Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grid Computing: Ein Netz geht um die Welt

28.08.2008
Grid Computing Centre Karlsruhe Hauptknoten für Großexperiment der Physik: gewaltige Datenmengen ab Herbst auf Rechnern des KIT - designierter CERN-Generalsekretär zu Gast

Für ein Großexperiment am europäischen Forschungszentrum CERN haben Wissenschaftler ein weltweites Netz gespannt, das gewaltige Datenmengen verknüpft und rasch verfügbar macht. Ein Hauptknotenpunkt ist das Grid Computing Centre Karlsruhe (GridKa) am Steinbuch Centre for Computing (SCC), dem gemeinsamen Rechenzentrum von Forschungszentrum und Universität. Die Forscher nehmen vorweg, was einmal jeder können soll: Daten und Computerkapazitäten beziehen wie Strom aus der Steckdose oder Wasser aus dem Hahn.

An dem Experiment sind weltweit etwa 8000 Hochenergie- und Elementarteilchenphysiker beteiligt. Sie versuchen mit mächtigen Teilchenbeschleunigern den Zustand der Materie nachzubilden, der eine Milliardstel Sekunde nach dem Urknall herrschte. Die weltweit größte Anlage dieser Art, der Large Hadron Collider (LHC), ist am europäischen Forschungszentrum CERN in Genf in einem kreisförmigen Tunnel von 28 Kilometern Länge untergebracht. Im Herbst liefert sie die ersten Messdaten.

Im Beschleuniger werden Teilchen fast auf Lichtgeschwindigkeit angetrieben - die einen links, die anderen rechts herum: "Bei der Kollision zerplatzen sie", erklärt Klaus Peter Mickel, Technisch-Wissenschaftlicher Direktor des SCC. Dabei entstehen Millionen von Teilchen, welche die Forscher am CERN mit bürohausgroßen und bis zu 12.000 Tonnen schweren Detektoren messen und deren Flugbahnen sie aufzeichnen. Dabei können pro Sekunde mehrere Gigabyte an Daten entstehen, die aufgenommen und später ausgewertet werden müssen: "Pro Jahr sind es 16 Petabyte", rechnet Mickel vor. Ein Petabyte sind eine Billiarde Byte - diese Datenmenge entspricht etwa 1,4 Millionen CDs. Sie braucht enorme Computerkapazitäten: "Für das LHC-Experiment wurde ein Bedarf von etwa 100.000 PCs errechnet", sagt Mickel.

GridKa ist wesentlicher Teil einer weltweit verteilten Grid-Computing-Infrastruktur zur Auswertung der LHC-Messdaten. 2002 wurde Karlsruhe zum deutschen Grid-Zentrum auserkoren - weitere Hauptknotenpunkte gibt es unter anderem in Taiwan und den USA. Ihnen sind 120 kleinere Zentren zugeordnet, diesen wiederum 1000 noch kleinere Zentren, mit denen die Arbeitsplatzrechner der 8000 beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verbunden sind. Seit vier Jahren laufen die Tests. Mittlerweile stehen im SCC über 1400 Rechner sowie Festplatten und Bänder mit jeweils einer Gesamtkapazität von vier Petabyte. 26 Personen bedienen die Anlage.

Der letzte große Test glückte im Mai - "mit mehr Daten als in der Produktion real anfallen werden", wie Mickel versichert. 18 Millionen Euro haben das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das SCC in die Hardware investiert, weitere vier Millionen pro Jahr kostet die Aktualisierung der Rechner. Die ersten Teilchen sollen im CERN nun am 10. September kollidieren. Das Experiment ist auf eine Laufzeit von mindestens 20 Jahren angelegt.

Wie groß die Bedeutung des GridKa für das Experiment am CERN ist, erläutert Professor Rolf-Dieter Heuer, der designierte Generaldirektor des CERN, am Dienstag, 9. September, im Tulla-Hörsaal (Englerstraße 11, Geb. 11.40) bei einem Vortrag in englischer Sprache unter dem Titel "The Large Hadron Collider: Shedding Light on the Dark Universe". Die öffentliche Veranstaltung, die um 18.45 Uhr beginnt und mit einem Empfang ab 20 Uhr im Foyer des Hörsaals endet, bildet den Höhepunkt der International GridKa School on Grid Computing and e-Science vom 8. bis 12. September am SCC. Rund 125 Wissenschaftler und Studierende aus zwölf Nationen tauschen sich bei Präsentationen, Übungen und Workshops aus.

Nähere Informationen zur Elementarteilchenphysik, zu GridKa und zum LHC, zur Großforschung und zur Wissenschaftspolitik erhalten Vertreterinnen und Vertreter von Medien bei einem Pressegespräch am Dienstag, 9. September, 17.30 Uhr, im Raum 231 des Hörsaalgebäudes (Englerstraße 11, Geb. 11.40). Ihren Fragen stellen sich Professor Peter Mättig, Vorsitzender des Komitees für Elementarteilchenphysik, Klaus Peter Mickel, Professor Eberhard Umbach, KIT-Vorstand, Dr. Beatrix Vierkorn-Rudolph vom BMBF, Mitglied des CERN Council, und Professor Heuer.

Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schließen sich das Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft und die Universität Karlsruhe zusammen. Damit wird eine Einrichtung international herausragender Forschung und Lehre in den Natur- und Ingenieurwissenschaften aufgebaut. Im KIT arbeiten insgesamt 8000 Beschäftigte mit einem jährlichen Budget von 700 Millionen Euro. Das KIT baut auf das Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Die Karlsruher Einrichtung ist ein führendes europäisches Energieforschungszentrum und spielt in den Nanowissenschaften eine weltweit sichtbare Rolle. KIT setzt neue Maßstäbe in der Lehre und Nachwuchsförderung und zieht Spitzenwissenschaftler aus aller Welt an. Zudem ist das KIT ein führender Innovationspartner für die Wirtschaft.

Weiterer Kontakt:

Dr. Christopher Jung
Steinbuch Centre for Computing (SCC)
Tel. 07247 82-8606
E-Mail gridKa-school@fzk.de

Dr. Elisabeth Zuber-Knost | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu
http://www.fzk.de/gks08

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen
24.03.2017 | Technische Hochschule Wildau

nachricht Lebenswichtige Lebensmittelchemie
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise