Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Optische Technologien gehen unter die Haut

19.09.2008
Symposium "Photonics meets Life Sciences" in Jena präsentiert neue Methoden zur Erkennung von Neurodermitis und Hautkrebs.

Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körper und stellt die Abgrenzung des Körperinneren gegenüber der Außenwelt dar. Nichts zuletzt deshalb kann die Haut von einer Vielzahl von Erkrankungen betroffen sein. Optische Methoden bieten ganz neuartige Ansätze zum besseren Verständnis von Hautkrankheiten und deren gezielter Bekämpfung.

Aktuelle Forschungsergebnisse zur Untersuchung der Neurodermitis und des Weißen Hautkrebses wird der Forschungsschwerpunkt Biophotonik vom 22. - 25.9. auf der Veranstaltung "Photonics meets Life Sciences" in Jena der Öffentlichkeit präsentieren.

Der Helle oder auch Weiße Hautkrebs ist eine weitgehend unterschätzte Krankheit. Dabei treten in Deutschland jährlich etwa 80 000 neue Fälle auf, das sind 90% aller Hautkrebs-Neuerkrankungen. Die anfänglich sichtbaren Hautveränderungen werden von den Patienten zunächst oft nicht bemerkt oder nicht ernst genommen, weshalb sie nicht zum Arzt gehen. Da aber auch diese vermeintlich harmlosen Hautkrebsvarianten ein gefährliches Gesundheitsrisiko darstellen, ist eine sichere Früherkennung von größter Bedeutung.

Hier setzt der Forschungsverbund "Nichtlineare Fluoreszenztomographie" (FluoTOM) an, den das BMBF im Rahmen des Forschungsschwerpunktes Biophotonik seit Mitte 2005 fördert. Das hierin erforschte Diagnosesystem kommt ohne künstliche Marker, chirurgische Eingriffe und radiologische Belastung aus, grenzt die verschiedenen Tumor(vor-)stadien jedoch eindeutig voneinander ab. Der Arzt erhält in Echtzeit ortsaufgelöste diagnostische Schnittbilder aus dem Gewebevolumen, mit deren Hilfe er einen Tumor hinsichtlich seiner Ausdehnung, Position und Aggressivität bewerten kann. Dabei erlaubt das FluoTOM-Verfahren erstmals auch die Bewertung tief liegender Gewebeschichten auf der Basis der Volumen-Informationen. Die Technologie soll nach erfolgreicher Einführung in der Dermatologie später auch für Untersuchungen in endoskopisch zugänglichen Körperhöhlen zugeschnitten werden.

Industrielle, universitäre und klinische Partner arbeiten in dem Verbundprojekt "FluoTOM" mit verteilten Aufgaben. Der Schwerpunkt "funktionale Spektroskopie" ist bei der Lasertechnik Berlin GmbH und dem Lehrstuhl für Photonik der Universität Potsdam angesiedelt, der Schwerpunkt "morphologische Koordination und Bildgebung" bei der World of Medicine AG. Die klinischen Partner der Universität Magdeburg und der Elisabeth-Klinik Berlin liefern die Befundung und Referenzierung zu den Ergebnissen.

Ein anderer Forschungsverbund befasst sich mit der Neurodermitis. Von dieser Hautkrankheit sind in Deutschland mehr als 3 Millionen Menschen betroffen, was zu einer geschätzten volkswirtschaftlichen Belastung von über 1,5 Milliarden Euro pro Jahr führt. Noch sind die komplexen Ursachen der Neurodermitis weitgehend ungeklärt. Der im Rahmen des Verbundes "5D-IVT" geplante "5D-Intravitaltomograph" könnte dies bald ändern. Das neuartige System kann dynamische Prozesse in der Haut bis in tiefere Schichten hinein detailliert abbilden und soll künftig die Ursachen von Hautkrankheiten aufklären, eindeutigere Diagnosen ermöglichen und Behandlungen kontrollierend begleiten.

Der neuartige Tomograph erfasst hauteigene Bestandteile binnen Sekunden mikrometergenau, ohne dass Kontrastmittel zugegeben oder Hautproben entnommen werden müssten. Das ist nicht nur für Patienten angenehmer, sondern auch für die Wissenschaft von großem Vorteil. Erstmals könnten dynamische Vorgänge in der Haut, wie beispielsweise die Verteilung von Wirkstoffen, direkt im realen System mit großer Genauigkeit beobachtet werden. Hierzu muss man bisher auf Labormodelle ausweichen.

Die Beiersdorf AG, die die Intravitaltomographie mit entwickelt hat und seit Jahren erfolgreich nutzt, verwendet das 5D-Verfahren, um grundlegende hautphysiologische Fragestellungen zu erforschen und die Erkenntnisse in die Produktentwicklung einfließen zu lassen. Die Hautklinik der Universität Jena will die Technologie zur Diagnose und Therapie von Hautkrebs einsetzen. Technisch kombiniert das Verfahren das hochaufgelöste 3D-Multiphotonen-Fluoreszenz-Imaging mit spektralen und zeitaufgelösten Detektionsverfahren.

Dazu hat die JenLab GmbH ein bereits klinisch zugelassenes bildgebendes System, das "DermaInspect", durch entsprechende Module erweitert. Das saubere Zusammenspiel aller Komponenten sowie die Darstellung und Auswertung der umfangreichen Messdaten stellen die Geräteentwickler vor große technische Herausforderungen. Um das breit angelegte Vorhaben zu meistern, haben sich namhafte Anwender aus Klinik und Industrie mit Technologieführern aus den Optischen Technologien zusammengetan. Derartige Verbundprojekte fördert das BMBF seit dem Jahr 2002 im Forschungsschwerpunkt Biophotonik - im vorliegenden Fall mit rund 2,7 Millionen Euro. Die beteiligten Unternehmen investieren zusätzlich etwa 1,8 Millionen Euro in das Projekt.

Die genannten Forschungsverbünde präsentieren neben vielen anderen ihre aktuellen Forschungsergebnisse in Vorträgen und im Rahmen einer Ausstellung auf dem Symposium "Photonics meets Life Sciences" vom 22. bis 25.September 2008 in Jena. Die Veranstaltung, die gemeinsam vom Forschungsschwerpunkt Biophotonik und dem Jenaer Institut für Photonische Technologien organisiert wird und unter der Schirmherrschaft von Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan steht, zeigt am Beispiel der Biophotonik, wie durch eine sinnvolle interdisziplinäre Vernetzung von Forschungsaktivitäten Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen profitieren können. Thematische Schwerpunkte sind neben der Untersuchung von Hautkrankheiten die Krebsfrüherkennung, die Überwachung der Luft- und Wasserqualität sowie ein besseres Verständnis von Lebensprozessen auf zellulärer und molekularer Ebene.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Jürgen Popp
Sprecher des Forschungsschwerpunktes Biophotonik
Direktor des Institutes für Physikalische Chemie der Universität Jena
Wissenschaftlicher Direktor des Institutes für Photonische Technologien
Tel 03641/ 206 300
Fax 03641/ 206 399
E-Mail juergen.popp@ipht.-jena.de
Dr. Marion Jürgens
Forschungsschwerpunkt Biophotonik
Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail marion.juergens@uni-jena.de

Dr. Marion Jürgens | idw
Weitere Informationen:
http://www.biophotonik.org
http://www.biophotonik.org/symposium2008

Weitere Berichte zu: BMBF Biophotonik Hautkrankheit Hautkrebs Neurodermitis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen
24.03.2017 | Technische Hochschule Wildau

nachricht Lebenswichtige Lebensmittelchemie
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise