Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

1. internationaler Fachkongress über Nanotoxikologie: Nanoforscher bewerten Risiken der neuen Technologie

04.09.2008
Wie sicher ist Nano? Der Antwort wollen Wissenschaftler aus 29 Ländern beim Kongress "Nanotox2008" vom 7. bis 10. September an der ETH Zürich näher kommen, der bislang grössten internationalen Tagung von Nanotoxikologen.

Empa-Fachman Harald Krug, der den Kongress organisiert hat, kritisiert, dass die biologischen Wirkungen von Nanopartikeln noch immer zu wenig erforscht werden. Das schüre Ängste und könne dazu führen, dass die faszinierende Technologie ihre Chancen nicht ausschöpfen kann.

Nanotechnologie hält in immer mehr Bereichen Einzug, das Wissen über mögliche unerwünschte Wirkungen hinkt dagegen hinterher. Die biologischen Wirkungen der winzigen Partikel und ihre Folgen für die Umwelt werden bei weitem nicht so intensiv erforscht wie neue Anwendungen. Um diesen Rückstand ein Stück aufzuholen, treffen sich Spitzenforscher und -forscherinnen aus dem Bereich Nanotoxikologie vom 7. bis zum 10. September in Zürich.

Die Empa hat in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und der Universität Bern zur "Nanotox 2008" geladen. Es ist der erste grosse internationale Kongress in Europa, der sich ausschliesslich mit den biologischen Auswirkungen von Nanoteilchen und Nanomaterialien befasst.

"Um Nanotechnik verantwortungsvoll einzusetzen, brauchen wir das Wissen über ihre biologischen Wirkungen", betont Harald Krug, der die Abteilung "Materials-Biology Interactions" an der Empa leitet und die "Nanotox2008" organisiert hat. Schliesslich behandelten viele Entscheidungsträger die Erforschung von Nano-Risiken recht stiefmütterlich.

Krug befürchtet, dass dadurch eines Tages die Begeisterung für Nanotechnologie in Panik umschlagen könnte: "Wir verspielen die historische Chance auf eine technische Revolution, wenn wir die möglichen negativen Aspekte der neuen Technologie nicht genauso intensiv erforschen. Akzeptanz für die neue Technik erreichen wir nur, wenn wir offen mit den Entscheidungsträgern und mit der Öffentlichkeit sprechen - auch über die Risiken."

Zu diesem sachlichen, offenen Dialog soll die Tagung beitragen. Die Resonanz zeigt, wie sehr das Thema auf den Nägeln brennt. Schon lange vor Anmeldeschluss hatten sich 270 Teilnehmer aus 29 Ländern angemeldet, der Saal ist damit ausgebucht.

In den wissenschaftlichen Vortragsblöcken der "Nanotox2008" geht es zunächst um die besonderen Eigenschaften und die biologischen Auswirkungen von Nanopartikeln sowie um verschiedene "exposure scenarios", also die Frage, wie stark Menschen am Arbeitsplatz oder in der Umwelt Nanoteilchen ausgesetzt sind. Weitere Schwerpunktthemen bilden die Auswirkungen in der Lunge und die Fragen, ob Nanoteilchen dem Erbgut schaden können und wie unser Immunsystem auf die winzigen Eindringlinge reagiert. Ausserdem werden die Einflüsse auf die Umwelt und eine vorausschauende Risikobewertung behandelt. 125 Wissenschaftler präsentieren ihre Forschungsergebnisse in Form eines Posters. Die fünf besten Arbeiten werden ausgezeichnet.

Tagungsort ist das Maschinenlabor-Gebäude (ML)der ETH Zürich, in 8001 Zürich, Zugang von der Tannenstrasse.

Terminhinweis:
Forscher lancieren Allianz für einheitliche Standards in der Risikoforschung
Die "Nanotox2008" wird auch für die Festlegung einheitlicher Forschungsstandards einen grossen Schritt nach vorne bedeuten. Am Dienstag, 9. September, wird die "International Alliance for NanoEHS Harmonization" (IANH) gegründet, wobei EHS für "Environment, Health and Safety" steht. Eine Gruppe von Experten will damit eine Vorreiterrolle übernehmen: Sie haben vereinbart, endlich weltweit gültige Standards, und einheitliche Versuchsprotokolle für die Erforschung von Nano-Risiken zu erarbeiten, damit Experimente nachvollziehbar und reproduzierbar sind. Fehlende Standards und Harmonisierung sind derzeit noch ein grosses Problem bei der Beurteilung der Risiken.

Vertreten sind die Empa und das National Institute of Health (NIH), das National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH) und das National Institute of Standards and Technology (NIST) aus den USA, das Helmholtz Zentrum München, das japanische Institut für Materialwissenschaft (NIMS) sowie weitere grosse Universitäten (zum Beispiel die University of California, Los Angeles, Rice University, Duke University, Universitäten Dublin und Edinburgh). Zur Gründung der IANH findet am Dienstag, 9. September, um 12.45 Uhr bei der "Nanotox2008" eine Pressekonferenz statt.

Weitere Informationen
Prof. Dr. Harald Krug, Tel. +41 71 274 72 74, harald.krug@empa.ch
Interviewanfragen während der "Nanotox2008" richten Sie bitte an den Registration Desk, erreichbar unter +41 77 467 10 85

Sabine Voser | idw
Weitere Informationen:
http://www.nanotox2008.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni
24.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet
24.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften