Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magnetische Resonanz in porösen Medien

03.09.2002


Ein internationaler Kongress auf dem Oberen Eselsberg

Vom 8. bis 12. September 2002 findet an der Universität Ulm auf dem Oberen Eselsberg die Sixth International Conference on Magnetic Resonance in Porous Media statt. Das Thema klingt exotisch. Gleichwohl werden 200 Teilnehmer aus 25 Ländern und 5 Kontinenten erwartet, rund zur Hälfte aus der Industrie oder industrienahen Forschungsinstituten, zur anderen Hälfte aus der Grundlagenforschung des rein akademischen Bereichs.

Das Themenfeld hat große praktische Bedeutung. Poröse Medien bzw. Materialien sind bei genauerer Betrachtung allgegenwärtig. Man mag zunächst an Schwämme oder poröses Gestein denken. Es geht aber auch um ganz alltägliche Dinge wie Baustoffe, Textilien, Verpackungsmaterialien, ja im Wortsinn ganz hautnah um biologisches Gewebe wie die Haut selbst, oder um Knochen, deren fehlerhafte Porenstruktur zum Beispiel bei Osteoporose-Patienten zum Problem wird. Auch das aktuelle Tagesgeschehen in Gestalt der Flutkatastrophe spielt hier hinein: Warum halten ein Damm oder eine Sandbarriere nur eine begrenzte Zeit dem Wasserdruck der hohen Pegel stand und neigen dann plötzlich dazu, zu lecken, zu "fließen", um schließlich die mechanische Stabilität ganz zu verlieren? Der Fachmann spricht hier von "granularen Systemen", die ebenfalls unter den Oberbegriff der porösen Medien fallen und Gegenstand von rund einem Drittel der Referate des Ulmer Kongresses sein werden. Mit dem komplexen Aufbau, der diesen Materialien und Systemen gemeinsam ist, verbindet sich eine vergleichsweise riesige innere Oberfläche, die verschiedensten Molekülen Gelegenheit zu Wechselwirkungen und chemischen Reaktionen bietet. Man denke nur an den wohlbekannten Katalysator in Kraftfahrzeugen, der durch seine poröse Struktur erst in die Lage versetzt wird, Abgase fast vollständig in ungiftige Verbindungen umzuwandeln.

Gegenstand der Diskussionen sind also die Erfassung und Charakterisierung der porösen Struktur von Materialien, der Transport von Flüssigkeiten und Gasen durch solche porös aufgebauten Aggregate sowie die chemische und physikalische Wechselwirkung von Molekülen an inneren Oberflächen. Ein Höchstmaß an mathematischer Abstraktheit in der Theorie und der Einsatz neuester Technologien im Experiment sind für die Gewinnung der gewünschten Erkenntnisse gleichermaßen erforderlich. Damit ist die Magnetische Resonanz bzw. ihre messtechnische Nutzung angesprochen, ein Oberbegriff für Meßmethoden, die alle auf demselben physikalischen Phänomen beruhen und in der Öffentlichkeit insbesondere durch die medizinische Anwendung in Form der Kernspin- oder Magnetresonanz-Tomographie bekannt geworden sind. Das Potential dieser aktuellen Technologie eignet sich hervorragend nicht nur dazu, in das Innere eines Menschen zu "schauen", sondern auch um komplexe Materialien und die darin ablaufenden physikalischen und chemischen Vorgänge zu studieren. So werden beispielsweise Sonden, die mit diesem messtechnischen Prinzip arbeiten, in viele hundert Meter tiefe Bohrlöcher hinabgelassen, um dort erdölhaltige Gesteinsformationen aufzuspüren. Es ist vorgesehen, daß auch Vertreter dieser Anwendung in Ulm vortragen.

An der Universität Ulm werden poröse Materialien und Modellsysteme in der Sektion Kernresonanzspektroskopie unter Leitung von Prof. Dr. Rainer Kimmich mit Hilfe von magnetischen Resonanzmethoden untersucht. Das Ulmer Forschungsprogramm hat sein eigenes spezifisches Gesicht und in dieser Form keine Parallelen. Zehn Beiträge unter dem komplexen Motto "Struktur, Transport und Funktion" werden allein von dieser Arbeitsgruppe und ihren Kooperationspartnern vorgestellt. Erstmals wird zum Beispiel gezeigt, wie elektrische Strompfade durch ein Porennetzwerk, ein sogenanntes Perkolationsnetz, experimentell visualisiert werden können. In Ulm ist es auch gelungen, mit der Finite-Elemente-Methode und anderen Computersimulationsmethoden die experimentellen Befunde zum Fließen von Flüssigkeiten, zum elektrischen Stromfluss, zur Temperaturverteilung und zur Diffusion in porösen Medien nahezu deckungsgleich nachzubilden.

Peter Pietschmann | idw

Weitere Berichte zu: Wechselwirkung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge
17.01.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau