Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herausforderung: Kommunikation mit Krebspatienten

23.07.2008
Top-Thema auf dem 60. Urologen-Kongress in Stuttgart
Der Arzt als Behandelnder, Betreuer oder Betroffener?

Im Mittelalter hatten Boten mit schlechten Nachrichten keine hohe Lebenserwartung. Obwohl die Zeiten ruhiger geworden sind, ist es immer noch keine einfache Aufgabe, der Überbringer schlechter Neuigkeiten zu sein.

Das betrifft besonders Ärzte, die ihren Patienten mitteilen müssen, dass sie bei ihnen Krebs diagnostiziert haben. In dieser Situation kann eine professionelle Kommunikation für Arzt und Patient ein Rettungsanker sein. Aber auch in der Therapiephase bleibt die Kommunikation mit Krebspatienten eine Herausforderung.

Entsprechende Weiterbildung ist notwendig und wird onkologisch tätigen Urologen auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) vom 24. bis 27. September 2008 in Stuttgart erstmals angeboten.

Wenn ein Patient erfährt, dass er Krebs hat, trifft es ihn bis ins Mark. Es entstehen plötzlich so viele Handlungsebenen, die berücksichtigt werden müssten, dass es sowohl für den Arzt als auch für den Patienten fast unmöglich ist, allen Erfordernissen gleichzeitig gerecht zu werden. Die Rufe nach einer besseren Schulung der Ärzte für Patientengespräche stammen zwar zumeist aus dem Patientenlager, doch es liegt auch im Interesse der Ärzte, hier Kompetenzen zu erwerben.

Auf dem DGU-Kongress wird Dr. Alexander Marmé Interesse für diese kommunikative Kompetenz wecken. Er ist Gynäkologe an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Tübingen und erfahrener Kommunikationstrainer, der seit vielen Jahren in Anlehnung an das SPIKES-Protokoll von Buckman und Baile arbeitet und sich heute auch in dem bundesweiten Fortbildungsangebot "KoMPASS" engagiert, das mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe in sechs Krebszentren ein spezielles Kommunikationstraining für Ärzte anbietet.

Dr. Marmé: "Ein onkologisch tätiger Arzt übermittelt in seinem Berufsleben circa 20 000 schlechte Nachrichten und gerade junge Kollegen sind mit dieser Situation oft überfordert und fürchten sich teilweise vor diesen Gesprächen. Auch ich komme noch in Situationen, bei denen ich sage: das überfordert mich. Deshalb bereite ich mich immer vor - sachlich und emotional. Ein Konzept gibt Sicherheit."

Arzt-Patienten-Gespräche sind in der Tat schwierig: Die Informationswünsche des Patienten stehen der Aufklärungsintention des Arztes laut einer Veröffentlichung der Abteilung für Medizinische Psychologie der Universität Freiburg nahezu diametral gegenüber. So interessieren sich Patienten brennend für die Prognose (83% Wichtigkeit), erst danach wenden sie ihre Aufmerksamkeit Diagnose, Diagnostik und Therapie zu.

Beim Arzt ist es genau umgekehrt: er will seine Aufgabe wahrnehmen und Aufklären und Entscheidungen finden. Hier steht die Diagnostik (83%) im Brennpunkt des Interesses. Therapie und Diagnose folgen, die Prognose (13%) ist für ihn eher nachrangig wichtig.

Die Kommunikation mit Krebspatienten hat ihre besonderen Handicaps, weiß Dr. Marmé. "Es ist der größte Fehler, wenn wir eine schlechte Nachricht überbringen, dass wir uns viel zu wenig Zeit nehmen zur allumfassenden Wahrnehmung des Patienten. Sowohl auf der Sachebene als auch auf der emotionalen Ebene." Besonders der Umgang mit der starken Emotionalität der Patienten fällt schwer. "Oft kommunizieren wir auf zwei Ebenen, weil wir auf eine emotionale Äußerung des Patienten mit einer rationalen Erklärung antworten. Dann fühlt sich der Patient einmal mehr unverstanden und allein." Dass Ärzte sich meist besser aufs Antworten als aufs Zuhören verstehen, ist belegt. "Im Schnitt werden Patienten nach 12 Sekunden unterbrochen, obwohl zuhören und fragen geboten ist."

Nach dem Motto "learning by doing" setzt der Tübinger Kommunikationsexperte in seinen Seminaren auf Rollenspiele: "Kommunikation lernt man nicht, indem man sich vor ein Buch setzt, sondern nur durch die eigene Erfahrung.

Es ist manchmal nur ein einziges Erleben eines solchen Gesprächs in der Patientenrolle notwendig, um die gänzlich andere Interessenlage zu begreifen und zu berücksichtigen."

Der Drahtseilakt zwischen medizinischer Behandlung und psychischer Betreuung hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf den Patienten. Seit Langem ist bekannt, dass insbesondere bei Onkologen und klinischem Personal, das in der Onkologie tätig ist, eine starke Korrelation zwischen ihrem Beruf und dem Burnout-Syndrom besteht. So ist es auch im ureigensten Interesse des Arztes, eine allgemeine Kompetenz in der Bewältigung von Patientengesprächen aufzubauen, denn die erlebte Hilflosigkeit ist der stete Tropfen, der irgendwann das Fass namens Burnout überlaufen lässt und auch den Arzt zum Betroffenen macht. Dass umgekehrt die Nachwirkungen eines Kommunikationstrainings noch jahrelang in der erhöhten beruflichen Zufriedenheit der Teilnehmer nachzuweisen sind, belegt eine Studie aus Nordeuropa.

Fazit: Kommunikative Fachkompetenz rückt immer mehr in den Fokus der Mediziner. Nach Ansicht von Dr. Alexander Marmé zu Recht: "Wer onkologisch tätig ist, muss sich den Herausforderungen des Faches stellen, und dazu gehört auch, die Patienten zu begleiten. Ich kann nicht sagen, das ist meine Diagnose, den Rest macht der Psychotherapeut!"

Der 60. Urologen-Kongress in Stuttgart bietet entsprechende Weiterbildung, um sicherzustellen, dass die Urologen sich weiterhin ihren Aufgaben als Behandelnder und Betreuer widmen können, ohne selbst zu Betroffenen zu werden.
Terminhinweis:
60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.,
24. bis 27. September 2008, Internationales Congresscenter Stuttgart
Seminar: "Breaking Bad News- Herausforderung Kommunikation mit Krebspatienten",
Donnerstag, 25. September 2008
Freitag, 26. September 2008
Anmeldung zum Kongress und zur Eröffnungs-PK
am Donnerstag, 25.September 2008, 12.15 bis 13.45 Uhr:
http://www.wahlers-pr.de/umfrage/dgu/
Kontakt:
DGU-Pressestelle
Bettina-Cathrin Wahlers & Sabine Martina Glimm
Stremelkamp 17, 21149 Hamburg
Tel.: (040) 79 14 05 60, Mobil: (0170) 48 27 287
Mail: info@wahlers-pr.de

Bettina-Cathrin Wahlers | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgu-kongress.de
http://www.wahlers-pr.de/umfrage/dgu/
http://www.urologenportal.de

Weitere Berichte zu: Kommunikationstraining Krebspatient

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht 11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"
22.09.2017 | BusinessForum21

nachricht Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg
22.09.2017 | DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie