Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Symposium über molekulare Mechanismen des Proteintransports in der Zelle

11.12.2002


Zum 65. Geburtstag von Prof. Dieter Gallwitz, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen und Leiter der Abteilung Molekulare Genetik, fand letzte Woche ein internationales Symposium statt, das von Prof. Reinhard Jahn, Prof. Erwin Neher und Prof. Kurt von Figura organisiert wurde. Ein Höhepunkt war die "Dieter Gallwitz Lecture" von Prof. Kai Simons, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden.



Verdiente Wissenschaftler werden häufig zu ihrer Emeritierung mit einem besonderen wissenschaftlichen Symposium geehrt. Aus diesem Anlass kommen dann ehemalige Kolleginnen und Kollegen - und vielleicht sogar Konkurrenten - des zukünftigen Ruheständlers aus aller Welt und berichten über verschiedene Facetten des gemeinsamen Forschungsgebietes. Von Ruhestand kann bei Dieter Gallwitz aber keine Rede sein. Mit Rücksicht auf die Einbindung von zwei Direktorenkollegen am Institut in die Belange der Max-Planck-Gesellschaft - Prof. Peter Gruss ist als Präsident nach München gegangen, Prof. Herbert Jäckle ist Vizepräsident und ebenfalls oft unterwegs - hat er sich bereit erklärt, für 2003 und 2004 die Funktion des Geschäftsführenden Direktors am Institut zu übernehmen und die Emeritierung noch einige Jahre hinauszuschieben. So wurde die geplante Veranstaltung kurzerhand zu einem Fest zum 65. Geburtstag von Dieter Gallwitz umgewidmet.

... mehr zu:
»Proteintransport


Das Thema des "Transport Meetings" waren keineswegs verkehrstechnische Probleme, sondern es ging um den Transport von Proteinen und Membranen in der Zelle - ein Forschungsfeld, mit dem sich Dieter Gallwitz seit vielen Jahren sehr intensiv beschäftigt. Die 29 geladenen Sprecher berichteten über neue Erkenntnisse, wie Proteine - hauptsächlich solche, die in Zellmembranen eingebettet oder durch Zellmembranen umschlossen sind - ihre richtigen Bestimmungsorte in der Zelle finden. Dies ist kein einfaches Problem, wenn man bedenkt, wieviele Membran-umschlossene Organellen es beispielsweise bei menschlichen Zellen gibt und wieviele Krankheiten sich auf fehlerhafte zelluläre Transportvorgänge zurückführen lassen. Eines der Lieblingsobjekte der "Transport"-Forscher ist ein einzelliger Pilz, die Bäcker-, Bier- oder Wein-Hefe Saccharomyces cerevisiae. Dieser unscheinbare Organismus ist seit vielen Jahren auch das Studienobjekt von Dieter Gallwitz und seinen Mitarbeitern. Wie das Symposium letzte Woche zeigte, lassen sich viele Erkenntnisse, die an diesem Modellorganismus gewonnen wurden, auf menschliche Zellen übertragen.

Die meisten Beiträge des Meetings beschäftigten sich mit der scheinbar einfachen Frage, wie Proteine in der Zelle entscheiden, ob sie sich nach Ort X oder nach Ort Y bewegen oder gegebenenfalls an Ort und Stelle verweilen. Bei Proteinen, die von der Zelloberfläche aus ins Innere der Zelle wandern, bedeutet das oft eine Entscheidung darüber, ob sie im Lysosom abgebaut werden oder ob sie wiederverwendet, also recycelt, werden sollen. Wenn es sich bei den aufgenommenen Proteinen um Rezeptoren für Wachstumsfaktoren handelt, ist leicht einzusehen, dass Fehler bei diesen Entscheidungen sich für den ganzen Organismus dramatisch auswirken können - im extremen Fall kann ein Tumor entstehen. Wie an einem Fließband stehen dort, wo eine Entscheidung über Weg X oder Y getroffen werden muss, komplizierte molekulare Apparate bereit. Sie kontrollieren den Ablauf oder bewirken aktiv das Sortieren der Proteine. Wie das Symposium zeigte, ist das oft ein Vorgang, der in mehreren Schritten abläuft, und bei dem viele molekulare Zahnränder ineinander greifen. Da viele der Proteine, die sortiert werden müssen, fest in der Membran verankert oder von ihr umschlossen sind, muss die Sortierungsmaschinerie auch mit den Lipiden, dem Grundgerüst der Membranen in Wechselwirkung treten - ein weiteres wichtiges Thema des Meetings.

Der bedeutendste Beitrag des Jubilars Dieter Gallwitz zum Thema "Transport in der Zelle" war 1983 die Entdeckung des ersten molekulares Schalters, der im Proteintransport eine Rolle spielt. In seiner Laudatio verwies der Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Herbert Jäckle, aber auch auf die vielfältigen anderen Leistungen hin, die dieser Entdeckung vorausgingen oder ihr anschließend folgten. Welche grundlegende Bedeutung zum Beispiel die frühen Arbeiten von Dieter Gallwitz über die Modifizierung der Histone haben, wird erst heute nach 30 Jahren klar. Auch die vielen verschiedenen Stationen seiner Laufbahn im In- und Ausland sind bemerkenswert. Nach seiner Promotion in Humanmedizin an der Universität Frankfurt/Main ging Gallwitz zunächst an die Universität Marburg und von dort für zwei Jahre an die University of Wisconsin in Madison (USA). Nach seiner Rückkehr und 1970 der Habilitation in Marburg lehrte er dort von 1972 bis 1986 als Professor für Physiologische Chemie. 1977 war Gallwitz Gastprofessor an der University of California in San Francisco, und seit 1986 ist er Direktor und Abteilungsleiter am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen.

Die Sprecher des Symposiums kamen aus USA, Japan und ganz Europa; auch mehrere Göttinger Wissenschaftler waren unter den Vortragenden. Die Zusammensetzung war durchaus als "hochkarätig" zu bezeichnen, wie die große Zahl von über 350 Teilnehmern beweist, die den Hörsaal im "MPI am Fassberg" bis zum letzten Platz füllten. Das lag einerseits am hohen Ansehen des Jubilars, es verdeutlicht aber auch die große Bedeutung von Göttingen als Standort für die molekulare "Transport"-Forschung.


weitere Informationen von:

Dr. Hans Dieter Schmitt
MPI biophysikalische Chemie
Abt. Molekulare Genetik
37070 Göttingen
Tel. 0551 201 1713
Fax: 0551 201 1718
E-Mail: hschmit@gwdg.de

Dr. Christoph R. Nothdurft | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpibpc.mpg.de/abteilungen/150
http://www.mpibpc.mpg.de/PR/02_13

Weitere Berichte zu: Proteintransport

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni
24.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet
24.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten