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4. Heidelberger Symposium Neuro-Urologie

29.11.2001


Standards und Innovationen in der Diagnostik und Therapie neurogener Blasenfunktionsstörungen - Am 30.11. und 1.12.2001 in der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg

Die Neuro-Urologie befasst sich mit den urologischen Problemen neurogener Blasenfunktionsstörungen. Für querschnittgelähmte Menschen sind eine standardisierte Untersuchung, Behandlung und lebenslange Nachsorge dieser neurogenen Blasenfunktionsstörungen die für die Lebenserwartung und Lebensqualität entscheidenden Faktoren.

Durch die seit 1996 bestehende Kooperation der Abteilung Urologie der Universitätsklinik Heidelberg und der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg hat sich die Neuro-Urologie hier mit Erfolg etabliert. In der Abteilung Orthopädie II verfügt die Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg über ein national und international anerkanntes und eines der großen Querschnittgelähmtenzentren Europas mit einem hohen ambulanten und stationären Patientenaufkommen, sowohl im Bereich der angeborenen, wie auch der erworbenen Querschnittlähmungen im Kindes- und Erwachsenenalter.

Die wesentlichen Aufgaben der Neuro-Urologie bestehen in der Untersuchung und Behandlung der Blasenfunktionsstörung mit dem primären Ziel der Protektion des oberen Harntraktes und damit der Nierenfunktion. Voraussetzung hierfür ist die Rehabilitation des unteren Harntraktes (Blase) mit Optimierung der Speicher- und Entleerungsfunktionen. Die Ursache neurogener Blasenfunktionsstörungen sind Erkrankungen oder Unfallfolgen, die zu einem definierten Schaden der versorgenden Nervenstrukturen für Blasenmuskel und Blasenschließmuskelapparat führen. Im Kindes- und Jugendalter stehen hier hauptsächlich angeborene Fehlbildungen im Vordergrund, während es bei erwachsenen Patienten hauptsächlich Traumafolgen und in zunehmendem Maße auch entzündliche oder tumoröse Prozesse sind.

Zur Aktualisierung und Thematisierung der speziellen Fragestellungen im Bereich Neuro-Urologie findet am 30.11. und 1.12.2001 in der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg unter der Leitung von Professor Dr. G. Staehler, Direktor der Urologischen Abteilung des Universitätsklinikum Heidelberg, und Professor Dr. H. J. Gerner, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, Orthopädie II, das 4. Heidelberger Symposium für Neuro-Urologie statt.

In- und ausländische Experten werden zu den folgenden Themenschwerpunkten referieren: Zum heutigen Stand der Diagnostik und Therapie der Blasenfunktionsstörung werden die aktuellen Erfahrungen und Erkenntnisse dargestellt und diskutiert. Unter anderem wird über die Ergebnisse der Injektion von Botulinum-Toxin (ein in der Therapie gezielt einsetzbares Nervengift) in den Blasenmuskel zur Dämpfung überschießender, spastischer Muskelkrämpfe mit unwillkürlichem Urinverlust berichtet werden, wie auch über die ersten Langzeitergebnisse der elektrischen Blasenmuskelhemmung und die Behandlung der gelähmten Blase mit Hilfe eines Blasenschrittmachers.

Der intermittierende Katheterismus stellt beim querschnittgelähmten Patienten das Mittel der Wahl zur Entleerung der Blase dar. In der das Symposium begleitenden Industrieausstellung werden unterschiedlichste Kathetersysteme vorgestellt. Im wissenschaftlichen Dialog soll über deren Handhabung und Indikation, aber auch über Gefahren und Kompliationen diskutiert werden. Auf die Entwicklung des Keimspektrums und die Probleme einer Antibiotikaresistenz beim chronisch harnwegsinfektgefährdeten gelähmten Patienten wird besonders eingegangen.

Fragen zu Anwendungen von Harnröhrenschienungen und ihre spezielle Anwendbarkeit beim querschnittgelähmten Patienten sollen kritisch diskutiert werden, wie auch Fragen zur Verbesserung der Lebensqualität nach Implantation eines Blasenschrittmachers, auch hinsichtlich der Regulation der Enddarmfunktion. Abschließend werden aktuelle Forschungsvorhaben und Zukunftsaussichten, wie die Optimierung der elektrischen Beeinflussung der Blasenfunktion, aber auch die Gewinnung und Anzüchtung von neuem Blasengewebe aus körpereigenem Material (tissue engineering) diskutiert.

Dr. Michael Schwarz | idw

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