Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hautrisiken sind im Beruf allgegenwärtig

28.03.2001


Über 300 Wissenschaftler, Ärzte, Praktiker aus Betrieben und Vertreter von Berufsgenossenschaften treffen sich diese Woche (29.-31.03.) zur 6. bundesweiten Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Im Mittelpunkt stehen neue Konzepte zur Vermeidung, Diagnostik und Behandlung berufsbedingter Hautkrankheiten. - Ein zunehmendes Problemfeld, wie die beiden Jenaer Tagungspräsidenten, der Hautarzt Prof. Dr. Peter Elsner und der Arbeitsmediziner Prof. Dr. Rainer Schiele, einhellig feststellen.

Hautkrankheiten stehen in Deutschland an zweiter Stelle der Berufskrankheitenanzeigen. Im Jahr 1999 wurden 19.458 Verdachtsmeldungen erstattet. Zu den besonders gefährdeten Berufsgruppen werden Friseure, Bäcker, Floristen, Masseure, Fliesenleger, Metallschleifer, Fräser, Zahntechniker, Köche und Pflegeberufe gezählt. An Problembewusstsein mangele es den Berufsgenossenschaften keineswegs, so Elsner, wohl aber immer noch vielen Arbeitnehmern.

"Hautreizende oder allergieauslösende Stoffe lauern im Arbeitsalltag oftmals dort, wo man sie nicht vermutet", erläutert Dr. Sibylle Schliemann-Willers, Ärztin an der Jenaer Hautklinik, "und mehrstündige Feuchtarbeiten, die in vielen Berufen täglich geleistet werden müssen, können die Hautbarriere schädigen. Damit wird der Boden für irritative und allergische Kontaktekzeme bereitet."

Nicht nur einzelne kritische Substanzen, sondern vor allem ihre Kombination sorgt dafür, dass die Haut buchstäblich "irritiert" wird. Brennen oder Juckreiz, Hauttrockenheit und Rötung sind erste Anzeichen für beginnende Handekzeme. "Neben technischen Maßnahmen, die den Kontakt zu hautreizenden Substanzen vermindern können, werden Schutzhandschuhe, Schutzkleidung und Hautschutzpräparate zur Vorbeugung eingesetzt", so Schliemann-Willers. An vielen Arbeitsplätzen sind die Arbeitnehmer auf die Verwendung von Hautschutzmitteln besonders angewiesen, etwa wenn das Tragen von Handschuhen an rotierenden Maschinen die Unfallgefahr erhöht.

Möglichst milde Reinigungsprodukte und eine regelmäßige Hautpflege mit milden Hautcremes trügen dazu bei, die natürliche Barrierefunktion der Haut zu erhalten. "Praktisch jeder, der nicht gerade den Arbeitstag nur am Schreibtisch verbringt, kann es mit berufsbedingten Hautkrankheiten zu tun bekommen", weiß die Ärztin. Aus einer Analyse der Tätigkeitsfelder entwickeln die Wissenschaftler inzwischen spezifische Vorbeugemaßnahmen.

So konnten in einigen Berufen manche Gefahrenquellen schon dadurch beseitigt werden, dass allergene Stoffe ersetzt wurden: Zum Beispiel arbeiten heute im Bauhandwerk viele Maurer bereits mit chromatarmem Zement, und Friseure verzichten zunehmend auf so genannte "saure Dauerwellen", nachdem zahlreiche Kontaktallergien gegen den Inhaltsstoff Glycerylmonothioglycolat aufgetreten waren.

Allerdings greift diese direkte Vermeidungsstrategie nicht immer. "Auch das mehrstündige Tragen von Schutzhandschuhen kann selbst zu Hautproblemen führen, da unter dem ständigen feuchtwarmen Abschluss der Hände die Barrierefunktion der Haut auf Dauer leidet", beklagt Schliemann-Willers. Diesen so genannten okklusiven Effekt könne man aber durch Hautpflege mit sanften Seifen und Cremes mildern. Moderne Hautschutzprodukte enthalten teilweise Gerbstoffe, die die Quellung der Haut unter dem Handschuh vermindern. In einigen Berufen seien immer noch zu aggressive Reibemittel in Hautreinigungsmitteln üblich. Dr. Schliemann-Willers: "Mit Waschsand kriegt ein Kfz-Mechaniker die Hände prima sauber - bis sie schließlich kaputt sind. Es gibt aber schon viele mildere Reibemittel, beispielsweise aus Holz, Kunststoff oder Walnussschalenmehl."

Mit der Aufklärungsarbeit müsse man schon vor der Berufswahl beginnen, um potenziell gefährdete Arbeitnehmer mit anlagebedingter Hautempfindlichkeit und "schlummernde Allergien" frühzeitig zu erkennen. Und wie man bei der täglichen Arbeit die Haut ausreichend schützt, sollten Jugendliche sich schon in der Ausbildung aneignen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter Elsner, Dr. Sibylle Schliemann-Willers

... mehr zu:
»Berufsgenossenschaft

Klinik für Hautkrankheiten der Friedrich-Schiller-Universität
Tel.: 03641/937370 bzw. 937440
E-Mail: elsner@derma.uni-jena.de und schliemann@derma.uni-jena.de

Friedrich-Schiller-Universität
Dr. Wolfgang Hirsch
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Fürstengraben 1
D-07743 Jena
Telefon: 0 36 41 · 93 10 30
Telefax: 0 36 41 · 93 10 32
E-Mail: roe@uni-jena.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Wolfgang Hirsch |

Weitere Berichte zu: Berufsgenossenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis
21.04.2017 | Gesellschaft für Informatik e.V.

nachricht Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte
21.04.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten