Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fachkonferenz: Präventionsmaßnahmen gegen häusliche Gewalt

03.06.2008
Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Hermann Kues: "Schule nimmt Schlüsselrolle bei der Bekämpfung häuslicher Gewalt ein"

Kongress in Berlin stellt in der Praxis erprobte Bausteine für Präventionsarbeit vor / Modellprojekt soll bundesweit Schule machen

"Wenn Kinder zu Hause Gewalt erfahren, prägt diese Erfahrung meist ein ganzes Leben. Die eigenen Leiden im Kindesalter werden nicht selten weitergegeben an Gleichaltrige oder später den Partner. Deswegen ist es so wichtig, dass wir den Kreislauf der Gewalt so früh wie möglich unterbrechen", sagt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Hermann Kues.

"Die 'Kultur des Hinschauens und Handelns' muss sich in allen gesellschaftlichen Bereichen etablieren - auch und besonders in den Schulen. Sie sind eine wichtige Schnittstelle, an der Hilfssignale betroffener Kinder und überforderter Eltern ankommen und wo gezielte Unterstützung für überforderte Familien auf den Weg gebracht werden kann. Modellprojekte wie das vom Bundesfamilienministerium geförderte Projekt BIG zeigen erstmals in Deutschland, wie wirksamer Kinderschutz in der Schule aussehen kann. Ich würde mich sehr freuen, wenn dieses Beispiel in vielen anderen Bundesländern Schule machen würde", so der Parlamentarische Staatssekretär weiter.

Kues eröffnet heute in Berlin die Fachkonferenz "Präventionsmaßnahmen gegen häusliche Gewalt: Was kann Schule machen? - voneinander lernen - miteinander kooperieren - gemeinsam Lösungen finden". Mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Schule, Wissenschaft und Politik aber auch Kinder- und Jugendhilfe, Verbänden und Organisationen aus dem Anti-Gewalt-Bereich diskutieren über heute vorgestellte Ergebnisse von Modellprojekten zur Unterstützung von Gewaltopfern unter Kindern.

Die Konferenz will insbesondere die zuständigen Akteure auf Landesebene für weitere praktische Schritte zur Prävention im Verantwortungsbereich der Schule gewinnen.

Annegret Kramp-Karrenbauer, saarländische Ministerin für Bildung, Familie, Frauen und Kultur und amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz erklärt zum Konferenzauftakt: "Wir sollten darauf hinwirken, in den Ländern bestehende Strukturen und Möglichkeiten bekannt zu machen, bestehende Kooperationen weiter zu entwickeln und die Möglichkeiten, das Thema im Unterricht aufzugreifen, zu nutzen. Ich bin überzeugt, das ist eine wichtige Aufgabe, der sich verschiedene gesellschaftliche Gruppen annehmen müssen. Die Schule ist ein wichtiger Teil davon."

Daten & Fakten

Häusliche Gewalt ist keine Seltenheit. Frauen und Kinder sind davon in besonderem Maß betroffen: Etwa jede vierte Frau, die in Deutschland lebt, ist selbst schon einmal Opfer von Gewalt geworden. Das belegt eine Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2004. Und: Gewalt gegen Mütter trifft immer auch deren Kinder:

* 57 % der Befragten gaben an, die Kinder hätten die Gewaltsituationen gehört; 50 % sagten, die Kinder hätten sie gesehen.

* Etwa 21 % bis 25 % gaben an, die Kinder seien in die Auseinandersetzungen mit hineingeraten oder hätten die Befragten zu verteidigen versucht. Jedes zehnte Kind wurde dabei selbst körperlich angegriffen.

* Mädchen, die in ihrer Kindheit und Jugend körperliche Auseinandersetzungen zwischen den Eltern miterlebten, haben im Erwachsenenalter mehr als doppelt so häufig selbst Gewalt durch (Ex-)Partner erlitten als Frauen, die im Kindesalter keine Zeuginnen elterlicher Gewalt geworden sind.

Die Folgen für die Kinder sind gravierend: Aggressivität, Ängstlichkeit und nicht selten Schwierigkeiten in der Schule. Eine Untersuchung für das "Handbuch Kindeswohlgefährdung nach § 1666 BGB und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD)" des Deutschen Jugendinstituts ergab:

* Von Gewalt betroffene Kinder leiden unter häufigeren bzw. intensiveren Verhaltensproblemen, die sich auch in der Schule und anderen Einrichtungen (Sportvereinen, Horte etc.) bemerkbar machen.

* Lern- und Konzentrationsfähigkeit der Kinder werden beeinträchtigt. Die kognitive und schulische Entwicklung stagniert bzw. lässt deutlich nach, tatsächliche Begabungen werden oft unterdrückt.

* Die betroffenen Kinder erleben auch die beobachtete Gewalt durchgehend als sehr belastend und erleiden einen massiven Verlust ihrer emotionalen Sicherheit.

* Ähnlich starke negative Effekte sind bei Kindern zu finden, die mit einem oder zwei alkoholabhängigen Elternteilen aufwachsen.

Hier setzt das vom Bundesfamilienministerium wissenschaftlich begleitete Berliner Schulmodellprojekt "BIG Präventionsprojekt, Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe bei häuslicher Gewalt" an. Zum ersten Mal haben sich Schülerinnen und Schüler, Eltern aber auch Lehrerinnen und Lehrer intensiv mit dem Thema befasst.

In insgesamt 13 Klassen an fünf Grundschulen gab es Diskussionsveranstaltungen und Workshops rund um Fragen wie: Woran erkenne ich, dass ein Mitschüler unter häuslicher Gewalt leidet? Wohin kann ich mich als Betroffene oder Betroffener wenden? Wie kann Schule Kindern helfen, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind? Expertinnen und Experten präsentieren auf der heutigen Fachkonferenz Best-Practice-Beispiele, um so die nächsten konkreten Schritte für die Präventionsarbeit in den Schulen anzustoßen.

Das Modellprojekt BIG gehört zu einer Kette von Initiativen, mit der das Bundesfamilienministerium eine "Kultur des Hinschauens und Handelns" im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt etablieren will. Neben dem "Aktionsplan II der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen" haben das Programm "Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme" sowie der Nationale Aktionsplan "Für ein kindergerechtes Deutschland 2005 - 2010" (NAP) grundlegende Strukturen für einen besseren Schutz des Kindeswohls geschaffen.

| BMFSFJ
Weitere Informationen:
http://www.bmfsfj.de

Weitere Berichte zu: Bundesfamilienministerium Modellprojekt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF
13.12.2017 | VDI Technologiezentrum GmbH

nachricht Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert
13.12.2017 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften