Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Müller-Zell-Forscher aus aller Welt tagen in Leipzig

29.08.2001


Müllerzelle einer Kaninchen-Netzhaut


Heinrich Müller (1820 - 1864) fand und beschrieb die Müllerzelle erstmals


Vom 30. August bis 2. September 2001 treffen sich die Müller-Zell-Forscher aus aller Welt auf Einladung von Prof. Dr. Andreas Reichenbach, Paul-Flechsig- Institut für Hirnforschung, in Leipzig. Wissenschaftler beschäftigen sich weltweit mit dieser besonderen Art von Glia-Zellen, die neben den Neuronen (Nervenzellen) die zweite Zellart in Gehirn und Auge darstellen. Die Müllerzellen spielen daher für die Augenheilkunde eine große Rolle.

Müller-Zell-Forscher aus aller Welt tagen in Leipzig

Vom 30. August bis 2. September 2001 treffen sich die Müller-Zell-Forscher aus aller Welt auf Einladung von Prof. Dr. Andreas Reichenbach, Paul-Flechsig- Institut für Hirnforschung, in Leipzig. 150 Jahre ist es her, seit Heinrich Müller, die Müller-Zellen entdeckte und erstmals beschrieb. Inzwischen beschäftigen sich Wissenschaftler weltweit mit dieser besonderen Art von Glia-Zellen, die neben den Neuronen (Nervenzellen) die zweite Zellart in Gehirn und Auge darstellen.

Die Müllerzellen sind die Gliazellen der Netzhaut und spielen daher für die Augenheilkunde eine große Rolle. Man muß sie sich als längliche Balken vorstellen, die am einen Ende mit den sogenannten Mikrovilli faserig auslaufen. Etwa in der Mitte der Zelle verdickt sich der Balken zum Zellkörper oder Soma, um am anderen Ende in einer Art keulenartigem Fuß (Endfuß) auszulaufen. Parallel zueinander - wie die Grashalme einer Wiese - erstrecken sich Millionen solcher "Balken" durch die gesamte Dicke der Netzhaut.

Die Müller-Zellen halten das Gewebe zusammen und sind entscheidend für die Festigkeit der Netzhaut. Sie bilden in ihrer Gesamtheit ein Gerüst, in das die Nervenzellen der Netzhaut eingebettet sind. Um ihre Beschaffenheit und Funktionalität genau erforschen zu können, müssen Augenärzte und Neurowisssenschaftler zusammenarbeiten. Deshalb ist die Tagung der Müller-Zell- Forscher natürlicherweise eine interdisziplinäre Tagung, die Grundlagenforschung mit angewandter Forschung verbindet. Ein wichtiger Tagesordnungspunkt beschäftigt sich mit der Bedeutung der Eigenschaften der Müllerzellen für die Netzhautchirurgie.

Der Neurowissenschaftler Prof. Reichenbach leitet konkrete Problemstellungen seiner Forschung u.a. ab von Fragen, die die Kliniker geklärt wissen wollen. Professor Wiedemann, Netzhautchirurg und Direktor der Leipziger Universitätsaugenklinik, ist deshalb auch Mitveranstalter der Tagung. Eine seiner Fragen ist: Wie entstehen "Löcher" und "Aufspaltungen der Schichten" in der Netzhaut?

Eine Möglichkeit, dem auf die Spur zu kommen, sieht Reichenbach in der Untersuchung der mechanischen Eigenschaften der Netzhautzellen. Die Frage in bezug auf die Netzhaut-Aufspaltung war: Haben die einzelnen Zellabschnitte unterschiedliche Festigkeiten? Also musste man Möglichkeiten finden, die Festigkeit einzelner Zellen und ihrer Bestandteile zu bestimmen. Dazu wurde ein sogenanntes "atomic force microskop" eingesetzt, dessen Spitze (Abtaster) lebende Zellen abtastet. Die so entstandene Messergebnisse ließen den Rückschluss zu: Die Netzhautzellen weisen unterschiedliche Festigkeiten auf. Der "Balken" erwies sich als stabiler als umliegende Nervenzellen. Das bedeutet, dass Müller- Zellen wirklich Halt bieten können, eine Eigenschaft, die ihnen bisher nur theoretisch wegen ihrer Form und Anordnung zugeschrieben wurde. Der Zellkern der Müller-Zelle wiederum ist aber weicher als seine Umgebung. Die Wissenschaftler nehmen deshalb an, dass sie den Nervenzellen "Platz machen".

Die Neurowissenschaftler wollen sich nun die Beobachtung zunutze machen, dass sich das harte "Zellskelett" der Gliazellen bei übermäßigem Lichteinfall verstärkt. Daraus entwickelten sie eine neue Fragestellung: Kann der Einsatz von starkem Licht eine Aufspaltung der Netzhaut verhindern? Bisher sind die Ursachen dieser Erkrankung nicht bekannt, so dass noch keine erfolgreiche Heilmethode zur Verfügung steht. Wenn man weiß, dass eine Netzhautaufspaltung zum Gesichtsfeldausfall, in einigen Fällen zur Blindheit führen kann, und dass diese Krankheit relativ häufig ist, wird dringender Handlungsbedarf deutlich.

Noch eine kleine Bemerkung am Rande: Es ist Prof. Reichenbach doch tatsächlich gelungen, die Firma Müller- Milch als Sponsor zu gewinnen. Wie lautet deshalb das Motto der Tagung? "Alles Müller oder was?"

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~mcm2001/

Weitere Berichte zu: Nervenzelle Netzhaut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht 6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau
22.02.2017 | Technische Hochschule Wildau

nachricht Wunderwelt der Mikroben
22.02.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften