metabolomics) wie für Kohlenhydrate (Glycomics). Störungen im Wechselspiel der Biomoleküle lösen Krankheiten wie Krebs, Bluthochdruck oder Diabetes aus.

Mit Vorträgen über Biosensoren und Biochips, die tausende DNA-Moleküle oder Proteine parallel analysieren, beginnt der Bioanalytik-Part. Er endet mit einer Session über Methoden der Bioinformatik, die die enorm großen Datensätze auswerten.

Acrylamid in Knäckebrot und Platin in Grönland

"Analytik im Verbraucherschutz" lautet der zweite Schwerpunkt der Analytica Conference. Als Acrylamid vor zwei Jahren in die Schlagzeilen geriet und den Appetit auf Chips und Bratkartoffeln verdarb, fehlte es den Lebensmittelchemikern an sicheren Nachweisverfahren. Den aktuellen Stand der Acrylamid-Analytik wird Antje Töpfer von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin am Beispiel Knäckebrot schildern.

Nicht minder gefragt sind Verfahren zum Nachweis von gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Isabel Taverniers vom belgischen Centre of Agricultural Research in Melle stellt eine molekularbiologische Methode vor, mit der sie gentechnisch veränderte Organismen aufspürt.

Über jeden Zweifel erhaben müssen Labordaten sein, die Analytiker wie der FBI-Chemiker Marc LeBeau vor Gericht präsentieren. Die Session der klinischen und forensischen Toxikologie widmet sich daher den "Pitfalls", den Fallen, in die LeBeau und seine Fachkollegen nicht tappen dürfen. Alain Verstraete von der Universität Gent, Belgien, schildert die Problematik am Beispiel von GHB (Gamma-Hydroxybutyrat), einer von Ravern begehrten, bei Analytikern aber unbeliebten Droge: Sie ist schwer nachzuweisen, da sie aus dem Blut in etwa vier, aus dem Urin in etwa zwölf Stunden verschwindet. Als Alternative bietet sich die Analytik von Haaren mit Gaschromatographie und Massenspektrometrie an. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Über "Pitfalls in Hair Testing" spricht der Rechtsmediziner Fritz Pragst von der Berliner Charité.

Dass Umweltschutzmaßnahmen ihren Namen nicht immer verdienen, wird Carlo Barbante von der Universität Venedig zeigen: Platin aus Auto-Katalysatoren hat seinen Weg mittlerweile bis ins Eis von Grönland gefunden. Unterschätzen wir die Giftigkeit von Platin und seinen Verwandten? Bernd Sures von der Universität Karlsruhe präsentiert neue Ergebnisse aus Feld- und Laborversuchen.

Mediziner setzen Verbindungen wie Carboplatin in der Chemotherapie von Krebs ein. Der Analytiker Stephan Hann von der Wiener Universität für Bodenkultur verfolgt diese Substanz massenspektrometrisch in Blut, Serum, Gewebeflüssigkeiten und bis ins Abwasser von Krankenhäusern.

Biosensoren und Mikroreaktoren

"Neue Herausforderungen an analytische Methoden" informiert über die Trends in Material-, Prozess- und Umweltanalytik. Das Spektrum reicht von Sensoren und Chip-Techniken über moderne Trennmethoden bis zur Atom- und Molekülspektroskopie. Einfache, schnelle und kostengünstige Analytik versprechen Biosensoren. Günther Proll von der Universität Tübingen hat einen optischen Biosensor entwickelt, der beispielsweise Pestizide im Wasser erkennt - und zwar mehrere gleichzeitig. Das tragbare System überwacht Grenzwerte in Gewässern und ergänzt damit klassische Analysenmethoden.

Der Trend zur Miniaturisierung hat auch die chemische Prozesstechnik erreicht. Mikroreaktoren versprechen nicht nur mehr Sicherheit im Umgang mit explosiven oder toxischen Stoffen, sondern auch höhere Ausbeuten und Produktqualitäten. Über die Analytik von Prozessen in Mikroreaktoren spricht Mel Koch von der University of Washington.

Preisverleihungen

Die Preisträger des Molecular Bioanalytics Award, den Roche Diagnostics und die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie verleihen, eröffnen die Konferenz mit Plenarvorträgen. Außerdem ehrt der Deutsche Arbeitskreis für Angewandte Spektroskopie, ein Arbeitskreis der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie, die polnische Wissenschaftlerin Ewa Bulska mit dem Bunsen-Kirchhoff-Preis.

Die Organisatoren

Die Analytica Conference wird von den drei im "Forum Analytik in Chemie, Lebenswissenschaften und Medizin" zusammengeschlossenen Fachgesellschaften, Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), in Zusammenarbeit mit der Neuen Messe München organisiert.

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de/vas/tagungen/tagungen2004.htm
http://www.gdch.de

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