Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Wahrnehmung kleiner Anzahlen und die Entwicklung des Zahlenverständnisses bei Kleinkindern

21.07.2003


Preis der Hermann Willkomm-Stiftung an den Diplom-Psychologen PD Dr. Wolfgang Mack


Wie gelangen Menschen zu einem Verständnis von Zahlen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Preisträger in seiner preisgekrönten Habilitationsschrift. Mack rückte methodologisch einen wahrnehmungsnahen Mengenerfassungsmechanismus ins Zentrum seiner Analyse, das sogenannte Subitizing. Subitizing bedeutet die Fähigkeit, sehr rasch und auf einen Blick eine kleinere Menge von Objekten quantitativ erfassen zu können. Beispielsweise bei einem kurzen Blick aus dem Fenster unmittelbar und ohne zu zählen feststellen zu können, dass vier Fahrzeuge vor dem Eingang des Hauptgebäudes der Universität parken.

In Experimenten mit Erwachsenen untersuchte Mack diese Fähigkeit, über die Erwachsene in allen Kulturen verfügen, genauer als bislang. In weiteren Experimenten versucht der Preisträger, diesen Mengenerfassungsmechanismus bei Säuglingen im Alter ab dem sechsten Lebensmonat zu analysieren, um damit zu prüfen, ob dieser Mechanismus an höhere geistige Prozesse - etwa einen bestimmten kognitiven Entwicklungszustand - gekoppelt ist, der bei Säuglingen noch nicht erreicht ist, oder ob umgekehrt dieser Mengenerfassungsmechanismus eher als Vorläufer von abstrakteren-symbolischen Erkenntnissen über die Zahl angesehen werden kann.


Das Ergebnis: Wolfgang Mack kann in seiner Arbeit nicht zeigen, dass "Säuglinge zählen können", wie es bereits vor einigen Jahren in der Überschrift eines großen deutschen Blatts mit Bezug auf erste experimentelle Ergebnisse zu lesen war. Wohl aber, dass bereits Babys mit einem Alter von wenigen Monaten kleine Mengen von Objekten in ihrer Welt mit Hilfe des skizzierten wahrnehmungsbezogenen Mechanismus quantitativ erfassen, Mengen von anderen Mengen unterscheiden und ihr Verhalten an diesen "quantitativen Erkenntnissen" über die Welt ausrichten.

Für diese Arbeit wurde Privatdozent Dr. Wolfgang Mack aus dem Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaf- ten mit dem mit 3.000 Euro dotierten Preis der Hermann Willkomm-Stiftung für die beste naturwissenschaftliche Habilitationsschrift ausgezeichnet. In ihrer Laudatio im Rahmen der feierlichen Preisübergabe in der Aula der Universität dankte Prof. Monika Knopf der anwesenden Stifterin und Ehrenbürgerin der Universität, der 91-jährigen Wilhelmine Willkomm, nicht nur für die Auslobung des Habilitationspreises, sondern auch dafür, dass die Hermann Willkomm-Stiftung kontinuierlich dazu beitrage, fortwährend auftauchende Klippen naturwissenschaftlicher Forschung meistern zu helfen.

Der Preis wird in unregelmäßigen Abständen seit 1986 vergeben; bislang wurde er sieben mal verliehen; das Fächerspektrum der ausgezeichneten Arbeiten reichte dabei von der Informatik über die Geowissenschaften, Physik bis hin zur Biophysikalischen Chemie und der Pharmakologie. Wilhelmine Willkomm hatte nach dem Tod ihres Mannes Hermann 1982 einen großen Teil ihres ererbten Vermögens in die Stiftung eingebracht und das Kapital immer wieder auf heute 2,5 Millionen Euro aufgestockt. Aus den Erträgen wurden seit 1984 rund 2 Millionen Euro ausgeschüttet, die insbesondere "zur Förderung junger Menschen, die sich in den Naturwissenschaften ausbilden" - so ein Zitat aus der Stiftungsverfassung - eingesetzt wurden.

Wolfgang Mack studierte an der Universität Würzburg Psychologie und legte 1990 sein Diplom ab. Nach kurzer Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Würzburg ging er 1991 ans Max-Planck-Institut für psychologische Forschung nach München; dort promovierte er 1994 zu dem Thema "Entwicklung kognitiver Leistungen und der Expertise technischen Wissens in der Adoleszenz". 1995-1996 forschte er als Postdoc an der Universität Potsdam in einem Innovationskolleg mit dem Titel "Formale Modelle kognitiver Komplexität" und ist seit 1997 Mitarbeiter im Arbeitsbereich Entwicklungspsychologie an die Universität Frankfurt.

Kontakt:

Prof. Joachim Weidmann
Fachbereich Mathematik
Tel.: 069 - 798-22511/28811, Fax -28856
E-Mail: weidmann@math.uni-frankfurt.de

Dr. Ralf Breyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Berichte zu: Mengenerfassungsmechanismus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“
15.12.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor
15.12.2017 | inter 3 Institut für Ressourcenmanagement

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik