Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Zeus" und "da Vinci" - die minimal-invasive Herzchirurgie

28.06.2001


Vom 27. bis 30. Juni 2001 findet in München die 4. Tagung der Internationalen Gesellschaft für minimal-invasive Herzchirurgie statt. 500 Herzchirurgen und Medizintechniker aus der ganzen Welt kommen an die Isar, um die neuesten Entwicklungen dieses relativ jungen Zweiges der Herzchirurgie zu diskutieren. Schirmherr der Veranstaltung ist der bayerische Wissenschaftsminister Hans Zehetmair.

DIE INTERNATIONALE GESELLSCHAFT FÜR MINIMAL-INVASIVE HERZCHIRURGIE

wurde vor fünf Jahren gegründet und beschäftigt sich mit wissenschaftlichen und klinischen Weiterentwicklungen dieses neuen Gebietes der Herzchirurgie. Gemeinsam mit Industrieunternehmen sollen neue Operationsverfahren und Operationsgeräte evaluiert und dazu Studien durchgeführt werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ausbildung von jungen Herzchirurgen im Rahmen von Postgraduierten - Symposien. Der Programmdirektor für den Kongress und Präsident der Gesellschaft für das nächste Jahr ist ein Münchner: Professor Dr. Dr. Hermann Reichenspurner von der Herzchirurgischen Klinik des Klinikums der Universität München, Großhadern (Direktor: Prof. Dr. Bruno Reichart).

DIE MINIMAL-INVASIVE HERZCHIRURGIE
Vor circa 10 Jahren haben ähnlich wie in der Allgemein- und Lungenchirurgie auch im Sektor der Herzchirurgie minimal-invasive Operationen ihren Einzug gefunden. Ziel ist, den Patienten schonender zu operieren. Möglich ist das durch:

  • Einen Verzicht auf die Herz-Lungenmaschine bei Bypass-Operationen an den Herzkranzgefäßen. Besonders ältere Patienten profitieren davon, wenn der eigene Blutkreislauf während der Operation aufrecht erhalten wird. Die Verwendung der Herz-Lungenmaschine (Fachbegriff: extrakorporale Zirkulation) kann nämlich zu Veränderungen im Körper führen, die mit einer starken Entzündungsreaktion vergleichbar sind. Ältere oder sehr kranke Patienten müssen deswegen häufig länger auf der Intensivstation bleiben, außerdem drohen auch neurologische Komplikationen wie zum Beispiel ein Schlaganfall. Bei einem Verzicht auf die Herz-Lungenmaschine wird das betroffene Herzkranzgefäß mit Hilfe von speziellen Stabilisationssystemen ruhiggestellt, so dass die Bypass-Operation zuverlässig durchgeführt werden kann.
  • Einen Verzicht, das Brustbein zu durchtrennen
    Eine Vielzahl von Klappenoperationen und auch die Korrektur von angeborenen Herzfehlern kann heute durch kleine Schnitte vorgenommen werden. Dazu ist allerdings der Einsatz eines Endoskops mit Videokamera notwendig, um eine gute Sicht auf die zu operierende Stelle zu gewinnen. Dazu sind in den letzten Jahren mehrere hochtechnisierte Geräte entwickelt worden, wie zum Beispiel dreidimensionale Endoskope oder aber ein sprachgesteuerter Roboterarm, der die Kamera festhält und auf Kommando des Chirurgen in alle gewünschten Richtungen bewegt. Die Bildwiedergabe erfolgt entweder am Monitor oder dreidimensional in einem speziell dafür konstruierten Videohelm des Operateurs.
  • Den Einsatz von OP-Robotern
    Diese computerisierten Telemanipulationsgeräte ermöglichen voll-endoskopische, mikrochirurgische Operationen, die manuell so nicht durchführbar wären. In der Großhaderner Herzchirurgie ist seit 1998 das in Kalifornien entwickelte System "Zeus" im Einsatz, es wurde dort weltweit zum ersten Mal benutzt. Zeus ist für die endoskopische Bypass-Chirurgie konstruiert worden und wird in Großhadern inzwischen routinemäßig mehrmals pro Woche eingesetzt. Die Herzchirurgie der LMU unter der Leitung von Professor Bruno Reichart hat sich mit diesem Verfahren auch als Schulungszentrum etabliert. Auf dem Markt existiert noch ein zweiter Roboter, "da Vinci" wird an den Herzzentren in Leipzig, München, Frankfurt und Paris eingesetzt.

KASSEN UND KOSTEN

Ein noch nicht gelöstes Problem der minimal-invasiven Herzchirurgie ist die Kostenrückerstattung durch die Krankenkassen. Es gibt vorgeschriebene Fallpauschalen für Operationen mit Herz-Lungenmaschine, die jedoch bei einem Verzicht auf die Maschine nicht mehr angesetzt werden können. Aus diesem Grund hat sich die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie intensiv mit diesem Problem beschäftigt und an acht deutschen Zentren eine Kostenanalyse durchführen lassen. Die Ergebnisse liegen nun vor und müssen baldmöglichst in die Verhandlungen mit den Kassen einbezogen werden. An einigen Zentren werden die neuen, schonenderen Verfahren derzeit aufgrund einer noch fehlenden Kostenrückerstattung nicht durchgeführt. Im Interesse der Patienten sollte dieser Zustand schnell beendet werden.

S. Nicole Bongard | idw

Weitere Berichte zu: Herzchirurgie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli
26.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS

nachricht Von Batterieforschung bis Optoelektronik
23.06.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie