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Schizophrenie und Prestin

14.05.2002


Attempto-Preise 2002 für neue Erkenntnisse in der Neurobiologie


Am 14. Mai 2002 werden auch in diesem Jahr wieder im Rahmen der Mitgliederversammlung der Vereinigung der Freunde der Universität Tübingen e.V. (Universitätsbund) um 15 Uhr im Großen Senat die Attempto-Preise 2002 verliehen. Die jeweils mit 7500 Euro dotierten Preise für wichtige Fortschritte auf dem Gebiet der Neurologie gehen an den Neurologen Dr. Tilo Kircher und an den Physiologen Dr. Dominik Oliver (Physiologisches Institut). Die Preise werden seit 1983 von der "Attempto-Stiftung zur Förderung der Forschung an der Universität Tübingen an junge Wissenschaftler/innen verliehen. Ins Leben gerufen wurde die Stiftung vom Ehepaar Maria-Dorothea und Konrad Ernst.

Dr. Dominik Oliver (32) ist am Physiologischen Institut der Universität Freiburg beschäftigt und hat in seiner in ´Science´ veröffentlichten Arbeit ganz wesentlich zur Aufklärung der molekularen Grundlagen des Hörens beigetragen. Die hohe Empfindlichkeit des menschlichen Ohres beruht auf einem aktiven mechanischen Verstärkungsmechanismus, der durch ein sogenanntes Motorprotein (Prestin genannt) hervorgerufen wird. Prestin befindet sich in der Zellmembran bestimmter Sinneszellen im Innenohr und setzt elektrische Spannungsänderungen in Bewegungen der Zelle um. Diese Bewegungen verstärken ihrerseits den eintreffenden Schall. Dr. Oliver konnte nun zeigen, dass dieser Prozess auf der Wechselwirkung von Prestin mit negativ geladenen Ionen beruht, die in der Sinneszelle enthalten sind.


Dr. Tilo Kircher (37) arbeitet in der Universitätsklinik für Psychiatrie und beschreibt in der angesehensten fachpsychiatrischen Zeitschrift (Arch Gen Phychiatry) den Ort an dem die Sprachstörung bei Schizophreniekranken entsteht. Sie ist das einzige vererbbare Symptom der vielfältigen Symptome der Schizophrenie, einer Erkrankung, deren biologische Grundlagen bisher nicht verstanden sind. Zwar liegt bei Schizophreniekranken - anders als bei Schlaganfall- oder Tumorpatienten mit denselben Symptomen - keine Läsion als Ursache für die Störung der Sprache vor. Mit Hilfe funktioneller Kernspintomografie konnte Kircher aber nachweisen, dass die funktionelle Aktivierung von Sprachrepräsentationen im Wernicke-Areal dann ganz schwach ist, wenn die Sprachstörung am Stärksten ist. Exakt diese Region ist bei Patienten, die aufgrund eines Schlaganfalls oder Gehirntumors an ähnlichen Sprachstörungen leiden, ebenfalls betroffen.

Michael Seifert | idw

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