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Medien, Informationstechnologie und psychologische Entwicklung

24.08.2001


Mehr als 500 Teilnehmer werden zur 15. Tagung der Fachgruppe Entwicklungspsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie vom 2. bis 5. September an der Universität Potsdam erwartet. Die Tagung mit Vorträgen, Überblicksreferaten und Symposien soll ein Diskussionsforum für aktuelle Forschungsfragen in der Entwicklungspsychologie, für den Austausch zwischen Forschung und Praxis, für die Kontakte zwischen Forschung und Politik sowie für aktuelle Fragen der akademischen Lehre sein. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Diskussionen stehen mögliche Wirkungen der neuen Medien und Informationstechnologien auf die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und auch älteren Menschen.
Zeit der Tagung: 2. bis 5. September 2001, Eröffnung: 2. September um 14.00 Uhr
Ort der Tagung: Universitätskomplex Am Neuen Palais, Haus 8, Auditorium maximum

Im Rhythmus von zwei Jahren treffen sich Psychologen von Universitäten und Forschungseinrichtungen des deutschsprachigen Raumes, um über aktuelle Forschungsfragen zu diskutieren, Ideen auszutauschen und Anregungen von Kollegen zu erhalten. In diesem Jahr findet die 15. Tagung der Fachgruppe Entwicklungspsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie vom 2. bis 5. September an der Universität Potsdam statt. Erwartet werden etwa 500 Teilnehmer.
Das wissenschaftliche Programm enthält 30 Symposien und Arbeitsgruppen zu Themen wie das Weltbild des Säuglings, Probleme der Schreikinder, Gedächtnisentwicklung über die Lebensspanne, erfolgreiches Altern. Es gibt des Weiteren Überblicksvorträge, Forschungsvorträge und Poster. Das wissenschaftliche Rahmenprogramm umfasst zwei Schwerpunkte. So geht es um den Stand der deutschsprachigen entwicklungspsychologischen Forschung in Rück- und Vorschau. Weiterhin beschäftigen sich die Konferenzteilnehmer mit der Frage, wie Medien und Informationstechnologie die psychische Entwicklung verändern.
Natürlich wird es auf dem Tagung viele Themen geben, die nur unter Fachleuten Aufmerk-samkeit erregen. Doch im Programm finden sich auch allgemein interessierende Themen, die wir hier für Ihre journalistische Berichterstattung in einer "Knüller"-Liste zusammengestellt haben:

Vortrag:
Prof. Dr. Patricia Greenfield, University of California at Los Angeles
Thema: " The cultural evolution of IQ: The role of new media"

Patricia Greenfields Forschung widmet sich vor allem der kognitiven und sprachlichen Entwicklung und dabei besonders dem Einfluss der Medien auf die kognitive Entwicklung und die Lernprozesse der Kinder. Diese Einflüsse verfolgt sie im Vergleich verschiedener Kulturen, die durch die Ausbreitung der neuen Technologien dramatische Veränderungen erfahren. Patricia Greenfield lehrt an der University of California at Los Angeles (UCLA). Ihren Doktortitel erwarb sie an der Harvard University. In vielen Veröffentlichungen setzt sie sich mit der Rolle von Computern und Video-Spielen in der Entwicklung der Kinder auseinander.
Zeit: Sonntag, den 2. September 2001, 16.45 Uhr
Ort: Universitätskomplex Am Neuen Palais, Haus 8, Auditorium maximum


Hauptvortrag:
Prof. Dr. Markus Hasselhorn, Universität Göttingen
Thema: "Vorschul- und Schulalter"

Zeit: Sonntag, den 2. September 2001, 17.45 Uhr
Ort: Universitätskomplex Am Neuen Palais, Haus 8, Auditorium maximum


Vortrag:
Prof. Dr. Sandra L. Calvert, Georgetown University, Washington DC
Thema: "Children’s Digital Media Centers: The Role of Interactivity and Identity in Children’s Learning"

Sandra Calvert untersucht die Auswirkungen der elektronischen Medien auf die kognitive und soziale Entwicklung der Kinder. In kritischer Weise setzt sie sich in ihren jüngsten Veröffentlichungen "Children’s Journeys through the Information Age" (McGraw Hill 1999) und "Children in the Digital Age" (Themenheft von Journal of Applied Developmental Psychology, zusammen mit Amy B. Jordan, im Druck) damit auseinander, wie die Informationstechnologie zunehmend unsere Kultur durchtränkt. Sie verfolgt die Hypothese, dass sich durch Fernsehen, Computer, Internet und die durch elektronische Medien erzeugte virtuelle Realität die Vorstellungen der Kinder davon ändert, was eine Information ist, und folglich auch, was sie im Umgang mit diesen Medien lernen. Besonders interessieren sie die impliziten Botschaften über ethnische, rassische und Geschlechtsstereotype, die von diesen Medien verbreitet werden.
Sandra L. Calvert lehrt an der Georgetown University. Sie promovierte in Entwicklungspsychologie an der University of Kansas. Sie hat zahlreiche Bücher und Aufsätze verfasst. Neben ihrer Forschungstätigkeit beteiligt sie sich an der Arbeit von Gremien, die die Entwicklung von Medien für Kinder wissenschaftlich begleiten.
Zeit: Montag, den 3. September 2001, 11.00 Uhr
Ort: Universitätskomplex Am Neuen Palais, Haus 8, Auditorium maximum


Hauptvortrag:
Prof. Dr. Scania de Schonen, CRNS, Université de Paris
Thema: "Frühe Kindheit"
Zeit: Montag, den 3. September 2001, 12.00 Uhr
Ort: Universitätskomplex Am Neuen Palais, Haus 8, Auditorium maximum


Symposium und Roundtable:
Thema: "50 Jahre Entwicklungspsychologie im deutschsprachigen Raum - Rückschau und Blick in die Zukunft. Episodisches und Semantisches aus persönlicher Sicht"
Organisation: Prof. Dr. Rolf Oerter, Ludwig-Maximilians-Universität München

Zeit: Montag, den 3. September 2001, 16.30 - 18.30 Uhr
Ort: Universitätskomplex Am Neuen Palais, Haus 8, Auditorium maximum


Vortrag:
Prof. Dr. Gavriel Salomon, University of Haifa
Thema: "New media - same children but new challenges"

Gavriel Salomon verfolgt mit großem Interesse, wie durch die Verbindung von Lernkonzepten und konstruktivistischen Ansätzen neue Vorstellungen von Lehren und Lernen entstehen, zu deren Verwirklichung die neuen Technologien beitragen sollen. Auf diese Weise entstehen komplexe "Lernumwelten", in denen kooperativ, interdisziplinär und mit vielfältiger medialer Unterstützung gearbeitet wird. Salomon wertet Erfahrungen aus, um diese Entwicklungen von modischen Zügen zu befreien und ihre Stärken und Schwächen offen zu legen. Ihm liegt es daran zu verdeutlichen, dass nicht nur wirksame Formen des Lernens neu entstehen können, sondern auch die eingesetzten Technologien sich so wandeln müssen, dass sie diese Prozesse optimal unterstützen können.
Gavriel Salomon ist Professor für Pädagogische Psychologie und Direktor des Center of Advanced Studies an der University of Haifa. Er promovierte in Pädagogischer Psychologie und Kommunikationswissenschaften an der Stanford University. Seine Bücher und Aufsätze umspannen viele Themen, aber ganz besonders auch die Auswirkungen der Medien und ihrer Symbolsysteme auf die kognitive Entwicklung.
Zeit: Dienstag, den 4. September 2001, 11.00 Uhr
Ort: Universitätskomplex Am Neuen Palais, Haus 8, Auditorium maximum


Hauptvortrag:
Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen, Universität Jena
Thema: "Jugendalter"
Zeit: Dienstag, den 4. September 2001, 12.00 Uhr
Ort: Universitätskomplex Am Neuen Palais, Haus 8, Auditorium maximum


Symposium:
Thema: "Die Rolle der neuen Medien für eine Entwicklungspsychologie der Lebensspanne"

Organisation: Prof. Dr. Heinz Mandl, Ludwig-Maximilians-Universität München
Diskutanten: Prof. Dr. Sandra Calvert, Georgetown University, Washington DC; Prof. Dr. Patricia Greenfield, University of California at Los Angeles; Prof. Dr. Gavriel Salomon, University of Haifa
Zeit: Dienstag, den 4. September 2001, 14.00 - 16.00 Uhr
Ort: Universitätskomplex Am Neuen Palais, Haus 8, Auditorium maximum


Roundtable-Diskussion:
Thema: "Mobbing unter Schülern:
Stand der Forschung und viele offene Fragen"
Organisation: Dr. Mechthild Schäfer, Stefan Korn, Ludwig-Maximilians-Universität München
Bullying/Mobbing unter Schülern oder Schikanieren gab und gibt es früher wie heute. Das bestätigen Untersuchungen im In- und Ausland übereinstimmend. Erst kürzlich benannten in Südbayern in 112 Klassen an 86 Schulen die Mitschüler in allen Klassen Mobbing-Täter und Opfer. Allerdings scheint erhebliche Ratlosigkeit angesagt, wenn plötzlich Kinder von Mobbing betroffen sind und man als Erwachsener kompetente Unterstützung geben oder finden muss. Nicht zu unterschätzen ist dabei, dass jeder falsche Schritt die Situation für das betroffene Kind oft exponentiell verschlimmert. Die Praxis in Schulen zeigt, dass es nicht ausreicht, Opfer und Täter zu charakterisieren, die Opfer-Täter Beziehung zu beschreiben oder mögliche Konsequenzen von Mobbing durch Mitschüler darzustellen. Bullying ist nämlich ein Gruppen-Problem von Schulklassen. Denn, wenn sich Mobbing ereignet, ist das fast nie das ausschließliche Problem von Opfer und Täter. Vielmehr ist fast immer die Mehrzahl der Mitschüler (ca. 85 Prozent der Klasse) in das Mobbing-Geschehen verwickelt. Sie sind beteiligt, indem sie sich mit dem Täter oder den Tätern solidarisieren, indem sie das Mobbing aktiv ignorieren ("Das geht mich nichts an") oder, in dem sie das Opfer unterstützen. Ebenso wird die Rolle der Täter neu diskutiert: Sind sie tatsächlich eher sozial inkompetent oder im Gegenteil besonders begabt, um eine ganze Klasse zu manipulieren? Gibt es wirklich Ursachen für Bullying, oder genügen bestimmte Risikofaktoren den Tätern als Hinweis, wen man erfolgreich als Opfer wählen kann?
Zeit: Mittwoch, den 5. September 2001, 8.30 - 10.30 Uhr
Ort: Universitätskomplex Am Neuen Palais, Haus 8, Auditorium maximum


Hauptvortrag:
Prof. Dr. Andreas Kruse, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Thema: "Alter"
Zeit: Mittwoch, den 5. September 2001, 12.00 Uhr
Ort: Universitätskomplex Am Neuen Palais, Haus 8, Auditorium maximum


Weitere Informationen:
Achtung Pressekonferenz:
Montag, dem 3. September 2001, 10.00 Uhr, Universitätskomplex Am Neuen Palais, Haus 8, Nebenraum der Cafeteria

Für weitere Informationen stehen Ihnen Prof. Dr. Hellgard Rauh aus dem Institut für Psychologie der Universität Potsdam, telefonisch unter 0331/977-2213 (Handy 0172/3118090) und Johannes Haack, telefonisch unter 0331/977-2855, E-Mail: haack@rz.uni-potsdam.de zur Verfügung.

Janny Glaesmer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-potsdam.de/u/epsy2001

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