Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entstehen Allergien schon im Mutterleib?

02.09.2002


Kongress in Weimar diskutiert vom 7.-10. September "Schwangerschaft und Immunsystem"

Die Nase läuft, der Atem pfeift, die Augen jucken - immer mehr Menschen leiden an Allergien. Warum ihr Körper plötzlich überempfindlich auf harmlose Stoffe wie Pollen, Tierhaare oder Obst reagiert, ist noch immer nicht vollständig geklärt. Als Gründe sind erbliche Faktoren und Umwelteinflüsse im Gespräch. Eine neue Erklärung werden Forscher auf dem Kongress der Alps Adria Society for Immunology of Reproduction (AASIR) diskutieren, der vom 7.-10. September in Weimar stattfindet: Ob ein Mensch irgendwann in seinem Leben eine Allergie entwickelt, scheint sich oft bereits im Mutterleib zu entscheiden.

"Schon früher ist aufgefallen, dass es bei Allergikern häufiger die Mütter als die Väter sind, die ebenfalls eine Allergie hatten - und das spricht gegen eine reine Vererbungs-These", erklärt Dr. Udo Markert. Der Immunologe von der Friedrich-Schiller-Universität Jena leitet die internationale Tagung zum Thema Immunsystem und Schwangerschaft, zu der rund 150 Teilnehmer erwartet werden. Die Beobachtung der Mütterallergien brachte Immun-Forscher auf die Idee, dass eine Allergie-Anfälligkeit während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Ungeborene übertragen werden könnte. Inzwischen festigen sich die Erkenntnisse: Wenn die Mutter in der Schwangerschaft allergisch auf bestimmte Stoffe reagiert, bekommt auch der Embryo etwas davon mit: "Über den Organismus der Mutter wird das Ungeborene mit den Substanzen konfrontiert, die eine Allergie auslösen. Botenstoffe aus dem mütterlichen Immunsystem legen dabei die Grundlage dafür, dass das Kind mit einer erhöhten Anfälligkeit für allergische Reize zur Welt kommt", fasst der Jenaer Wissenschaftler die Ergebnisse der aktuellen Allergie-Forschung zusammen.

Wie Allergien im Mutterleib entstehen, ist jedoch nur eines von vielen Themen, die auf dem Kongress zur Sprache kommen werden. "Der Einfluss des Immunsystems auf die Schwangerschaft ist erst ansatzweise bekannt", betont Markert die Notwendigkeit weiterer Grundlagenforschung auf diesem Gebiet. Auf zahlreiche offene medizinische Fragen erwartet er von den Tagungsbeiträgen anwendungsbezogene Antworten: "Wenn wir zum Beispiel erst einmal genau verstehen, welche Rolle das Immunsystem der Schwangeren bei einem bestimmten Typ von Fehlgeburten spielt, werden wir auch lernen, wie wir solche Fehlgeburten verhindern können", ist der 38-jährige Arzt überzeugt.

Markert leitet an der Friedrich-Schiller-Universität seit einem Jahr ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Forschungsprojekt zur Immunregulation während der Schwangerschaft. Mit diesem und einem weiteren Projekt, das bereits seit drei Jahren vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, ist die Universität Jena eine der wenigen deutschen Hochschulen mit einem Forschungsschwerpunkt Schwangerschafts-Immunologie.

Kontakt:
Dr. Udo Markert

... mehr zu:
»Immunsystem

Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Jena
Plazentalabor
Bachstr. 18, 07743 Jena

Tel.: 03641 / 933763
Fax: 03641 / 933764
E-Mail: aasir@med.uni-jena.de

Axel Burchardt | idw

Weitere Berichte zu: Immunsystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von Batterieforschung bis Optoelektronik
23.06.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht 10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge
22.06.2017 | Haus der Technik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften