Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

3. Europäische Psychotherapie-Konferenz in Heidelberg

26.05.2003


Experten fordern mehr Forschungsmittel für Wirksamkeitsstudien zur Psychotherapie / 3. Europäische Psychotherapie-Konferenz in Heidelberg



Die Behandlung psychiatrischer Erkrankungen beschränkt sich längst nicht mehr auf Medikamente: Psychotherapeutische Verfahren werden, oft mit gutem Erfolg, bei praktisch allen psychischen Erkrankungen eingesetzt, meist ergänzend zur Behandlung mit Psychopharmaka. Zwar liegen umfangreiche klinische Erfahrungen mit psychotherapeutischen Verfahren vor, jedoch gibt es bislang nur wenige wissenschaftliche Studien, die ihre Wirksamkeit überprüft haben. Folglich erstatten die Krankenkassen nur bei wenigen ambulant praktizierten Verfahren die Kosten. Die Nachfrage der Patienten ist groß, denn bei ihrem stationären Aufenthalt konnten sie meist von der Anwendung psychotherapeutischer Verfahren profitieren.



Bei der 3. Europäischen Psychotherapie-Konferenz, die vom 29. Mai bis 1. Juni in Heidelberg stattfindet und von der Gesellschaft Europäischer Psychiater veranstaltet wird, befassen sich Psychiater und Psychologen schwerpunktmäßig mit den Fragen: Welche wissenschaftlichen Beweise liegen für die Wirksamkeit der verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren vor? Gibt es neue Methoden und Techniken, die für die Erkrankung schwerer psychischer Erkrankungen wie Depression, Schizophrenie oder bei psychosomatischen Störungen wie der Magersucht künftig von Bedeutung sein könnten?

Wissenschaftlicher Beirat entscheidet über Erstattungsfähigkeit

"Für die Erforschung der Wirksamkeit von Psychotherapie stehen nicht ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung", erklärt Prof. Dr. Christoph Mundt, Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg und Gastgeber des Kongresses, der in der Heidelberger Stadthalle stattfindet. Während für die Erprobung neuer Psychopharmaka jährlich dreistellige Millionensummen eingesetzt würden, müsse die Psychotherapieforschung mit einem Bruchteil der Mittel auskommen und würde fast ausschließlich von staatlichen Geldgebern gefördert. Dabei gingen auch die klinischen Medikamentenstudien zu Lasten der Allgemeinheit, denn letztlich würden sie über die Arzneimittelpreise von den Krankenkassen finanziert. Prof. Mundt weist ausdrücklich auf die Notwendigkeit dieser Arzneimittelstudien hin, fordert aber gemeinsam mit seinen europäischen Kollegen ein höheres und breiteres Förderengagement im Bereich der Psychotherapie-Forschung.

In Deutschland entscheidet seit einigen Jahren der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie der Bundesärztekammer anhand wissenschaftlicher Kriterien, ob ein ambulantes Verfahren von den Krankenkassen erstattet wird. Diesen Status konnten bislang nur die Verhaltenstherapie, die Psychodynamische Psychotherapie und die Gesprächspsychotherapie erlangen. Andere Psychotherapien wie Familien- und Kunsttherapie werden zwar in vielen Kliniken praktiziert, auch bei Patienten, die an somatischen Erkrankungen wie Rheuma oder orthopädischen Behinderungen leiden, und als staatlich anerkannte Ausbildung angeboten, ihre Erstattungsfähigkeit ist jedoch nicht gesichert.

Die Chancen, dass eine Wirksamkeitsüberprüfung methodisch gelingen könne, stehen indes nicht schlecht. Prof. Mundt weist darauf hin, dass die Verbindung mit neurobiologischen Verfahren zu beeindruckenden Erkenntnissen beim Wirksamkeitsnachweis geführt habe: So konnte mit Hilfe der Positronen-Emmissions-Tomographie gezeigt werden, dass Verhaltenstherapie die gesteigerten Aktivitäten bestimmter Hirnregionen genauso vermindern kann wie Pharmakotherapie, und dies oft nachhaltiger, als dies die schneller wirkenden Medikamente vermögen. Auch neue Analysetechniken untermauern den Effekt der Psychotherapie: Änderungen im emotionalen Wechselspiel zwischen der depressiv gestimmten Mutter und ihrem Kind lassen sich mit Hilfe von Videoaufnahmen minutiös aufzeichnen. Diese Dokumentation wird ergänzt durch Messungen von physiologischen Parametern.

Auch geisteswissenschaftliche Methoden können Wirksamkeit prüfen

Naturwissenschaftliche Kriterien sind nicht immer in der Lage, die Wirksamkeit eines Verfahrens umfassend zu prüfen. Prof. Mundt plädiert für die Einbeziehung geisteswissenschaftlicher Verfahren bei der Beschreibung und Bewertung von Subjektivitätserleben der Motivation, der Identität oder des freien Willens, was z.B. bei psychotischen Erkrankungen gestört ist. Auch Kunst- und Musiktherapie sind geisteswissenschaftlichen Methoden zugänglich; Musikerleben aber auch neurobiologischen Methoden, wie der Festvortrag von Prof. Manfred Spitzer vom Universitätsklinikum Ulm bei der Eröffnungsveranstaltung zeigen wird.

Neben dem Schwerpunkt Wirksamkeitsnachweis der Psychotherapie wird ihre Bedeutung bei der Vorbeugung und Gesundheitsfürsorge behandelt, u.a. bei dem Eröffnungsvortrag von Dr. Wolfgang Rutz, einem Vertreter der WHO. Weitere Themen sind u.a.: Wie können elektronische Hilfsmittel und das Internet sinnvoll für die Psychotherapie, die Supervision von Therapie und in der Ausbildung eingesetzt werden? Wie ist das Gedächtnis bei Traumatisierten strukturiert und wie erlernt der Säugling seine Gefühlssprache? In Vorträgen und Workshops wird die Anwendung neurobiologischer Verfahren vorgestellt und diskutiert.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Christoph Mundt
Telefon 06221 - 56 2751


Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.akm.ch/aep2003/

Weitere Berichte zu: Psychopharmaka Psychotherapie Verhaltenstherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen
23.08.2017 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Logistikmanagement-Konferenz 2017
23.08.2017 | Universität Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie