Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltdiabetestag am 14. November will die Bekämpfung der Zuckerkrankheit voranbringen

30.10.2003


Jedes Jahr am 14. November nutzen Mediziner, Verbände und Patienten den Weltdiabetestag, um auf diese bislang nicht heilbare Stoffwechselkrankheit aufmerksam zu machen. Federführend ist hierbei die Deutsche Diabetesgesellschaft, als deren Präsident der Leipziger Prof. Wieland Kiess fungiert, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche.

Die Zahl der Diabetiker in Deutschland ist weit höher als bisher geschätzt: Eine Bevölkerungs-Stichprobe in der Region Augsburg ergab, dass rund acht Prozent der Getesteten an einem bekannten Diabetes litten. Weitere acht Prozent waren zuckerkrank, ohne dies zu wissen. Bei der Erhebung wurde ferner festgestellt, dass 16 Prozent der Bevölkerung Auffälligkeiten hinsichtlich ihres Kohlenhydratstoffwechsels aufweisen, die mit einem hohen Risiko für die Entwicklung eines Diabetes einhergehen. "Damit sind rund 40 Prozent der Bevölkerung hinsichtlich ihres Zuckerstoffwechsels auffällig. Bereits jetzt ist der Diabetes mellitus in allen Altersstufen die häufigste chronische Erkrankung", erläutert Kiess. "Alle Welt redet über Krebs, über Herzinfarkt oder Schlaganfall, aber das Thema Zuckerkrankheit ist nach wie vor unterbewertet". Kiess verweist dabei auf die mitunter dramatischen Folgen, die ungenügend oder überhaupt nicht behandelter Diabetes haben kann. In den Industrienationen ist die Zuckerkrankheit noch heute die häufigste Ursache für Erblindungen, Amputationen und Dialysepflichtige Nierenerkrankungen.

Nach Wegen aus dem zu befürchtenden massenhaften Auftretenden von Diabetes befragt, mahnt Kiess eine konsequentere Prophylaxe an. Die Deutsche Diabetesgesellschaft (DDG) hat in hat vor einigen Monaten eine "Arbeitsgruppe Prävention des Typ 2 Diabetes durch LifeStyle-Änderungen" gegründet. Die Ursachen dieser Diabetesform liegen nicht nur in erblichen Belastungen, sondern auch in der ungesunden Lebensführung, die von falscher Kost, also letztlich von Übergewicht und Fettleibigkeit, sowie von Bewegungsmangel geprägt ist. "Adipositas, also die Fettleibigkeit, ist selbst bei Kindern und Kleinkindern keine Rarität mehr. Mit dem Übergewicht aber steigt die Gefahr, dass schon sie an einem Typ 2 Diabetes, der früher auch als Altersdiabetes bezeichnet wurde, erkranken. Es muss uns alarmieren, dass die durchschnittliche Gehstrecke der Kinder in den letzten zehn Jahren um das Achtfache abgenommen hat", warnt der Kinderarzt.

Ein weiteres aktuelles Anliegen der Deutschen Diabetesgesellschaft ist es, bundesweit ein Diabetes-Qualitäts- Modell zu etablieren. Das soll insbesondere die medizinischen Einrichtungen unterstützen, die sich nicht ausschließlich auf die Behandlung der Zuckerkrankheit spezialisieren können. "Wir brauchen nicht nur Leuchttürme in ein paar Großstädten", so der DDG-Präsident. "Wir brauchen die flächendeckende Versorgung. Die ist zu gewährleisten über ein praktikables Qualitätsmanagement, über Ausbildung statt Abgrenzung. Wir haben bereits Kriterienkataloge für diabetologische Einrichtungen erarbeitet. Diese werden wir im November verabschieden, so dass im Januar 2004 die zugelassenen Diabetes-Einrichtungen wieder benannt sind."

Diabetes betrifft aber nicht nur die Industrienationen, sondern die gesamte Menschheit. In der Mehrzahl der Länder wächst die Zahl derer, die einen bewegungsarmen Alltag leben. Gleichzeitig steigt international der Anteil der ungesunden Nahrungsmittel an der Gesamternährung. Die Folge dieser gefährlichen Kombination ist, dass Diabetes sich quasi unkontrolliert ausbreitet. Hinzu kommt, dass die Weltbevölkerung unaufhaltsam wächst und immer mehr Menschen eine längere Lebenserwartung haben. 1985 gab es weltweit schätzungsweise 30 Millionen Menschen mit einem Diabetes. Heute sind es mindestens 177 Millionen Menschen - eine nahezu sechsfache Anzahl in gerade einmal 15 Jahren. Wenn nichts zur Abbremsung dieser Epidemie geschieht, so schätzt die WHO, wird diese Zahl auf 300 Millionen im Jahr 2025 ansteigen.

Das Datum des Weltdiabetestages erinnert an den Geburtstag von Frederick G. Banting (1891 - 1941), einem der Entdecker des Insulins im Jahre 1922. Jeder dieser Tage widmete sich bisher einem anderen Schwerpunkt der Verhinderung, Behandlung und einer irgendwann sogar möglichen Heilung der Krankheit. Um "Diabetes und Herz und Gefäße" ging es 2001, um "Diabetes und Auge" im vergangenen Jahr. Zu einer Konferenz unter dem Motto "Diabetes und Nieren" ist für den 14. November 2003 nach Frankfurt/Main eingeladen. Im kommenden Jahr soll "Diabetes und Füße" in Mittelpunkt des wissenschaftlichen Austausches stehen.



Weitere Informationen: Prof. Dr. Wieland Kiess, Tel. 0341-9726-000, E-Mail: kiw@medizin.uni-leipzig.de

Marlis Heinz | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~kikli

Weitere Berichte zu: Diabetesgesellschaft Weltdiabetestag Zuckerkrankheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von festen Körpern und Philosophen
23.02.2018 | Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG)

nachricht Spannungsfeld Elektromobilität
23.02.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics