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Interview mit dem Bundespräsidenten zur "Woche der Umwelt"

21.05.2002


Technik und Forschung im Blick

"Umweltschutz ist kein Modethema, sondern ein nach wie vor modernes Thema. Umwelttechnik auf höchstem Niveau kann helfen, unsere natürlichen Lebensgrundlagen auf Dauer zu erhalten, neue Arbeitsplätze zu schaffen und bestehende zu sichern. Das möchte ich auch mit der ’Woche der Umwelt’ zeigen." - Mit diesen Worten umreißt Bundespräsident Johannes Rau seine Motivation, erstmals mit einer eigenen Veranstaltung im Park des Schlosses Bellevue in Berlin für den innovativen Umweltschutz eine Lanze zu brechen. Organisiert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) werden 160 Aussteller 10.000 geladenen Gästen am 3./4. Juni in einer zweitägigen Schau deutsche Spitzen-Umwelttechnik und -forschung präsentieren und in über 40 hochkarätig besetzten Einzelveranstaltungen ihre Bedeutung für dieses Land diskutieren.

In einem Interview mit der größten Umweltstiftung Europas, das morgen in deren Informationsdienst "DBU aktuell" veröffentlicht wird, betont Deutschlands Staatsoberhaupt die globale Bedeutung des Themas. Die Welt-Umweltkonferenz von Rio 1992 sei ein wichtiger Meilenstein im internationalen Umweltschutz gewesen. Im Herbst dieses Jahres finde in Johannesburg der Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung statt. In den zehn Jahren sei manches erreicht worden. Rau: "Die globalen Umweltgefahren, wie Klimaveränderungen, Bodenerosion und Versteppung, Mangel an trinkbarem Wasser, abnehmende Vielfalt von Fauna und Flora sind aber noch lange nicht gebannt. In der öffentlichen Diskussion hat die Arbeitslosigkeit inzwischen fast alle anderen Themen in den Hintergrund gedrängt. Umweltschutz ist aber keineswegs zweitrangig."

Deutschland sei in Sachen Umwelttechnik international in einer sehr guten Position. Viele Schlüsseltechnologien seien in Deutschland entwickelt, hergestellt, eingesetzt und weltweit verkauft worden. Rau: "Da haben wir gegenüber anderen Staaten Vorteile. Die sollten wir nicht verspielen." In der Vergangenheit sei die Diskussion über Arbeit und Umwelt häufig sehr defensiv geführt worden. Es habe lange gebraucht bis zu der Erkenntnis, dass auf Dauer ökonomisch nur vernünftig sein könne, was ökologisch verantwortbar sei.

Darum solle die Leistungsschau im Schlosspark Bellevue auch zeigen, dass Umweltschutz nicht in erster Linie ein Kostenfaktor sei, sondern ein wachsender, interessanter Markt und ein zunehmend wichtiger werdender Standortfaktor. Rau: "Unternehmen mit ausgewiesener Umweltkompetenz werden als Arbeitgeber immer beliebter und haben im Wettbewerb um begehrte Fachleute Vorteile. Die Menschen wollen in einer intakten Umgebung leben und arbeiten. Auch darum brauchen wir mehr Produkte und Produktionsmethoden, die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit verbinden."

Eine solche Fachausstellung im Park des Schlosses Bellevue habe es noch nicht gegeben. "Das hat schon einen eigenen Reiz, und ich glaube auch nicht, dass sich das so schnell wiederholen lässt", so Johannes Rau. Den etwas außergewöhnlichen Ort halte er aber für angemessen, weil es hier um ein besonders wichtiges Thema gehe. Das Interesse bei Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sei von Anfang an sehr groß gewesen. Gemeinsam mit der DBU habe er jetzt rund 160 Aussteller zu fünf Themenbereichen gewinnen können. Rau: "Wir hätten gut und gern auch doppelt so viele interessante Projekte und Firmen präsentieren können. Wegen der begrenzten Parkfläche war das aber leider nicht möglich. Schließlich muss ja auch noch ein wenig Platz bleiben für die vielen Diskussionsforen und nicht zuletzt für die Besucher."

Den Termin habe er natürlich mit Blick auf die Johannesburg-Konferenz im Herbst gewählt. Rau: "Es wäre gut, wenn wir in den kommenden Monaten wieder eine ähnlich hohe Sensibilität für Umweltfragen erreichen könnten, wie es sie vor und unmittelbar nach der Rio-Konferenz gab." Von den hochkarätig besetzten Diskussionsforen erwarte er sich interessante Impulse für die Richtung, die einzuschlagen sei beim Gewässerschutz, bei der integrierten Umwelttechnik, im Energiebereich, bei der Mobilität, bei den Stoffkreisläufen und natürlich in der internationalen Umweltpolitik. Das werde eine "spannende Veranstaltung" werden. Rau: "Bei der derzeitigen Wirtschaftslage ist das schwierig, aber wenn ich das schon jetzt große Medieninteresse sehe, dann bin ich doch recht zuversichtlich."

Zielgruppe für die Veranstaltung sind Multiplikatoren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft - insbesondere aus kleinen und mittleren Unternehmen -, Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen sowie Schüler und Hochschüler. Die Veranstaltung will nicht Messe im klassischen Sinn sein, bei der die einzelnen Firmen im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Sie will eine Präsentationsplattform für die gemeinsame Überzeugung bieten, dass Umweltschutz viele positive, insbesondere auch wirtschaftliche Möglichkeiten schafft.

Franz-Georg Elpers | ots
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

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