Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit künstlicher Beatmung den Operationserfolg erhöhen

13.09.2002


Anästhesie-Symposium findet am 20. September an der Universität Jena statt

Einladung zur Pressekonferenz am 19. September, 17.30 Uhr

Beständig verbesserte Operationstechniken sollen Ärzten und Patienten dabei helfen, dass Eingriffe immer besser und komplikationsloser verlaufen. Die Beatmung in Narkose kann einen wichtigen Beitrag zu diesen Verbesserungen leisten. Neue Beatmungsmethoden werden auf ihre Wirksamkeit bei diagnostischen und therapeutischen Eingriffen geprüft. Eine beständig weiterentwickelte Technik ist die Jetventilation, von der verschiedene Varianten bestehen. Ihr ist am 20. September das internationale Symposium "Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Jetventilation" an der Universität Jena gewidmet, das Dr. Reiner Gottschall von der Uni-Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie organisiert. Dazu werden ca. 80 Teilnehmer aus mehreren europäischen Ländern, dem Nahen Osten, Asien sowie Nordamerika erwartet.

"Der Anästhesist muss zu jedem Narkose-Eingriff neben dem geeigneten Schmerzausschaltungsverfahren eine für Patient und Operateur vorteilhafte Beatmungstechnik wählen", erklärt Oberarzt Gottschall. In der Öffentlichkeit bekannt ist vor allem das Verfahren, bei dem der Patient mit Überdruck durch einen in die Atemwege geführten Schlauch beatmet wird. "Es gibt Situationen, in denen der Beatmungsschlauch den Operateur behindern würde", weiß Dr. Gottschall. Wenn beispielsweise bei einer endoskopischen Kehlkopf-Operation Platz und Übersicht benötigt werden, greifen die erfahrenen Jenaer Anästhesisten zur Jetventilation. "Die Jetventilation ist eine spezielle Form künstlicher Narkose-Beatmung, bei der ein Sauerstoff-Luft-Gemisch unter hohem Druck und in kurzer Impulsfolge, dem so genannten Jet, durch eine enge Düse bzw. einen dünnen Katheter in die Atemwege geleitet wird", erläutert Gottschall. Neben dem Raumgewinn für den Operateur ermöglicht es die Jetventilation z. B., unerwünschte Lungenbewegungen während der Beatmung zu minimieren, ohne den Gaswechsel zu gefährden, was v. a. in der Lungen- und der Thoraxchirurgie bedeutsam sein kann. "Die Jetventilation ist deshalb auch ein effektives und sicheres Verfahren", ist sich Gottschall sicher, "wenn von Kindern eingeatmete Gegenstände schonend entfernt werden müssen". Haupteinsatzfeld der Jetventilation ist traditionell die Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, wo etwa 5 % der Narkosebeatmungen per Jetventilation durchführbar sind.

Allerdings ist sich der Mediziner von der Friedrich-Schiller-Universität auch bewusst, dass es Nebeneffekte geben kann, die einen Einsatz der Jetventilation nicht bei jeder Operation ratsam erscheinen lassen. Probleme existieren derzeit etwa noch dabei, die Beatmungseffektivität permanent zu kontrollieren, da der Gaswechsel beim offenen System der Jetventilation nicht einfach zu ermitteln ist. Ein neuer Ohrclip-Sensor, der vor der Markteinführung steht, soll dieses Problem lösen. Er wird ebenso während des Jenaer Symposiums präsentiert wie neuartige Jet-Katheter. Darüber hinaus erwarten die Veranstalter von den elf Referenten aus ganz Europa und den USA aktuelle Forschungsergebnisse. Die Jenaer Anästhesisten können selber neue Erkenntnisse zur Anwendung der Jetventilation u. a. bei Kehlkopfspiegelung und starrer Bronchoskopie beisteuern, wobei der Schwerpunkt auf der Überwachung des Beatmungseffektes durch die Analyse der Ausatemluft liegt.

Die starke Jenaer Stellung in diesem Bereich ist nicht zufällig. Bereits seit 1978 wird am Uni-Klinikum Jetventilation praktiziert, erforscht sowie durch gerätetechnische Innovationen weiterentwickelt. Prof. Dr. Uwe Klein, der jüngst in leitende Position ans Südharzkrankenhaus Nordhausen wechselte, "gehört zu den Jenaer Pionieren dieses sehr anspruchsvollen Verfahrens", betont Dr. Gottschall und freut sich, seinen ehemaligen Kollegen als Referenten begrüßen zu können. Klein und Gottschall haben auch an einem Novum mitgewirkt. Gemeinsam mit Kollegen aus Zürich und Heidelberg ist in mehr als einjähriger Arbeit ein 26-minütiges Lehr-Video entstanden. Das kürzlich erschienene zweisprachige Video, das es auch als CD-ROM gibt, ist weltweit das erste über die Jetventilation.

Im Rahmen des Symposiums findet auch die 2. Jahresversammlung der Europäischen Gesellschaft für Jetventilation (ESJV) statt, die vor zwei Jahren in Paris gegründet wurde. Eine Industriepräsentation, ein Workshop sowie eine öffentliche "historische" Ausstellung zur Jetventilation in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (Bibliotheksplatz 2) runden die Veranstaltung ab.

Kontakt:
OA Dr. Reiner Gottschall, Dr. Dorit Dirlam
Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie der Uni Jena
Bachstr. 18, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 933307
Fax: 03641 / 933448
E-Mail: Dorit.Dirlam@med.uni-jena.de

 

Axel Burchardt | idw

Weitere Berichte zu: Anästhesist

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur
21.07.2017 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

nachricht Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien
21.07.2017 | Cofresco Forum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten