Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bringschuld der Wissenschaft - Holschuld der modernen Gesellschaft?

30.05.2001


Tagung zum Public Understanding of Science (PUS) im ZiF

... mehr zu:
»Naturwissenschaft »ZiF

Mit dem Problem der Kommunikation zwischen Experten und Laien, die in Deutschland weniger entwickelt ist als in anderen Ländern - wie etwa in Großbritannien -, befasst sich eine Tagung, die vom 6. bis zum 8. Juni im Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld stattfindet. Die von dem Bielefelder Chemiker Achim Müller organisierte Tagung zum "Public Understanding of Science", zu der der Entdecker der Fußball-Moleküle Harold Kroto und der "Vater der Pille" Carl Djerassi eingeladen sind, steht unter der Fragestellung, wie weit die Wissenschaft eine Bringschuld und die moderne Gesellschaft eine Holschuld hat.

Mit atemberaubendem Tempo sind Naturwissenschaft und Technik fortgeschritten. Das Faktenwissen ist explodiert. Dadurch gibt es nach Ansicht des Entdeckers der "Keplerate" Achim Müller Kommunikationsprobleme grundsätzlicher Art: "Auf der einen Seite führt eine extreme Spezialisierung dazu, dass immer weniger Naturwissenschaftler miteinander kommunizieren. Wenn schon innerhalb der Wissenschaft gravierende Verständigungsprobleme auszumachen sind, um wie viel größer ist dann auf der anderen Seite die Kluft zwischen Menschen mit einer ’Allgemeinbildung’ und den auf Spezialgebieten forschenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Entstanden ist so eine Situation, die auch gesellschaftspolitische Schwierigkeiten birgt. Mangelndes gegenseitiges Verstehen kann zu Ängsten und Technikfeindlichkeit mit entsprechenden Folgen in Politik und Wirtschaft führen. Angehörige bestimmter Berufsgruppen, zu denen auch Forscher und Forscherinnen gehören, sehen sich immer häufiger in der Situation, ihre Tätigkeiten in der Öffentlichkeit darstellen oder sogar rechtfertigen zu müssen. Für diese Kommunikation ist jedoch eine Fachsprache völlig ungeeignet, andererseits ist die Aufgabe, sich in allgemein verständlicher Weise über ein Spezialgebiet mitzuteilen, in der Regel nicht Bestandteil des (wissenschaftlichen) Berufsalltags. Obwohl nun Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten zwischen den angesprochenen Welten zu vermitteln suchen, kann deren Tätigkeit das Problem nur teilweise und damit nicht zur Zufriedenheit lösen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat angesichts dieser Problematik einen ’Communicator-Preis’ ausgeschrieben."

Als besonderes Problem wird im Rahmen dieser ZiF-Tagung das ambivalente Bild der Chemie in der (nichtwissenschaftlichen) Öffentlichkeit thematisiert. So stellt sich diese Veranstaltung als ein Beispiel dar, wie in einem bestimmten Wissenschaftsgebiet öffentliches Verständnis und nach Möglichkeit auch öffentliche Sympathie hergestellt werden kann. Im Vordergrund steht also der konkrete Anwendungsfall von Öffentlichkeitsarbeit für die Wissenschaft.

Das PUS-Programm im ZiF:

6. Juni, 20.00 Uhr, Lesung, H.W. Bellwinkel (Bochum): Thomas Mann und die Naturwissenschaften.

7. Juni, ab 8.50 Uhr, Eröffnung der Tagung durch die Geschäftsführende Direktorin des ZiF, Gertrude Lübbe-Wolff, und Achim Müller, Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld.
Harold Kroto (Brighton): Science, a Round Peg in a Square World.
Henri Brunner (Regensburg): Rechts oder links in Natur, Kunst, Technik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Wolf Peter Fehlhammer (München): "100 Jahre Deutsches Museum" - 100 Jahre PUS pur.
Andreas Dress (Bielefeld): The Evolution of Man: The Evolution of Mathematics.

7. Juni ab 14.00 Uhr, Harald Jockusch (Bielefeld): Von der Laborbank zu den Medien: Unser Beitrag zur Renaissance der Aufklärung.
Henning Genz (Karlsruhe): Alles voll Gewimmels - Das Vakuum der Physik.
Reinhard Kögerler (Bielefeld): Wie materiell ist Materie?
E. Constable (Birmingham): Making Chemistry Comprehensible.

8. Juni ab 9.00 Uhr, Peter Atkins (Oxford): Making Molecule Matter.
Günter Schmid (Essen): Chemistry Meets Physics: The Smallest Switches.
Achim Müller (Bielefeld): Chemie und Ästhetik: Die Formenvielfalt der Natur als Ausdruck ihrer Kreativität.
Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger (Ludwigshafen): Chemie - "Old Economy" oder "New Frontiers?"
Martin Jansen (Stuttgart): Rationales Design oder Kombinatorik, wie steigert man die Effizienz bei Fest-körpersynthesen?

8. Juni, ab 14.00 Uhr, Heinrich Vahrenkamp (Freiburg i.Br.): Kein Leben ohne Metalle, z.B. ohne Zink.
Katharina Kohse-Höinghaus (Bielefeld): Das teutolab: eine chemische Verbindung zwischen Schule und Uni.

16.10 bis 17.00 Uhr, Round Table Diskussion - Was haben wir gelernt?

19.00 Uhr, Lesung, Carl Djerassi (Stanford): THIS MAN’S PILL: Reflections on the 50th Birthday of the Pill.

Weitere Informationen: Tagungsbüro des ZiF, Telefon 0521/106 2768, Internet: http://www.uni-bielefeld.de/ZIF/AGMueller_06_2001.html.


Dr. Gerhard Trott | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bielefeld.de/ZIF/AGMueller_06_2001.html

Weitere Berichte zu: Naturwissenschaft ZiF

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena
16.10.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer
13.10.2017 | InfectoGnostics - Forschungscampus Jena e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise