Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Endlagerung radioaktiver Abfälle in nichtsalinaren Gesteinsformationen

05.04.2002


Workshop des Projektträgers Wassertechnologie und Entsorgung (PtWT+E)im Forschungszentrum Karlsruhe

Den aktuellen Stand der deutschen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Entsorgung radioaktiver Abfälle in nichtsalinaren, tiefen geologischen Formationen referieren und diskutieren mehr als 130 Fachleute aus Wissenschaft, Behörden und Industrie am 8. und 9. April 2002 im Forschungszentrum Karlsruhe. Den Bedarf zukünftiger deutscher grundlagenorientierter Forschungsaktivitäten in den Wirtsgesteinen Granit und Ton zu identifizieren ist wesentliches Ziel dieses Workshops, zu dem der Projektträger des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) für Wassertechnologie und Entsorgung (PtWT+E) eingeladen hat.

Weltweit besteht Konsens darüber, dass eine sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle nur in tiefen geologischen Gesteinsformationen erfolgen kann, wenn man eine Gefährdung sowohl heute lebender als auch zukünftiger Generationen ausschließen will. Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse und gesichertes Datenmaterial zur Beurteilung des Langzeitverhaltens und der Langzeitsicherheit sind dabei Voraussetzung für technische Lösungen.

Bis zum Jahre 1998 verfolgte die Politik in Deutschland die Endlagerung hochaktiver, wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle ausschließlich in Steinsalzformationen. Dementsprechend hat die Forschung zu diesem Endlagerwirtsgestein in den vergangenen Jahrzehnten beträchtliches Know-how angesammelt. In der laufenden Legislaturperiode hat die Bundesregierung Zweifel an der Eignung des Wirtsgesteins Salz geäußert und bis zur Klärung konzeptioneller und sicherheitlicher Fragen für den bis dahin geplanten Standort Gorleben ein Moratorium verfügt, während dessen auch andere Wirtsgesteinsformationen auf ihre Eignung zu untersuchen sind.

Da mit dem Ziel der Vervollständigung des Kenntnisstandes in Deutschland schon seit längerer Zeit im Rahmen öffentlich geförderter FuE-Projekte auch andere geologische Formationen als Salz im Hinblick auf ihre Eignung als potenzielle Wirtsgesteine untersucht wurden, insbesondere im Rahmen internationaler wissenschaftlich-technischer Zusammenarbeit, bedeutete dies für die Wissenschaft keinen Neuanfang, sondern lediglich eine Verlagerung der Schwerpunkte in der Endlagerforschung.

In mehreren Ländern werden seit über 30 Jahren Forschungsarbeiten in Hartgestein als Endlagerwirtsgestein durchgeführt. Ein wesentlicher Teil der Arbeiten erfolgt im Rahmen von In-situ-Untersuchungen in Untertagelabors. Deutsche FuE-Institutionen arbeiten vor allem im schweizerischen Felslabor Grimsel (FLG) (seit 1983) und im schwedischen Hard Rock Laboratory (HRL) Äspö (seit 1995) mit.

Ton und Tonstein werden seit Mitte der 70er Jahre im Hinblick auf ihre Eignung als Wirtsgestein für Endlager für radioaktive Abfälle untersucht, zunächst vor allem in Belgien in der Underground Research Facility (URF) HADES und seit 1996 im Mont Terri-Tunnel im Schweizer Kanton Jura. Seit dem Jahr 2000 wird im französischen Departement Meuse/Haute Marne das Untertagelabor Bure erstellt. Die Beteiligung deutscher Wissenschaftler an Arbeiten an diesen Standorten ist in den letzten Jahren erheblich verstärkt worden. Wünschenswert wäre zwar eine noch deutlichere Verstärkung, aber diese scheitert nicht nur an knappen Forschungsmitteln, sondern vor allem an fehlenden einschlägig qualifizierten Forschern.

Der Stellenwert, der FuE-Aktivitäten in nichtsalinaren Formationen beigemessen wird, zeigt sich auch in der Höhe der in etwa vergleichbaren finanziellen Aufwendungen des BMBF für die institutionelle Forschung und des BMWi im Rahmen der direkten Projektförderung. So stellt das BMWi zurzeit Mittel in Höhe von jährlich rd. 8 Mio. Euro für die Endlagerforschung bereit. Neben Aktivitäten, die unabhängig von speziellen Wirtsgesteinen sind, wird davon knapp ein Drittel - mit zunehmender Tendenz - für FuE-Arbeiten in Granit- und Tonformationen aufgewendet. Diese grundlagenorientierte Forschung wird zum überwiegenden Teil im Rahmen internationaler Kooperationen (Frankreich, Schweiz, Schweden, USA, Russland) in den ausländischen Untertagelabors durchgeführt, da in Deutschland entsprechende Einrichtungen fehlen.

Inge Arnold | idw
Weitere Informationen:
http://www.fzk.de

Weitere Berichte zu: BMWi Gesteinsformation Untertagelabor Wirtsgestein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft
24.04.2017 | Wissenschaft im Dialog gGmbH

nachricht 3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg
24.04.2017 | Hochschule Mannheim - University of Applied Sciences

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung