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Krebspatienten brauchen eine individuelle psychologische Betreuung

11.09.2008
Am 19. September 2008 findet das 2. Magdeburger Psychoonkologische Kolloquium statt. 430.000 Menschen erkranken jährlich an Krebs.

"Ein Drittel der Patienten braucht professionelle psychologische Hilfe bei der Bewältigung der Erkrankung", berichtete Prof. Dr. Jörg Frommer, Leiter der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Otto-von-Guericke-Universität kürzlich in der MDR-Talksendung "Fakt ist ...!" zum Thema "Diagnose Krebs - Was kommt nach dem Schock?".

Psychoonkologen sind in der ganzheitlichen Betreuung von Tumorpatienten mittlerweile unverzichtbar geworden. Sie widmen sich vor allem psychischen und sozialen Faktoren, die für die Betroffenen und auch deren Angehörigen mit einer Krebserkrankung zusammenhängen können für die Dauer einer Behandlung oder das Leben im Anschluss an diese Behandlung.

Die Psychoonkologie hat sich erst in den vergangenen Jahrzehnten als eigenständige Disziplin entwickelt. "Aber jeder Patient braucht ein individuelles Angebot, je nachdem wie er und seine Angehörigen mit dieser Krise umgehen und wie sinnvoll wann psychotherapeutische Interventionen sind", betont Michael Köhler, der als Psychoonkologe an der Universitätsklinik für Hämatologie/Onkologie Magdeburg tätig ist.

Dieser Thematik widmet sich das 2. Magdeburger Psychoonkologischen Kolloquium, zu dem die Arbeitsgruppe Psychoonkologie des Tumorzentrums Magdeburg/Sachsen-Anhalt e.V. am 19. September 2008 einlädt.

Den Eröffnungsvortrag beim 2. Magdeburger Psychoonkologischen Kolloquium wird Prof. Dr. Dr. Hermann Faller (Universität Würzburg) halten zum Thema "Effektivität psychoonkologischer Interventionen". Er ist ein renommierter Experte für Krankheitsbewältigung und Lebensqualität bei chronischen Krankheiten (u.a. onkologische, kardiologische und muskuloskelettale Erkrankungen), empirische Forschungsmethodik und gehörte zu den ersten Wissenschaftlern, der sich mit den subjektiven Krankheitstheorien von Patienten auseinander gesetzt hat.

Die weiteren Beiträge der Veranstaltung gestalten die Mitglieder der Arbeitsgruppe Psychoonkologie (Sprecher: Prof. Dr. Jörg Frommer). In den beiden Sitzungen geht es um Fragen zur Vorhersage der posttraumatischen Belastungsstörung bei Tumorpatienten, zu der Lebensqualität bei Patienten mit hämatologischen Neoplasien während Hochdosis-Chemotherapie sowie zu Untersuchungen der subjektiven Krankheitstheorien und Rolle von Träumen bei Überlebenden beziehungsweise Patienten einer akuten Leukämie.

Michael Köhler bestätigt: "Das Psychoonkologische Kolloquium hatte bereits im letzten Jahr großen Anklang bei Fachkollegen aus ganz Sachsen-Anhalt gefunden und es soll nun mit der jährlichen Fortsetzung dieser Veranstaltungsreihe daran angeknüpft werden. Es wird die Gelegenheit zur Diskussion aktueller psychoonkologischer Themen anbieten und soll der Weiterentwicklung der Psychoonkologie in Sachsen-Anhalt konstruktiv dienen."

Da die Psychoonkologie sich mit Aspekten der Krankheitsbewältigung von Krebspatienten auf der somatischen, emotionalen, behavioralen, kognitiven, sozialen und immunologischen Ebene befasst, erweist sich das interdisziplinäre Arbeiten in der stationären und ambulanten Patientenversorgung, bei der Durchführung von klinisch-psychoonkologischen Weiterbildungen und bei der am klinischen Bedarf ausgerichteten Gestaltung von Forschungsprojekten als vorteilhaft für alle Beteiligten.

Seit nun mehr 10 Jahren findet in der Universitätsklinik für Hämatologie/Onkologie Magdeburg die integrierte psychoonkologische Versorgung von Patienten und Angehörigen erfolgreiche Anwendung. Obwohl dieses klinische Versorgungsmodell in Deutschland immer noch Seltenheitswert hat, so ist doch der Charakter eines "Leuchtturmprojektes" mittlerweile obsolet.

Es sind zunehmende Veränderungen bei der gegebenen Priorität für psychoonkologische Arbeit zu beobachten. Aktueller Beleg ist der Nationale Krebsplan, der aus der Zusammenarbeit von Bundesgesundheitsministerium, der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren entstanden ist. Die Sicherstellung einer ausreichenden ambulanten und stationären psychoonkologischen Versorgung wird als ausdrückliches Ziel der Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten genannt.

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/

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