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Keine pauschale Falle: DRGs in der Schweiz

30.05.2008
Geplantes Schweizer Fallpauschalensystem ist Thema der 3. IIR-Konferenz „SwissDRG“ (01. bis 02. Juli 2008, Radisson SAS Hotel Basel)
Vor zweieinhalb Jahren fiel in der Schweiz die Entscheidung für ein Klinik-Abrechnungssystem auf Basis des deutschen Fallpauschalenmodells (DRG – Diagnosis Related Groups): Die sogenannten SwissDRGs sollen per Gesetz bis spätestens 2012 flächendeckend eingeführt sein. (Quelle: www.swissdrg.org)

In Deutschland ist das Modell unterdessen in Misskredit geraten: Das System habe sich „in kurzer Zeit zu einem monströsen Dickicht entwickelt“, resümierte das TV-Magazin Plusminus am 25. März 2008. Die Absicht, mit dem System den Anstieg der Kosten im Gesundheitswesen zu stoppen, sei misslungen, sagte der Medizincontroller Hügo Kuypers in der Sendung. Viele Ärzte fühlten sich durch den wirtschaftlichen Druck und den bürokratischen Aufwand in der Arbeit mit den Patienten beeinträchtigt.

Der Wettbewerb unter den Kliniken sei indes durch die Einführung des neuen Systems weiter gewachsen. Derzeit untersucht der Niedersächsische Verein zur Förderung der Qualität im Gesundheitswesen e.V. in einer Studie unter 20 Kliniken die tatsächlichen Effekte der DRG-Einführung. Erste Ergebnisse deuteten laut Dr. Brigitte Sens, Leiterin des bei dem Projekt federführenden Zentrums für Qualität und Management im Gesundheitswesen, darauf hin, dass die „vielfach beschworene Ökonomisierung zum Nachteil für die Patientenversorgung zumindest jetzt noch nicht nachweisbar ist.“ (www.qualitätsinitiative.de, 27.11.2007)

Von kritischen Stimmen sollten sich die Schweizer Spitäler nicht beirren lassen, wie der Krankenhausmanagementexperte Dr. Leo Boos aus Zürich betont: „Für Spitäler bietet die Umstellung auf diagnosebasierte Fallpauschalen eine große Chance, ihre Kosten und Qualität intern und extern transparent darzustellen und so ihre Organisation zu optimieren“, sagte Boos gegenüber dem Konferenzveranstalter IIR Deutschland. Es sei jedoch ein Irrglaube, Fallpauschalen würden automatisch zu Verbesserungen der Prozesse führen. „Wer mit der Reorganisation bis zum Zeitpunkt der Einführung von SwissDRG wartet, wird sich große Nachteile einhandeln.“ Zu lange Aufenthaltsdauern könnten zu Verlusten führen und die Existenz eines Spitals bedrohen.

Unter dem Vorsitz von Dr. Leo Boos kommen am 1. und 2. Juli 2008 in Basel Vertreter aus Politik und Praxis zusammen, um Strategien für die Umstellung auf das DRG-System zu diskutieren: Die „3. IIR-Konferenz SwissDRG“ (http://www.iir.de/swiss-drg/inno) thematisiert die künftige Spitalfinanzierung, die neuen Aufgabenprofile unter DRG-Bedingungen und nötige Prozessveränderungen. Um für optimalen Erfahrungsaustausch zu sorgen, wurden sowohl Schweizer als auch deutsche Referenten geladen.

Dr. Peter Indra, Vizedirektor im Bundesamt für Gesundheit (BAG), erläutert den aktuellen Stand der System-Einführung und zeigt die Konsequenzen für das Schweizer Gesundheitswesen auf.

Die SwissDRG AG, ein eigens für das DRG-Modell gegründetes gemeinnütziges Expertenbüro, soll die gesamtschweizerische Tarifstruktur erarbeiten, weiterentwickeln und an das neue Abgeltungssystem anpassen. Die operative Verantwortung obliegt dem Kompetenzzentrum Case Mix Office (CMO). (Quelle: www.swissdrg.org). CMO-Geschäftsführer Simon Hölzer wird die Aufgaben der SwissDRG AG vorstellen und erläutern, mit welchen Stolpersteinen Schweizer Spitäler bei der Einführung rechnen müssen. Ein Update zum deutschen CMO-Pendant, dem Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) präsentiert dessen Geschäftsführer Dr. Frank Heimig.

Vertreter von Spitälern, Rehakliniken und Krankenversicherer, unter ihnen der Sanitas-CEO Otto Bitterli, äußern Handlungsempfehlungen zur Vorbereitung auf den Systemwechsel. Der Schweizer Gesundheitsökonom Dr. Willy Oggier zeigt, was die Schweiz von Deutschland lernen kann, weist aber auch auf Gefahren der vorschnellen Analogiebildung hin.

Auch die Themen Qualitätsmanagement unter DRG-Bedingungen, Integrierte Versorgung, OP- und Entlassungsmanagement und der Aufbau einer Kostenträgerrechnung werden diskutiert.

Das Programm ist im Internet abrufbar unter:www.iir.de/swissdrg/inno
www.iir.de/swissdrg/inno

Kontakt:
Romy König
Pressereferentin
IIR Deutschland GmbH – ein Unternehmen der Informa Group
Westhafenplatz 1
60327 Frankfurt am Main
Tel.:++49 (0)69 / 244 327 - 3391
Fax: ++ 49 (0)69 / 244 327 - 4391
E-Mail: romy.koenig@informa.com

Romy König | IIR Deutschland GmbH
Weitere Informationen:
http://www.swissdrg.org

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