Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Limbische Strukturen im Gehirn

10.02.2008



Die Reaktionen eines Menschen auf Wahrnehmungen aus der Umgebung und der Antrieb zu bestimmten Handlungen sind stark bestimmt beispielsweise durch Aufmerksamkeit, Motivation oder Emotion. Wie aber sind derartige "innere Zustandswerte" definiert? Warum gibt es Gemütsschwankungen, die nicht näher zu erklären sind? Was ist die neurobiologische Basis von krankhaften Wahrnehmungen unserer Umwelt? Was ist Erinnerung?



Fragen dieser Art haben sich als unerwartet schwierig zu beantworten erwiesen und eine Reihe von Theorien hervorgebracht. In deren Zentrum steht das so genannte "limbische System" unseres Gehirns. "Die limbischen Schaltkreise sind für die Integration von kognitiven Funktionen, Lernen und Gedächtnis mit emotionalen und motivationalen Komponenten, in bestimmten Verhaltensreaktionen verantwortlich", erklärte Professor Hans-Christian Pape, Leiter des Institutes für Physiologie und Sprecher des Sonderforschungsbereiches 426. "Störungen können zu Angst, Wahn, Zwang aber auch Manie, Affektverflachung, Realitäts- und Gedächtnisstörungen führen."

Der Sonderforschungsbereich 426 "Limbische Strukturen und Funktionen" wurde 1997 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Magdeburg eingerichtet. Innerhalb dieses Forschungsverbundes arbeiten Magdeburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät und der Fakultät für Naturwissenschaften der Otto-von-Guericke-Universität sowie des Leibniz-Institutes für Neurobiologie an der Aufklärung der Grundlagen von Funktionen des limbischen Systems und den klinischen Konsequenzen von Störungen dieses Systems.

Vom 17. bis 19. Mai 2001 veranstaltete der SFB 426 zu dieser Thematik in Magdeburg ein internationales Symposium. Zu Gast waren 150 Wissenschaftler, unter ihnen renommierte Experten u.a. aus den USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland und der Schweiz. Das Programmkomitee unter Leitung von Professor Eckart Gundelfinger vom Leibniz-Institut für Neurobiologie hatte auf dem Gebiet des limbischen Systems führende Wissenschaftler nach Magdeburg eingeladen. Sie berieten über neueste Ergebnisse der Grundlagen von Emotionalverhalten, über Bildung und Abruf von Gedächtnisinhalten sowie über die Regulation von Wachen und Schlafen. Diskutiert wurden darüber hinaus aktuelle Befunde zu molekularen Mechanismen von Suchterkrankungen, zu den Konsequenzen sozialer Isolation im frühkindlichen Alter sowie zu den hirnbiologischen Grundlagen von Schizophrenien, Angst- und Zwangserkrankungen.

Das limbische System hat sich bei Säugetieren und insbesondere beim Menschen zu einem ausgedehnten System von Schaltkreisen des Gehirns entwickelt, das einen umfassenden Einfluss auf die emotionale Bewertung aller Sinneserfahrungen bzw. eine Motivationskontrolle über Verhalten ausübt. Darüber hinaus haben sich Hinweise verdichtet, dass Funktionsstörungen limbischer Strukturen und ihrer Bezugssysteme die pathophysiologische Basis von häufigen Hirnkrankheiten darstellen. Mehr als 20 Prozent der Bevölkerung erkranken im Verlauf des Lebens an einer behandlungsbedürftigen neurologischen oder psychischen Erkrankung, bei der strukturelle oder funktionelle Beeinträchtigungen des limbischen Systems oder damit in engem Funktionszusammenhang stehender Hirnbereiche nachgewiesen sind oder vermutet werden. Hierzu gehören die so genannten Neurosen wie Angst- oder Zwangskrankheiten, Suchterkrankungen, Schizophrenien, depressive Syndrome, bestimmte Formen von Epilepsie und Hirnabbauerkrankungen wie die Alzheimersche Krankheit. Fast allen Formen von Gedächtnisstörungen, von emotionalen Störungen, psychotischen Syndromen mit Realitätsverlust, Wahnideen und Halluzination liegen Störungen in einem oder mehreren Teilbereichen des limbischen Systems zugrunde. "In ihm sind molekularzelluläre Eigenschaften, lokale Organisationsformen, Systemfunktionen, die menschliche Empfindung und das Gedächtnis auf vielfältigste Art miteinander verknüpft", erläuterte Professor Pape. Zu deren Erfassung seien interaktive und multidisziplinäre wissenschaftliche Ansätze mit unterschiedlichen Ebenen der Analyse besonders geeignet. Für diese Vorgehensweise biete Magdeburg eine inhaltlich wie methodisch sehr breite Ansammlung von interdisziplinären Komponenten, die in dieser Konstellation auf diesem Forschungsgebiet in Deutschland nahezu einmalig sei, betonte der SFB-Sprecher.

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/fme/institute/iphy/
http://www.fan-magdeburg.de/sfb2001/.

Weitere Berichte zu: Leibniz-Institut Suchterkrankung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von Batterieforschung bis Optoelektronik
23.06.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht 10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge
22.06.2017 | Haus der Technik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften