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Weltweit größter medizinischer Papyrus

29.01.2002


Am 14. Februar 2002 wird in der Leipziger Universitätsbibliothek in der Beethovenstraße 6 eine bemerkenswerte Ausstellung eröffnet: Erstmals und dann für längere Zeit nicht wieder - aus Bestandserhaltungsgründen - wird die weltweit größte medizinische Papyrusrolle gezeigt, der Papyrus Ebers.
Benannt nach seinem Entdecker, dem Professor für Ägyptologie an der Universität Leipzig Georg Ebers, stammt dieser Papyrus aus dem 16. Jh. v. Chr. Er enthält ca. 880 Rezepte zur ägyptischen Heilkunde, darunter Lehrtexte, Prognosen und Zaubertexte, aber vor allem medizinische Rezepte in Kurzfassung. Verschiedene Heilmittel legen Zeugnis davon ab, dass die Menschen vor 3 500 Jahren neben ernsthaften Krankheiten auch kleinere Sorgen hatten, die uns heute durchaus nicht fremd sind. So findet man Rezepte gegen das Ergrauen oder Ausfallen der Haare, Schönheitsmittel für glatte Haut und Gesichtsstraffung.

Der Papyrus Ebers ist der schönste und besterhaltene hieratische Papyrus, es wurde sowohl schwarze als auch rote Tinte verwendet. Er ist mit einer Länge von 18,63 Metern und einer Höhe von 30 cm besonders umfangreich. Der Text ist von einem einzigen Schreiber geschrieben in einer Schriftform des Ägyptischen, dem Hieratischen. Es handelt sich hier um eine kursivere Form des Hieroglyphischen, die mit Pinsel bzw. Binsen aufgemalt wurde, während die Hieroglyphen in der Mehrzahl gemeißelt wurden. Die Schrift verläuft von rechts nach links.

Die Universitätsbibliothek Leipzig besitzt den Papyrus seit 129 Jahren. Als dieser wertvolle Schatz 1941 mit anderen wertvollen Kulturgütern ausgelagert wurde, gingen allerdings auf den wechselvollen Wegen, den der Papyrus nehmen musste, einige Teile verloren; sie sind bis heute nicht wieder aufgetaucht. Vielleicht trägt die Ausstellung dazu bei, Hinweise auf den Verbleib zu erhalten.
Die Universitätsbibliothek Leipzig hat den Papyrus Ebers wegen seiner großen Bedeutung zur Aufnahme in die Liste der UNESCO als Weltkulturerbe angemeldet.
In Verbindung mit der Ausstellung wird ein wissenschaftliches Symposion "Papyrus Ebers und die Antike Heilkunde" am 15. und 16.März 2002 veranstaltet.

Zu der Ausstellung findet am 13. Februar 2002, 10 Uhr, ein Pressegespräch im Vortragsraum der UB in der Beethovenstr. 6 statt. Gesprächspartner sind der Direktor der Universitätsbibliothek, Dr. Ekkehard Henschke, und Prof. Dr. Reinhold Scholl vom Papyrusarchiv der UB.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Reinhold Scholl, Tel. 97 30581 oder 97 37073; E-Mail:  scholl@ub.uni-leipzig.de

Volker Schulte | idw

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