Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Problemstoffe in der Umwelt - Erfassung, Wirkungen, Lösungen

01.09.2008
Mit dem Verhalten und den Wirkungen von Chemikalien in der Umwelt sowie mit Lösungsansätzen für damit verbundene Umweltprobleme befasst sich vom 23. bis 26. September 2008 an der Goethe-Universität in Frankfurt eine Tagung der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und des deutschsprachigen Zweigs der Society of Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC GLB).

Die beiden Gesellschaften veranstalten zum dritten Mal ihre Jahrestagung gemeinsam, in diesem Jahr unter dem Titel "Neue Problemstoffe in der Umwelt". Zu den neuen Problemstoffen zählen beispielsweise Pharmazeutika, polyfluorierte Tenside, Flammschutzmittel, Nanopartikel und Treibstoffadditive. Es geht aber auch um Stoffe, die bereits seit Dekaden in die Umwelt emittiert werden, aber erst in letzter Zeit als problematisch wahrgenommen werden.

Auf die in den letzten Jahrzehnten wahrgenommenen Umweltprobleme durch Chemikalien haben die Staaten der Welt verschieden schnell und äußerst unterschiedlich reagiert. Schon bald erkannten die Staaten, die im Umweltschutz eine Vorreiterrolle einnahmen, dass regionale Lösungen nicht wirklich weiterführen konnten. Eckpunkte für einen weltweit sicheren Umgang mit gefährlichen Chemikalien wurden erstmals auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro beschlossen. Zehn Jahre später wurde der Strategic Approach on International Chemicals Management (SAICM) auf den Weg gebracht.

Hierin sollen weltweit vorhandene und teilweise konkurrierende Aktivitäten zur Chemikaliensicherheit übergreifend gebündelt, Lücken im Chemikalienmanagement identifiziert und geschlossen sowie die Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern verringert werden. Drei sich ergänzende Dokumente konkretisieren die Inhalte. Allein der Globale Maßnahmenplan empfiehlt als eine Art Leitfaden mehr als 270 Maßnahmen zu 36 Themengebieten.

Wie Dr. Reiner Arndt vom Bundesumweltministerium in Bonn im Eröffnungsvortrag zur Tagung in Frankfurt betont, stehen bei der nationalen Umsetzung von SAICM insbesondere die Schwellen- und Entwicklungsländer im Vordergrund, da in der EU die vorgeschlagenen Maßnahmen weitgehend durch nationale und EU-Regelungen abgedeckt sind.

Basis politischer Weichenstellungen und Entscheidungen müssen gesicherte wissenschaftliche Ergebnisse sein, wenngleich diese gerade im Umweltbereich nicht immer einheitlich interpretiert werden. So fällt es aufgrund benutzerfreundlicher Methoden immer leichter, immer mehr, immer neue Chemikalien in der Umwelt festzustellen und zu erfassen. Gerade wegen der sich stetig verbessernden Analysenmethoden fragt in Frankfurt der Plenarvortragende Professor Walter Giger von der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorung im schweizerischen Dübendorf: "Was kommt als Nächstes?" Überall dort, wo der Mensch tätig wird, hinterlässt er Spuren, Umweltverunreinigungen, die man in immer winzigeren Mengen nachweisen kann. Aufgrund der stofflichen Bandbreite der Verunreinigungen wird es immer schwieriger, ihre Wirkung in der Umwelt zu ermitteln und zu bewerten. Giger will ebenso wie Professor Dr. Thomas Braunbeck von der Universität Heidelberg in seinem Plenarvortrag auf mögliche kommende Problemstoffe hinweisen.

Braunbeck macht darauf aufmerksam, dass sich die Belastung von Organismen in der Umwelt von einem durch Unfälle und kürzerfristige Kontaminationen mit z.T. sehr hohen Schadstoffkonzentrationen geprägten Szenario zu einer kontinuierlichen Exposition gegenüber einer Vielzahl von Substanzen in relativ niedrigen Konzentrationen verschoben hat. Und er beklagt, dass das Instrumentarium zum Nachweis biologischer Effekte der Entwicklung chemisch-analytischer Methoden meist hinterherhinkt. "Neuartige Effekte", wie er es nennt, gingen beispielsweise von endokrinen Disruptoren, also hormonwirksame Substanzen, oder von Pharmaka aus, also von Substanzen, die vom Menschen explizit für eine spezifische Wirkung entwickelt wurden und eingesetzt werden.

Unverständlicherweise werde für einzelne Substanzgruppen regelrecht versäumt, ökotoxikologische Kenndaten, die über akut toxische Wirkungen hinausgehen, zu ermitteln. Als Beispiel nennt Braunbeck polyfluorierte Tenside (insbesondere Perfluoroctansulfonsäure - PFOS, Perfluorooctansäure - PFOA), die aufgrund ihrer Persistenz und ihres Bioakkumulationspotenzials in Europa z.T. bereits reguliert werden, über deren chronische Wirkungen bisher aber kaum Informationen existieren. Bei Nanopartikeln sei die Ökotoxikologie von echten Erkenntnissen hinsichtlich des langfristigen Gefährdungspotenzials noch weit entfernt, so Braunbeck.

Auf umweltchemischem Gebiet befasst sich die Jahrestagung schwerpunktmäßig mit Expositionsmessung und -modellierung, d.h. Verteilung und Transport von Umweltchemikalien, mit ihrem chemischen und biochemischen Metabolismus, mit Strategien des Umweltmonitoring in Luft, Wasser, Boden, Biota und der Stoffverteilung zwischen diesen Umweltkompartimenten.

In der Ökotoxikologie geht der Trend hin zu Methoden der molekularen Zell- und Entwicklungsbiologie. Genomics, Transcriptomics und Proteomics sind Techniken, mit denen große Erwartungen verbunden sind. Jedoch werden Spezifität und Empfindlichkeit noch kritisch betrachtet. Daher treten etablierte Ansätze wieder in den Vordergrund, zu denen beispielsweise klassische histologische Techniken gehören.

Zu den Lösungsmöglichkeiten, die in Frankfurt diskutiert werden und die es zu verstärken gilt, gehören Umweltlabel für Arzneimittel, die separate Behandlung von stark kontaminierten Abwässern, beispielsweise aus Krankenhäusern, oder auch die Urinseparation. Die Zudosierung von Ozon oder Pulveraktivkohle in den Ablauf aus der biologischen Klärstufe sind technische Möglichkeiten zur weitgehenden Reduktion der Spurenstofffracht in die Umwelt. Pilotprojekte klären z.Zt die technische Machbarkeit, also Kosten, Energieverbrauch oder Einfluss auf die Gewässer, und es muss insbesondere bei der Ozonung abgeklärt werden, ob sich Metaboliten bilden, die toxisch wirken könnten.

Die gemeinsame Tagung von SETAC GLB und der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie, zu der mehr als 300 Wissenschaftler erwartet werden, stellt das bedeutendste Forum für Umweltwissenschaftler im deutschsprachigen Raum dar. Die SETAC ist eine der einflussreichsten Organisationen in der angewandten Ökotoxikologieforschung, ihr deutschsprachiger Zweig hat ca. 400 Mitglieder aus Universitäten, Behörden und Industrie. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit.

Sie hat 25 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit über 800 Mitgliedern. Ein besonderes Anliegen beider Gesellschaften ist die Nachwuchsförderung in den Bereichen Ökotoxikologie und Umweltchemie. Seit 2005 ermöglichen beide Gesellschaften die postgraduale Weiterbildung zum Fachökotoxikologen/zur Fachökotoxikologin mit einem zertifizierten Abschluss.

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Premiere für die "innteract conference"
30.03.2015 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Startup Weekend: In 54 Stunden von der Gründungsidee zur Firmengründung
30.03.2015 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln Mess-System für Schiffbau-Versuchsanstalten

Durch wissenschaftlich fundierte Daten der Forscher um Professor Nils Damaschke vom Institut für Allgemeine Elektrotechnik der Universität Rostock wird es künftig möglich, die Propellerform für Schiffe so zu optimieren, dass weniger Kraftstoff verbraucht und der Propellerverschleiß auf Grund von Kavitation reduziert werden kann. Die Wissenschaftler arbeiten inzwischen an der weiteren Verfeinerung eines kommerziellen Mess-Systems für die weltweit agierenden Schiffbau-Versuchsanstalten.

Kleinste Partikel spielen im täglichen Leben eine immer größere Rolle. Ob es sich um Schadstoffe in der Luft (Feinstaubbelastung) oder Zerstäubungsprozesse...

Im Focus: Den Synapsen bei der Arbeit zusehen

Göttinger Forscher beobachten Synapsenaktivität im Gehirn lebender Fruchtfliegen

Wissenschaftler der Universität Göttingen haben mit einer neuen Methode die Aktivität von Nervenzellen im Gehirn lebender Fruchtfliegen beobachtet. Bislang...

Im Focus: FiberLab-Roboter begeistert auf Photonics West in San Francisco

Mit ihrem „humanisierten“ Roboter zeigten Anna Lena Baumann und Wolfgang Schade erstmalig die erfolgreiche Umsetzung der 3D-Navigation über eine neuartige Lasermethode, der Standard Single-Mode-Glasfaser. Mehr als 17.000 Teilnehmer konnten den Roboter und FiberLab, das erste Projekt des Photonik Inkubators in Göttingen, auf der Photonics West in San Francisco kennen lernen.

Mit Hilfe eines in die Kleidung eingenähten Fasersensors wurden Armbewegungen eines Probanden dokumentiert und nach entsprechender Auswertung an den Roboter...

Im Focus: Femto Photonic Production: Neue Verfahren mit Ultrakurzpulslasern für die Fertigung von morgen

Für die deutsche Wirtschaft spielt die Lasertechnik eine herausragende Rolle: Etwa 40 Prozent der weltweit verkauften Strahlquellen und 20 Prozent der Lasersysteme für die Materialbearbeitung stammen aus Deutschland.

Beim Einsatz von Lasern in der Produktion sind deutsche Unternehmen führend. Diese Stärken gilt es zu erhalten und auszubauen. Deswegen hat das...

Im Focus: Theorie der starken Wechselwirkung bestätigt: Supercomputer bestimmt Neutron-Proton-Massendifferenz

Nur weil das Neutron ein klein wenig schwerer ist als das Proton, haben Atomkerne genau die Eigenschaften, die unsere Welt und letztlich unsere Existenz ermöglichen.

80 Jahre nach der Entdeckung des Neutrons ist es einem Team aus Frankreich, Deutschland und Ungarn unter Führung des Wuppertaler Forschers Zoltán Fodor nun...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Premiere für die "innteract conference"

30.03.2015 | Veranstaltungen

Startup Weekend: In 54 Stunden von der Gründungsidee zur Firmengründung

30.03.2015 | Veranstaltungen

Große Bühne für Wissenschaft in drei Minuten

30.03.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

BLS Cargo bestellt 15 Mehrsystem-Loks

30.03.2015 | Unternehmensmeldung

Elastografie verbessert Therapie bei Morbus Crohn

30.03.2015 | Medizintechnik

Premiere für die "innteract conference"

30.03.2015 | Veranstaltungsnachrichten