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Neue Strategien bei Gelenk-Verschleiß

23.01.2004


Wenn die Gelenke verschlissen sind, können selbst einfachste Alltagsbewegungen, wie etwa Bücken, Treppen steigen oder gar langsames Gehen, zur Qual werden. Da degenerative Gelenkerkrankungen vor allem ein Problem älterer Menschen sind, nimmt die Zahl der Betroffenen mit steigender Lebenserwartung zu. Nicht selten leiden aber auch bereits jüngere Leute, die noch mitten im Erwerbsleben stehen, unter entsprechenden Beschwerden, die unter dem Begriff Arthrose zusammengefasst werden. Über neue Materialien bei der Versorgung mit einem künstlichen Knie- oder Hüftgelenk sowie innovative Behandlungsmöglichkeiten bei Arthrose diskutieren rund 300 Mediziner aus dem gesamten Bundesgebiet von Freitag bis Samstag nächster Woche, 30./31. Januar 2004, bei einer Tagung der Klinik für Allgemeine Orthopädie des Universitätsklinikums Münster (UKM).



Ziel der "Münsteraner Streitgespräche 2004" unter der Leitung von Prof. Dr. Winfried Winkelmann und Privatdozentin Dr. Susanne Fuchs ist es, das Wissen der teilnehmenden Ärzte auf den aktuellsten Stand zu bringen und neue Therapiestrategien bei Arthrose kritisch zu hinterfragen. Denn vor dem Hintergrund einer stetig wachsenden Zahl von Menschen mit degenerativen Gelenkerkrankungen stellt eine weitere Verbesserung der Behandlung sowohl medizinisch als auch volkswirtschaftlich eine große Herausforderung dar: Über fünf Millionen Krankenhaustage werden in Deutschland pro Jahr allein wegen solcher Beschwerden verursacht. Bereits 1990 wurde nach Angaben der Tagungsorganisatoren wegen Problemen mit den Gelenken über 41 Millionen Mal ein Arzt konsultiert, und im selben Jahr registrierte man hier zu Lande aus dem selben Grund fast 52 Millionen Arbeitsausfallstage.

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Ziel der Forschungen auf dem Gebiet der Arthrose ist es, das Fortschreiten des Verschleißprozesses zu verlangsamen und den Zeitpunkt einer nötigen Versorgung mit
einem künstlichen Knie- oder Hüftgelenk zeitlich immer weiter hinauszuzögern. Weiteres Bestreben ist es, die "Überlebenszeit" der künstlichen Gelenke zu verlängern. Neue Perspektiven haben sich dabei durch innovative Materialien ergeben. So gibt es vom Kunststoff Polyethylen, aus dem das Zwischenstück der Metall-Endoprothesen besteht, mittlerweile eine speziell hergestellte

Variante, die deutlich resistenter gegen Abrieb und damit widerstandsfähiger ist als das herkömmliche Polyethylen. Wie haltbar die aus diesem neuen Werkstoff gefertigten Teile tatsächlich sind, kann zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht genau beurteilt werden. Denn bei künstlichen Kniegelenken wird er bislang noch gar nicht und bei Hüft-Endoprothesen erst seit etwa drei bis vier Jahren eingesetzt. Aus konventionellem Polyethylen gefertigte Endoprothesen halten im Schnitt zehn bis 15 Jahre. Nach Einschätzung von Dr. Fuchs könnte die Lebensdauer künftig mehr als 20 Jahre betragen. Ob sich das neue Material auch für die Knie-Endoprothetik eignen könnte, wird bei der Tagung eingehend diskutiert werden.

Weitere Themen des Kongresses, der am 30. Januar um 9.15 Uhr durch Prof. Winkelmann eröffnet wird, sind minimal-invasive Verfahren zum Einsatz künstlicher Kniegelenke. Bei Teilprothesen ist die so genannte Schlüsselloch-Chirurgie heute schon fast die Regel. Die erforderlichen Schnitte sind mit acht bis zehn Zentimeters nur halb so groß wie bei herkömmlichen Operationen. Ziel der "Streitgespräche" in Münster ist es, das Für und Wider der minimal-invasiven Eingriffe zu beleuchten. Eingehend diskutiert wird unter anderem auch über die Möglichkeit der Knorpelersatz-Therapie, bei der dem Patienten während einer Erstoperation Knorpelzellen entnommen, diese dann entsprechend aufbereitet und bei einem zweiten Eingriff wieder eingelegt werden. Weiterer Schwerpunkt ist der Meniskus-Ersatz, von dem sich Experten eine verbesserte Prävention der Arthrose versprechen. Im Anschluss an das wissenschaftliche Hauptprogramm haben interessierte Teilnehmer die Gelegenheit, sich bei einem Operationskurs im Institut für Anatomie des UKM praktisch mit minimal-invasiver Knie-Endoprothetik vertraut zu machen.

Jutta Reising | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de/institute/orth/veranstaltungen/index.html

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