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Sir Hans Krebs-Preis: 20.000 Mark für Forscher aus Heidelberg

22.11.2001


Niedersächsischer Schüler erhält Nachwuchspreis - Einladung zur Festveranstaltung am 23. November in der MHH

Am kommenden Freitag wird zum achten Mal der Sir Hans Krebs-Preis zur Förderung der medizinischen Grundlagenforschung verliehen. Der mit 20.000 Mark dotierte Preis wurde von der Hannoverschen Lebensversicherung a. G. gestiftet. In diesem Jahr erhalten drei Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg die Auszeichnung: Markus Feuerer, Dr. med. Philipp Beckhove und Privatdozent Dr. rer. nat. Viktor Umansky. Sie entdeckten, dass das Knochenmark von Krebspatienten Immunzellen enthält, die den Tumor attackieren können. Ihre Ergebnisse wurden unter dem Titel "Therapy of human tumors in NOD/SCID mice with patient-derived reactivated memory T cells from bone marrow" in der Zeitschrift "Nature Medicine" veröffentlicht.

Am Freitag steht außerdem eine Premiere an: Erstmals wird der mit 3.000 Mark dotierte Sir Hans Krebs-Nachwuchspreis 2001 für Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufen Niedersachsens verliehen. Er ist ebenfalls von der Hannoverschen Lebensversicherung a. G. gestiftet worden. Lars Plate aus Sulingen wird mit dem Preis für seine Facharbeit zur Bestimmung des pH-Wertes von Lösungen ausgezeichnet. Der 18-Jährige hat untersucht, ob sich dafür die Photometrie, also eine Messung der Lichtabschwächung durch verschiedene Substanzen, eignet.

Die Festveranstaltung beginnt am Freitag, den 23. November 2001 um 15 Uhr im Hörsaal R, Gebäude I 6 auf dem Gelände der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Carl-Neuberg-Straße 1, Hannover.

ACHTUNG: Vorgeschaltet ist ein FOTOTERMIN mit den Preisträgern um 14.45 Uhr.

Zum Nachwuchspreis

Lars Plate wurde 1983 in Sulingen geboren. Seit 1995 besucht er das Gymnasium Sulingen. Seine Leistungsfächer sind Chemie und Englisch. Bereits im März dieses Jahres nahm er an der Chemie-Olympiade in Berlin teil und kam in die dritte Auswahlrunde. Um wissenschaftliches Arbeiten zu erlernen, müssen alle niedersächsischen Schülerinnen und Schüler der 12. Klassen eine Facharbeit mit Versuchs- und Forschungsfragen schreiben. Lars Plate wählte sein Lieblingsfach. Die Aufgabe war ein Thema aus der Säure-Basen-Chemie. Im ersten Theorieteil beschreibt er, wie Säure-Basen-Indikatoren aufgebaut sind und wie sie funktionieren. Im praktischen Teil untersuchte er einige Indikatoren photometrisch. Lars Plate stellte fest, dass sich mit Hilfe der Photometrie relativ exakt die Konzentrationen von Indikatorsäure und -base bestimmen lassen. Die Methode könnte zukünftig eingesetzt werden, um den pH-Wert einer Lösung zu bestimmen.

Zum Sir Hans Krebs-Preis 2001

Markus Feuerer wurde 1973 in Trier geboren. Er studierte Medizin in Mainz und Heidelberg. Seit 1998 arbeitet er an zwei Dissertationen: Die "Charakterisierung des Knochenmarkes als sekundär immunologisch reaktives Organ" ist sein medizinisches Thema, die "Untersuchung des tumorspezifischen T-Zell-Gedächtnisses" ist sein naturwissenschaftliches Thema.

Dr. med. Philipp Beckhove wurde 1969 in Freiburg/Breisgau geboren. Er studierte und promovierte in Heidelberg. Nach der Approbation 1997 war er als Assistenzarzt in der Medizinischen Klinik der Universität Heidelberg tätig. Sein Schwerpunkt: die Blutstammzell-Transplantation nach Hochdosis-Chemotherapie bei Tumorpatienten. 1999 wechselte er an das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Er entwickelte ein Mausmodell, das die Simulation von Lymphozyten-Transplantationen erlaubt.

Privatdozent Dr. rer. nat. Viktor Umansky wurde 1955 in Kiew, Ukraine, geboren. Er studierte Medizin an der Medizinischen Hochschule seiner Heimatstadt. Anschließend arbeitete er am Institut für Onkologie der dortigen Akademie der Wissenschaften, an der er 1982 zum Dr. rer. nat. promovierte. Forschungsaufenthalte führten ihn an das Russische Krebsforschungszentrum in Moskau und an das Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale (INSERM) in Dijon, Frankreich. Seit 1992 ist Umansky am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg tätig. Vor drei Jahren übernahm er die Leitung der Arbeitsgruppe "Tumorimmuntherapie" im DKFZ. In mehreren Projekten beschäftige er sich unter anderem mit der Frage, welche Rolle Stickstoffmonoxid in der Immuntherapie bei Krebs spielt. Vor kurzem habilitierte er sich an der Fakultät für Pharmazie der Universität Heidelberg.

Spezialisierte Immunzellen aus dem Knochenmark helfen im Kampf gegen Krebs

Die drei Heidelberger Wissenschaftler hatten das Immunsystem bei 84 Patientinnen mit Brustkrebs untersucht. Bei der Mehrheit entdeckten sie so genannte Gedächtnis-T-Zellen im Knochenmark, die gegen Tumorantigene - spezielle Eiweißmoleküle auf der Oberfläche von Krebszellen - gerichtet sind. Gedächtnis-T-Zellen stellen eine äußerst wirkungsvolle Waffe der Immunabwehr dar, da sie jahrelang im Körper überdauern und bei erneutem Kontakt mit "ihrem" Antigen eine besonders schnell einsetzende und schlagkräftige Immunantwort auslösen.

Untersuchungen im Reagenzglas zeigten, dass die Gedächtnis-T-Zellen aus dem Knochenmark beim Kontakt mit Tumorantigenen zu zytotoxischen Zellen aktiviert werden, die entartete Zellen eliminieren können. In einem nächsten Schritt gingen die Immunologen der Frage nach, ob sich mit diesen aktivierten Gedächtnis-Zellen im lebenden Organismus das Tumorwachstum aufhalten lässt. Dazu verpflanzten sie Gewebestückchen von Tumoren gerade operierter Patientinnen in Mäuse mit einem defekten Immunsystem. Die Tiere wurden anschließend mit patienteneigenen aktivierten Gedächtnis-Zellen aus dem Knochenmark behandelt. Nach drei Wochen waren bei den behandelten Tieren keine Tumorzellen nachweisbar, während sie sich bei den nicht behandelten vermehrt hatten. Stammen die aktivierten Gedächtnis-Zellen aus dem Blut der Patientinnen, lassen sich die Tumorzellen jedoch nicht eliminieren.

Bisher hatten sich Ansätze zur zellulären Immunbehandlung von Krebs hauptsächlich darauf konzentriert, Immunzellen aus dem Blut zu übertragen. Mit der Entdeckung tumorspezifischer Gedächtnis-T-Zellen im Knochenmark hoffen die Wissenschaftler, in Zukunft wirksamere immunologische Krebstherapien entwickeln zu können.

Dr. Arnd Schweitzer | idw

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