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Zwischen "Lehre ohne Leidenschaft" und "Vertrauenskultur"

01.08.2008
Siebtes Emmy Noether-Treffen in Potsdam: Wissenschaftlicher Nachwuchs diskutierte über Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hochschulen

Bachelor und Master-Einführung, immer höhere Anforderungen an Forschung und Lehre, immer härterer internationaler Wettbewerb - die deutschen Hochschulen stehen vor großen Herausforderungen. Ob und inwieweit sie dafür gerüstet sind, diskutierten rund 160 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf dem diesjährigen Emmy Noether-Treffen in Potsdam.

Zu der inzwischen siebten Veranstaltung dieser Art hatte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) vom 25. bis 27. Juli aktuell Geförderte und Alumni ihres Emmy Noether-Programms sowie eine Reihe von erfolgreichen Antragstellenden der Starting Grants des Europäischen Forschungsrates (European Research Council, ERC) und Gewinner des European Young Investigator Award eingeladen. Das nach der Mathematikerin Emmy Noether (1882-1935) benannte Programm der DFG ermöglicht exzellenten Nachwuchsforscherinnen und -forschern den Weg zur frühen wissenschaftlichen Selbstständigkeit.

Die engagierten Diskussionen des Forschernachwuchses fanden ihren Höhepunkt auf dem wissenschaftspolitischen Abend des Treffens, der unter dem Titel "Massenuni versus Eliteuni" stand. Ein eher düsteres Bild von der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hochschulen zeichnete hier zunächst Professor Hans N. Weiler, der lange an der Stanford University tätig war und als Rektor die Viadrina Universität in Frankfurt an der Oder mit aufbaute. Seine drei Hauptthesen: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hochschulen lässt zu wünschen übrig, die internationale Konkurrenz ist schon aus den Startlöchern, und Deutschland nimmt die Situation nicht ernst genug.

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Die anschließende Stellungnahme von Professorin Susanne Hartwig, Universität Passau, floh in die Satire. Sie schrieb Musils "Mann ohne Eigenschaften" für das 21. Jahrhundert fort und landete bei der "Lehre ohne Leidenschaften" an einer deutschen Universität. Beide Beiträge und auch die zahlreichen Wortmeldungen der Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler machten deutlich, dass die Einheit zwischen Forschung und Lehre zwar nach wie vor als notwendig und sogar gewinnbringend gesehen wird, aber eine geringere Belastung durch Lehrdeputate dringend nötig ist.

Dass an vielen Stellen gesetzliche Regelungen, aber auch fehlende Managementstrukturen die Universitäten vor große Probleme stellen, hatte zuvor bereits Professor Hanns H. Seidler in seinem Nachmittagsvortrag zum Thema "Moderne Wege in der Hochschulfinanzierung" aufgezeigt. Seidler, langjähriger Kanzler der Technischen Universität Darmstadt und jetzt Geschäftsführender Vorstand des Zentrums für Wissenschaftsmanagement (ZWM) in Speyer, plädierte für eine Vertrauens- statt einer Kontrollkultur.

Mit mehreren selbst organisierten Workshops zu konkreten Fragen der Förderung trugen auch die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zum Programm bei und luden zum intensiven Erfahrungsaustausch. In der schon traditionellen "Emmy Noether Lecture" berichtete Dr. Peter Spiteller, wie sich "wehrhafte Waldpilze" gegen sogenannte Fraßfeinde schützen. Der Nachwuchsgruppenleiter an der Technischen Universität München fand bei seinen Forschungen heraus, dass manche Pilze nicht einfach nur giftig sind, sondern bei einem Angriff erst aus einer Vorstufe und einem Enzym ein Gift herstellen. Spitellers Untersuchungen versprechen neue Erkenntnisse für den Pflanzenschutz und die Entdeckung neuer medizinischer Wirkstoffe.

Zum Abschluss des Potsdamer Treffens beschäftigten sich die Geförderten mit Wegen der Wahrheitsfindung in der Wissenschaft. Schlaglichter aus der Theologie, verschiedenen Fachrichtungen der Informatik, aus der Experimentalphysik und dem Maschinenbau zeigten, auf welch unterschiedlichen Wegen - Theorie, Experiment, Statistik und numerische Simulation - Erkenntnisse zustande kommen können. Fazit eines der Vortragenden: "Die Wissenschaft gewinnt jeden Tag Erkenntnisse. Die Wahrheit herauszufinden, wird jedoch ewig dauern."

Erneut rege genutzt wurde die Kinderbetreuung, mit der zum zweiten Mal bei einem Emmy Noether-Treffen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf demonstriert wurde. 22 Kinder von Geförderten fanden hier Spiel und Spaß, während die Eltern über die Zukunft des deutschen Wissenschaftssystems - und die eigene Zukunft - diskutierten.

Weitere Informationen

Einen ausführlichen Bericht zum siebten Emmy Noether-Treffen finden Sie zusammen mit Bildern sowie Kontakt- und Programminformationen im Internet unter:

www.dfg.de/emmy_noether

Dr. Eva-Maria Streier | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de

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