Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Bewusstsein auf der Spur

27.11.2003


Lange Zeit wurde das Bewusstsein als metaphysisches und somit naturwissenschaftlich nicht ergründbares Phänomen betrachtet. Es war daher lediglich ein Untersuchungsgegenstand der Geistes- und Sozialwissenschaften. Heutzutage gelten Denken, Vorstellen, Fühlen und bewusstes Erleben jedoch als naturwissenschaftlich erforschbar.



In seinem Vortrag „Wie entsteht Bewusstsein im Gehirn?“, den er am 9. Dezember 2003 um 19.00 Uhr im Bonner Forschungszentrum caesar hält, schildert Prof. Dr. Andreas K. Engel, wie die Kognitionswissenschaft – ein interdisziplinärer Verbund aus Hirnforschung, Psychologie, Philosophie und Neuroinformatik – sich mit dem Problem des Bewusstseins auseinandersetzt. Engel ist Professor für Physiologie und Direktor des Instituts für Neurophysiologie und Pathophysiologie im Universitätsklinikum Eppendorf der Universität Hamburg. Sein Vortrag setzt die Reihe der erfolgreichen Begleitveranstaltungen zur Ausstellung „science + fiction“ fort, die noch bis zum 4. Januar 2004 sonntags bis freitags von 12.00 –18.00 Uhr bei caesar, Ludwig-Erhard-Allee 2 in Bonn zu sehen ist.



Durch die Erkenntnisse der Wahrnehmungspsychologie ist das Bewusstsein schon sehr lange als integrativer Prozess bekannt. Dies bedeutet, dass verschiedene Sinnesdaten zu einheitlichen Wahrnehmungseindrücken zusammen geführt werden. Ohne diese Leistung wäre unsere Wahrnehmungswelt nur eine Anhäufung bedeutungsloser Farbflecken, Geräusche und Gerüche, vergleichbar dem Blick in ein Kaleidoskop.

Über die physiologischen Grundlagen dieser Integrationsprozesse ist bis heute relativ wenig bekannt. Die Zusammenführung der Sinneseindrücke ist aus neurophysiologischer Sicht schwer zu verstehen, da die an der Wahrnehmung von Objekten jeweils beteiligten Nervenzellen nicht in einem eingegrenzten Hirnareal liegen, sondern über verschiedene Hirnbereiche verteilt sind. So werden beispielsweise die durch das Auge aufgenommenen Merkmale eines Objekts – wie Farbe, Form oder Bewegung – in ganz unterschiedlichen Arealen des Gehirns weiterverarbeitet. Dadurch stellt sich für die Wissenschaftler die Frage, auf welche Weise die räumlich verteilten Nervenzellen als zusammengehörig gekennzeichnet und zur zusammenhängenden Präsentation eines Objekts vereinigt werden können.

Engel stellt als einen möglichen Mechanismus für die Lösung dieses Problems die „zeitliche Bindung“ neuronaler Signale vor. Obwohl die neuronale Aktivität, die durch Sinneseindrücke wie Form und Farbe eines Objekts ausgelöst wird, auf verschiedene Bereiche des Gehirns trifft, wird durch eine Synchronisation die Gleichzeitigkeit ihres Eintreffens als zusammenhängender Wahrnehmungseindruck erreicht.

Die Ausstellung „science + fiction – zwischen Nanowelt und globaler Kultur“ ist ebenso Kunstausstellung wie Wissensschau: Künstler und Wissenschaftler wurden eingeladen, im Dialog miteinander zu Brennpunkten der gegenwärtigen Forschung zu arbeiten. In Pavillons und Installationen werden die Themen Hirnforschung, Nanotechnologie, Globalisierung sowie „Fremdes“ und „Eigenes“ und darüber hinaus die „Zukunft der Wissensgesellschaft“ künstlerisch dargestellt. Eines der Exponate, der Hirnpavillon des Atelier van Lieshout, an dem auch Engel mitgewirkt hat, stellt außen die objektive wissenschaftliche Sicht der Hirnforschung dar und konfrontiert diese im Inneren mit van Lieshouts subjektivem Kosmos. Die VolkswagenStiftung hat diese Ausstellung anlässlich ihres – im vergangenen Jahr begangenen – 40-jährigen Jubiläums als Wissenschaftsförderer konzipiert und präsentiert sich damit nun auch als Förderer des Transfers wissenschaftlicher Inhalte in die Öffentlichkeit.

Das internationale Forschungszentrum caesar (center of advanced european studies and research) hat 1999 die Arbeit aufgenommen. Mit inzwischen 200 Mitarbeitern forschen interdisziplinäre Teams in den Bereichen Materialwissenschaften/ Nanotechnologie, Medizintechnik und Biotechnologie. Forschung und industrielle Anwendung gehen Hand in Hand: caesar entwickelt innovative Produkte und Verfahren und unterstützt die Wissenschaftler bei Firmenausgründungen.

Francis Hugenroth | Forschungszentrum caesar
Weitere Informationen:
http://www.caesar.de
http://www.volkswagenstiftung.de

Weitere Berichte zu: Hirnforschung Nanotechnologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Internationale Konferenz zur Digitalisierung
19.04.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht 124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus
19.04.2018 | Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics