Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lebensqualität für Kehlkopflose - gemeinsames Anliegen von HNO-Ärzten, Psychologen und Onkologen

20.08.2002


Auf der 11. Jahrestagung der Vereinigung Mitteldeutscher Hals-Nasen-Ohrenärzte vom 6. bis 7. September 2002 in Leipzig ist die onkologische Rehabilitation und Nachsorge eines der Hauptthemen. Prof. Dr. Friedrich, Bootz, Direktor der Klinik und Poliklinik für HNO-Heilkunde/Plastische Operationen der Universität Leipzig und Tagungspräsident, will die Veranstaltung auch zur kritischen Einschätzung moderner Technologien in der Hals-, Nasen- Ohrenheilkunde nutzen.

Die Behandlung von bösartigen Tumoren im Hals-, Nasen-, Ohrenbereich hat häufig Folgen, die das Alltagsleben der Betroffenen schmerzlich beeinflussen. Patienten z. B., denen der Kehlkopf entfernt werden musste, sehen sich nicht nur mit der bedrohlichen Diagnose "Krebs" konfrontiert, sondern gleichzeitig mit dem Verlust ihrer Stimme. Ihre Atmung kann nicht mehr durch die Nase und / oder den Mund erfolgen, sondern durch eine Halsöffnung (Tracheostoma), die der Arzt künstlich anlegen muss.

"Was dann folgt ist ein Teufelskreis", erklärt Prof. Schwarz, Leiter der selbständigen Abteilung für Sozialmedizin und Chef der Tumorberatungsstelle der Universität Leipzig. "Viele Patienten leiden darunter, dass sie häufig gar nicht mehr selbst angesprochen werden, sondern nur noch ihre Ehepartner, dass man sie regelrecht übergeht." Das habe nichts mit Böswilligkeit zu tun, eher mit Gedankenlosigkeit oder Hilflosigkeit. Folge davon ist eine soziale Ausgrenzung der Betroffenen. Zu den organischen Defiziten kommen soziale und psychische Probleme.

Deshalb ist Kommunikation außerordentlich wichtig für die Wiedereingliederung in den Alltag. Der Betroffene soll in die Lage versetzt werden, wieder allein Kontakt aufzunehmen und zu halten. Voraussetzung dafür ist die Ausbildung einer Ersatzstimme, der sogenannten Oesophagus-Stimme (benannt nach dem medizinischen Fachbegriff für die Speiseröhre), die man mit Hilfe eines Logopäden erlernen kann. Das ist schwierig und kann sehr langwierig sein, doch es gelingt meist mit Ausdauer und Unterstützung durch das soziale Umfeld. Denn die neue Sprache klingt anders als die normale, sie ist tiefer und knarrender, so dass bei einigen Patienten eine gewisse Hemmung besteht, sie zu gebrauchen, wenn Ermutigung fehlt. Gelingt einem Patienten das Erlernen dieser Sprache gar nicht, hält die moderne Medizin auch andere Methoden vor, die aber auch nicht ohne Schwierigkeiten zu meistern sind.

Zur Zeit läuft eine gemeinsame Studie der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen Ohrenheilkunde/Plastische Operationen und der Selbständigen Abteilung für Sozialmedizin, die einen Vergleich der Lebensqualität von Patienten nach einer Kehlkopfentfernung mit der der Allgemeinbevölkerung möglich machen soll. Dazu wurden alle Betroffenen, die an der Uniklinik Leipzig und am Krankenhaus Dresden Friedrichstadt zwischen 1990 und 2001 operiert worden sind, angeschrieben und um ein persönliches Gespräch gebeten. Die Befragung fand im häuslichen Umfeld der Patienten statt. Parallel dazu wurde eine bundesweite repräsentative Befragung ganz verschiedener Bevölkerungsgruppen und Personen durchgeführt. Hinsichtlich der erreichten Sprechqualität ist eine weitere Untersuchung notwendig, die gegenwärtig in Zusammenarbeit mit mehreren HNO- und Rehakliniken sachsenweit durchgeführt wird. Wir werden zu gegebener Zeit darüber berichten.

Eine große Hilfe für die Patienten ist immer wieder die Psychosoziale Beratungsstelle für Tumorpatienten und ihre Angehörigen, die in vielerlei Hinsicht Unterstützung gewährt. Sie berät bei seelischen und sozialen Belastungen durch die Erkrankung und bei sozial- und versicherungsrechtlichen Fragen (Rehabilitation, Hilfsmittelversorgung, Fragen zur Berentung). Gern angenommen werden auch die psychotherapeutischen Gespräche an und die Vermittlung von notwendigen Kontakten zu Selbsthilfegruppen und anderen Organisationen. Die Mitarbeiter besuchen die Patienten auch im Krankenhaus oder zu Hause. Die entsprechende Telefonnummer lautet: 0341-9715407.

weitere Informationen:
Prof. Dr. Friedrich Bootz


Telefon: 0341 97 21 700
E-Mail: boof@medizin.uni-leipzig.de

Prof. Dr. Reinhold Schwarz
Telefon: 0341 97 15 407 
E-Mail:liebb@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~hno/hno2002/
http://www.uni-leipzig.de/~ifas/beratung/home.html

Weitere Berichte zu: Lebensqualität Sozialmedizin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW
08.12.2016 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht NRW Nano-Konferenz in Münster
07.12.2016 | Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie