Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einmal Urknall und zurück

05.03.2003


Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Aachen



Rund 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter Gäste aus dem europäischen Ausland und den USA, treffen sich vom 10. - 13. März 2003 an der RWTH Aachen, um über neueste Erkenntnisse der Teilchenphysik zu diskutieren. Im Mittelpunkt dieser Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) stehen insbesondere der Urknall, die kosmische Strahlung, die flüchtigen "Neutrinos" und eine ganz besondere "Substanz": die Anti-Materie.

... mehr zu:
»Materie »Neutrino »Urknall


Das Programm bietet neben zahlreichen Fachvorträgen auch einen öffentlichen Abendvortrag (Eintritt frei): Unter dem Titel "Elementarteilchen aus dem Urknall" startet der Aachener Teilchenforscher Thomas Hebbeker am 12. März zu einer Zeitreise in die Geburtstunde des Universums. Startpunkt ist Hörsaal F01 des Kármán-Auditoriums der RWTH Aachen (Templergraben/Eilfschornsteinstraße). Startzeit: 20:00 Uhr.

Zum Auftakt der Tagung laden wir Sie herzlich zu einem Pressegespräch ein: Der Termin:
Montag, 10. März 2003, 11:00 Uhr
RWTH Aachen / Hauptgebäude
Sitzungszimmer des Rektorats (rechter Seitenflügel, Hochparterre)
Templergraben 55

Was für Juristen das Gesetzbuch ist für Teilchenphysiker das "Standardmodell". Diese Theorie der elementaren Naturkräfte und Teilchen gehört zum festen Repertoire der modernen Physik. Doch in jüngster Zeit mehren sich die Anzeichen dafür, dass das Formelwerk Lücken aufweist. Hinweise kommen insbesondere vonseiten so genannter Neutrinos: Eigentümliche Elementarteilchen, die etwa aus dem All kommend, meist ungehindert die Erde durchqueren. Für diese Geisterteilchen ist Materie ähnlich durchlässig wie Glas für einen Lichtstrahl. Diese Tatsache ist gar nicht einmal so erstaunlich, verblüffend ist vielmehr der unstete Charakter der Neutrinos: Sie können zwischen einzelnen Teilchenfamilien hin und her wechseln - ein Verstoß gegen den Codex des Standardmodells. Diese erst kürzlich nachgewiesenen "Neutrino-Oszillationen" werden nun von Daten des japanischen KAMLAND-Experiments bestätigt, die in Aachen vorgestellt werden.

Der Wankelmut der Neutrinos hat weitreichende Folgen: Anders als lange Zeit angenommen, sind diese Teilchen keineswegs masselos. Und da sie zu riesigen Mengen im gesamten Universum vertreten sind, könnten sie einen wichtigen Anteil der so genannten Dunklen Materie ausmachen. Deren Natur ist immer noch rätselhaft. Die Bewegungen von Galaxien deuten jedoch darauf hin, dass das Universum neben leuchtender Materie in Form von Sternen und glühenden Gaswolken außerdem - und zwar in erheblichem Maße - noch dunkle Materie enthält.

Science-Fiction-Fans ist sie wohl vertraut, sorgt sie nicht zuletzt auf der "Enterprise" für den nötigen Schub: die Anti-Materie. Für die Physik hält sie noch manche Frage parat. Denn bei der Geburt des Universums, dem so genannten Urknall, sollte nach heutiger Auffassung gleich viel Materie und Anti-Materie entstanden sein. Damit steht die Wissenschaft vor einem Rätsel: Weil sich Teilchen und Antiteilchen beim Aufeinandertreffen zu reiner Energie vernichten, hätte aus dem dichten Gedränge des Urfeuers eine Welt ohne Materie hervorgehen müssen. Durchflutet von Licht - und ohne Menschen. Dies ist offensichtlich nicht der Fall. Heutzutage ist die Materie in der Überzahl. Was steckt dahinter? Es wird vermutet, dass die "CP-Verletzung" - ein feiner Unterschied zwischen Materie und Antimaterie - ihre Finger im Spiel hat. In Japan und in den USA sind Experimente im Gange, die dieses Phänomen anhand künstlich erzeugter Zwillingspaare aus Teilchen und Antiteilchen unter die Lupe nehmen. Vom Stand der Forschung wird in Aachen berichtet.

Untersuchungen an Anti-Wasserstoff, dem Gegenstück des Wasserstoffs, stehen ebenfalls auf dem Tagungsprogramm. Am Genfer Teilchenlabor CERN ist es kürzlich gelungen, solche Anti-Atome in größerer Stückzahl zu produzieren. Gemäß Theorie besitzen Anti-Wasserstoff und gewöhnlicher Wasserstoff im Grunde genommen identische Eigenschaften. Ob dies zutrifft, wird sich nun zeigen.

Viele Einblicke in die Welt der Elementarteilchen verdanken wir Experimenten mit Beschleunigern, bei denen die mitunter kurzlebigen Partikel künstlich hergestellt werden. Seit einigen Jahren blickt die Teilchenphysik jedoch immer häufiger gen Himmel. Denn aus den Tiefen des Alls erreichen uns manche Teilchen, die so energiereich sind, dass keine irdische Teilchenschleuder mithalten kann. Als Ursprung dieser Teilchenschauer sind unter anderem Schwarze Löcher im Gespräch. Zum Glück für das Leben auf unserem Planeten wird der überwiegende Teil der "kosmischen Strahlung" von der Atmosphäre zurückgehalten. Strahlungsreste können allerdings auch am Erdboden aufgezeichnet werden, wofür weltweit mehrere Oberservatorien in Betrieb sind. Beobachtungsposten sind unter anderem in der argentinischen Pampa, auf den Kanaren, aber auch im heimischen Karlsruhe zu finden. Selbst die internationale Raumstation ist als Messstation vorgesehen. Die Astro-Teilchenphysik ist ein weiterer Schwerpunkt des Aachener Tagungsprogramms.

Dr. Marcus Neitzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.dpg-physik.de/presse/term.htm
http://www.dpg-tagungen.de/prog
http://dpg2003.physik.rwth-aachen.de

Weitere Berichte zu: Materie Neutrino Urknall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht 15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“
22.01.2018 | BusinessForum21

nachricht Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation
22.01.2018 | Hochschule Niederrhein - University of Applied Sciences

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics